ESE-Kongress 2026 Rust, C und C++ gezielt in die Praxis bringen

Von Sebastian Gerstl 6 min Lesedauer

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Rust kennenlernen, bestehende C-Anwendungen modernisieren und parallele Programme beherrschbar machen: Die Programmiersprachen-Seminare des ESE-Kongresses 2026 verbinden Sprachkonzepte mit konkreten Entwicklungsaufgaben. Im Mittelpunkt stehen praktische Lösungswege für Embedded-Entwickler – vom ersten Mikrocontroller-Projekt bis zur Absicherung von Firmware.

Vom Spracheinstieg bis zur sicheren Firmware: Die praxisnahen Seminare des ESE-Kongresses 2026 zeigen, wie Entwickler Rust, C und C++ für Embedded-Anwendungen einsetzen.(Bild:  Nicolas Det / VCG)
Vom Spracheinstieg bis zur sicheren Firmware: Die praxisnahen Seminare des ESE-Kongresses 2026 zeigen, wie Entwickler Rust, C und C++ für Embedded-Anwendungen einsetzen.
(Bild: Nicolas Det / VCG)

Neue Programmiersprachen und zusätzliche Sprachfunktionen versprechen mehr Sicherheit, effizientere Entwicklung und besser wartbaren Code. Im Projektalltag stellt sich allerdings die Frage, wie sich diese Möglichkeiten sinnvoll nutzen lassen. Bewährte Anwendungen können selten vollständig neu geschrieben werden, vertraute Programmiergewohnheiten lassen sich nicht uneingeschränkt übertragen, und auch moderne Sprachen nehmen Entwicklern nicht jede Verantwortung ab.

Die Seminare des ESE-Kongresses 2026 setzen genau hier an: Sie vermitteln das nötige Verständnis und zeigen anhand konkreter Beispiele, wie sich neue Ansätze in die eigene Entwicklungspraxis übertragen lassen.

Einen Einstieg über ein unmittelbar erlebbares Ergebnis bietet „Rust von 0 auf 10 LEDs – Wir bauen ein BLE-Multiplayer-Spiel“. Das Kompaktseminar richtet sich an erfahrene Entwickler, die mindestens eine Sprache wie C, C++, Java, C#, Go oder Rust beherrschen. Ausgehend von einem Hello World lernen sie zunächst grundlegende Sprachkonstrukte und die Denkweise von Rust kennen. Anschließend geht es auf das Mikrocontroller-Board: Pins werden angesteuert, LEDs blinken, und über Bluetooth Low Energy treten die Geräte miteinander in Verbindung.

Theorie und praktische Übungen wechseln sich dabei kontinuierlich ab. Ownership, Borrow Checker, Traits, Enums und Hardware-Abstraktionsschichten werden ebenso behandelt wie der BLE-Stack. Nach etwa zwei Stunden Grundlagenarbeit entwickeln die Teilnehmer Schritt für Schritt das Spiel auf der Hardware. Das gemeinsame Projekt macht die Auswirkungen des eigenen Codes sichtbar und bietet Gelegenheit, Verständnisprobleme direkt mit einem erfahrenen Trainer zu klären. So soll gerade die anfängliche Hürde beim Umgang mit den ungewohnten Rust-Konzepten sinken.

Von vertrauten Konzepten zu neuen Denkweisen

Wer bereits erste Rust-Programme geschrieben und kompiliert hat oder mit den grundlegenden Konzepten vertraut ist, findet in „Lost in Translation? Rust für C- und C++-Entwickler“ eine systematische Orientierung für den Umstieg. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Kenntnisse aus C und C++ weiterhelfen – und an welchen Stellen eine direkte Übersetzung zu kurz greift. Denn ähnliche Begriffe bedeuten in den verschiedenen Sprachen nicht zwangsläufig dasselbe, und vertraute Vorgehensweisen führen nicht immer zu idiomatischem Rust.

Der Workshop vermittelt Vergleichsachsen und mentale Modelle, mit denen Entwickler Gemeinsamkeiten und Unterschiede einordnen können. Dabei geht es auch darum, Programmiergewohnheiten zu erkennen, die beim Wechsel hinderlich werden: Wer mit dem Rust-Compiler arbeiten möchte, muss manche Aufgabe anders angehen als in C oder C++. Die Teilnehmer erhalten einen Leitfaden, um die behandelten Aspekte anschließend im Selbststudium und im eigenen Projektalltag gezielt zu vertiefen.

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Deutschlands Leitkongress der Embedded-Softwarebranche

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Das Programm des ESE Kongress umfasst 96 Vorträge, 21 Seminare und 3 Keynotes. Seien Sie dabei, wenn sich die Embedded-Software-Community trifft, und nutzen Sie Diskussionen und Expertengespräche für einen ergiebigen Wissenstransfer und erfolgreiches Networken. Während der vier Kongresstage erwartet Sie zudem eine große Fachausstellung mit den führenden Firmen der Branche. Erfahren Sie alles über die neuesten Trends, Herausforderungen und Lösungen im Embedded Software Engineering, von KI, Safety und Security bis hin zu Management und Innovation.

Auch der Schritt von C zu C++ muss nicht mit einem vollständigen Umbau der Anwendung beginnen. Das Seminar „C++/NonOOP – der nicht-objektorientierte Einstieg in C++“ zeigt, wie Entwickler ausgewählte C++-Eigenschaften nutzen können, ohne ihre Programme auf objektorientierte Strukturen umzustellen. Es richtet sich an Entwickler von Embedded-C-Anwendungen und setzt Programmiererfahrung in C voraus.

Nach einer Einführung in die Entstehung und die Effizienzziele von C++ werden unter anderem Referenzen, Aufzählungsdatentypen, bereichsbasierte for-Schleifen, Funktionsüberladung, Namensbereiche und Cast-Operatoren anhand von Programmbeispielen vorgestellt. Dabei bleibt der Blick auf die Anforderungen eingebetteter Systeme gerichtet: Welche Speicherplatz- und Laufzeitkosten entstehen, und wie können C- und C++-Module zusammenarbeiten? Die Teilnehmer erfahren, wie sich ausgewählte fehleranfällige C-Sprachmittel durch sicherere Alternativen ersetzen lassen und wie eine höhere Typsicherheit dabei hilft, Fehler bereits beim Übersetzen zu erkennen.

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Bestehende Anwendungen mit Rust erweitern

Einen weiteren Weg zur schrittweisen Modernisierung zeigt „Oxidieren in der Praxis – Integration von Rust in bestehende (Embedded) C-Anwendungen“. Der Workshop richtet sich an Entwickler, die sicher mit C umgehen und grundlegende Rust-Kenntnisse mitbringen. Ausgangspunkt ist eine bestehende Mikrocontroller-Anwendung, die um die Erzeugung und Anzeige von QR-Codes für gefundene Netzwerke erweitert wird. Damit steht eine konkrete Integrationsaufgabe im Vordergrund, wie sie auch bei der Weiterentwicklung vorhandener Produkte auftreten kann.

Nach einer kurzen Einführung arbeiten die Teilnehmer selbst an der Demo-Anwendung. Sie stellen die Laufzeitunterstützung für Rust bereit, binden Rust in den Build-Prozess mit CMake ein und setzen erste Aufrufe zwischen Rust und C über das Foreign Function Interface um. Weitere Schritte sind das automatische Erzeugen der Schnittstellenanbindungen, dynamische Speicherallokationen und die Integration des QR-Code-Generators. Die Ausgabe auf dem Display erfolgt mit LVGL.

Der Workshop behandelt damit den Weg von der Einbindung der Sprache bis zur sichtbaren Funktion auf dem Gerät. Bewährter C-Code kann weiter genutzt werden, während neue Anwendungsteile in Rust entstehen. Jeder Teilnehmer erhält ein Mikrocontroller-Board, das nach dem Workshop mitgenommen werden kann. Die vertraute Arbeitsumgebung steht so auch für die nächsten eigenen Integrationsschritte zur Verfügung.

Sichere Firmware braucht mehr als Speichersicherheit

Während die Integration in vorhandene Anwendungen vor allem das Zusammenspiel der Sprachen betrifft, widmet sich „Building Secure Embedded Systems with Rust“ der Verbindung von Embedded Rust mit hardwaregestützten Sicherheitsmechanismen. Anhand einer vollständigen Trusted-Firmware-Anwendung zeigt das Seminar, wie sich Firmware in sichere und nicht sichere Bereiche aufteilen lässt. Im Mittelpunkt stehen TrustZone-M auf Arm-v8-M-Prozessoren und die Frage, wie Speichersicherheit und eine isolierte Ausführung zusammenwirken.

Live-Demonstrationen auf einem Befehlssatzsimulator und einem Hardware-Board machen Architektur, Werkzeuge und Implementierung nachvollziehbar. Behandelt werden unter anderem Secure- und Non-Secure-Firmware in Embedded Rust ohne Standardbibliothek, die Projektstruktur mit Cargo-Workspaces und xtask sowie Secure Boot und die Übergabe an den nicht sicheren Anwendungsteil. Hinzu kommen die Isolation von Speicher und Peripherie, abgesicherte Einstiegspunkte und Funktionsaufrufe über die Sicherheitsgrenzen hinweg.

Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf der Verteilung der Verantwortung zwischen Prozessor, Toolchain und Anwendungscode. Welche Zustandswechsel erledigt die Hardware automatisch? Welche Unterstützung erzeugt der Compiler? Und welche Aufgaben bleiben beim Firmware-Entwickler? Auch Fehlerfälle wie SecureFaults und HardFaults werden untersucht. Die Teilnehmer lernen dadurch nicht nur den Aufbau einer solchen Firmware kennen, sondern auch, ihre Sicherheitsgarantien und Grenzen zu beurteilen und Fehler an den Übergängen zwischen den Bereichen zu analysieren.

Nebenläufigkeit verstehen und Fehler gezielt finden

Mit einer anderen anspruchsvollen Entwicklungsaufgabe beschäftigt sich „Multithreading und Multiprocessing in C++“. Anhand praktischer Beispiele in Visual Studio erläutert das Seminar, welchen Nutzen Threads und Prozesse bieten und welche Fehler durch ihre Zusammenarbeit entstehen können. Dazu gehören Prioritäten, gemeinsam genutzte Ressourcen, Deadlocks und Fallstricke bei der Ausnahmebehandlung. Spezifische Vorkenntnisse werden für das Seminar nicht vorausgesetzt.

Konsolenbeispiele verdeutlichen zunächst, was passiert, wenn mehrere Threads auf dieselbe Hardware zugreifen, und wie Critical Sections solche Zugriffe koordinieren. Für das Multiprocessing dient ein Logserver als Anwendungsbeispiel. An ihm werden unter anderem Mutexes, Log-Level, Dateiausgabe und Konsolenausgabe sowie die APIs CreateFileMapping und OpenFileMapping erläutert. Debugging-Demonstrationen helfen, das Verhalten nachzuvollziehen und typische Fehlerquellen zu erkennen. Die Quelltexte stehen den Teilnehmern anschließend als Code-Patterns zur Verfügung.

Ob spielerischer Rust-Einstieg, schrittweise Modernisierung oder gezielte Arbeit an Sicherheitsgrenzen und parallelen Abläufen: Die sechs Seminare eröffnen unterschiedliche Zugänge zu konkreten Aufgaben der Embedded-Softwareentwicklung. Gemeinsam ist ihnen der Blick auf die praktische Umsetzung. Wer Rust und C++ im eigenen Projekt fundierter einsetzen möchte, findet auf dem ESE-Kongress 2026 passende Angebote, um Sprachkonzepte zu verstehen, Werkzeuge kennenzulernen und Erfahrungen für die tägliche Entwicklungsarbeit mitzunehmen. (sg)

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