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Zehn Vorteile, die für Open Source Software in Unternehmen sprechen

| Autor / Redakteur: Ann Thueland * / Sebastian Gerstl

Open Source Software hat zahlreiche Vorteile gegenüber kommerziellen Alternativen – von Kosten, Sicherheit bis hin zur Qualität.
Open Source Software hat zahlreiche Vorteile gegenüber kommerziellen Alternativen – von Kosten, Sicherheit bis hin zur Qualität. (Bild: Clipdealer)

Früher war Open Source Software überwiegend im privaten Gebrauch oder Hobby-Einsatz zu finden. Mittlerweile gewöhnen sich aber immer mehr Branchen an deren professionellen Einsatz – ob nun IT, Automotive oder Automatisierung. Was sind die konkreten Vorteile von Open Source Software in Unternehmen?

Die Anbieter proprietärer Unternehmenssoftware, darunter Microsoft hatten sich lange Zeit einen Krieg der Worte gegen den Einsatz von Open Source geführt. Der ehemalige CEO Steve Ballmer bezeichnete Linux einst gar als „Krebsgeschwür“. Mittlerweile hat allerdings bei den Meisten eine Kehrtwende zu diesem Thema eingesetzt: Microsoft zählt heute zu den größten Open-Source-Anbietern der Welt, wobei auch IBM und SAP in die Top Ten vorstießen. 2018 zahlte Microsoft 7,5 Milliarden US-Dollar, um GitHub mit dessen riesigem Code Repository zu erwerben.

Laut der im April 2019 veröffentlichten „State of Enterprise Open Source“-Studie von Red Hat glauben 99 % der IT-Führungskräfte, dass Open-Source-Software zumindest „ziemlich wichtig“ für ihre IT-Strategie ist. Auch in der Konzeption von Embedded Systemen, etwa für Automotive, oder in der Automatisierungsbranche gewöhnen sich Entscheider zunehmend an den Gedanken, den Einsatz von Open Source Software in Entwicklung zuzulassen.

Wo liegen die Stärken von Open Source Software? Welche Vorteile kann ein unternehmen daraus ziehen, auf vorhandene Open-Source-Lösungen zu setzen oder einen quelloffenen Ansatz zu verfolgen? Ververica hat zehn konkrete Vorteile von Open-Source-Software für Unternehmen benannt:

1. Niedrigere Gesamtkosten

Der offensichtlichste Vorteil von Open-Source-Software ist, dass die Produkte in der Regel kostenlos heruntergeladen werden können, wobei sie mit Betriebskosten wie etwa für Speicher und Rechenleistung verbunden sind. Selbst die seltenen kostenpflichtigen Open-Source-Produkte sind in der Regel immer noch viel günstiger als Closed-Source-Alternativen.

Die Einführung von Open-Source-Software hat in der Regel geringere Vorlaufkosten (da die Software oft kostenlos oder relativ kostengünstig ist) und verlagert die Kostenstelle von der Lizenzierung (Betriebskosten) auf die Anpassung und Implementierung (Investitionskosten). Zusätzliche Kosten wie Schulung, Wartung und Support sind „sunk costs“. Unternehmen zahlen dafür, unabhängig davon, ob es sich bei der Software um Open Source oder Closed Source handelt.

Insgesamt stellt sich heraus, dass Open Source sicher und effizient genug ist sowie insgesamt kostengünstiger. Allerdings ist hierbei essentiell, dass auch die Bedingungen einer zugehörigen Open-Source-Lizenz berücksichtigt und korrekt verwendet werden! Ansonsten kann sich ein vermeintlich günstiger Einsatz schnell ins Gegenteil umkehren.

2. Besserer Zugang zu Innovationen

Kosteneinsparungen stehen oft nicht an erster Stelle, wenn es um die Einführung von Open Source in Unternehmen geht. Der Zugang zu Innovationen und der Einsatz der besten Technologie sind häufig die entscheidenden Triebfedern. Das Experimentieren mit Open Source ist einfacher als mit kommerziellen Produkten. Entwickler können kostenlos vorhandene Open-Source-Programme herunterladen, ausprobieren und dann entscheiden, ob die Technologie für ihr Projekt geeignet ist. Wenn nicht, können sie sich anders entscheiden und schnell mit anderen Komponenten experimentieren.

Open Source ist somit ein Wegbereiter für Innovationen. Unternehmen verstehen heute, dass die gleiche Kultur und Arbeitsmethode, welche Innovation in der Open-Source-Community beschleunigt, auch zu einer schnelleren Innovation innerhalb des Unternehmens beiträgt.

3. Keine Lieferantenbindung

Kommerzielle Hersteller produzieren Software nach den Ideen und geschäftlichen Zielen ihres eigenen Unternehmens. Diese passen oft nicht direkt zu denen ihrer Kunden. Anbieter können auch den Support und Updates für kommerzielle Softwareprodukte reduzieren, die nicht mehr genügend Einkommen generieren. Wenn sie die Produktion oder Unterstützung eines Produkts komplett einstellen, führt dies zu größeren Problemen bei den Kunden. Open-Source-Software reduziert genau dieses Risiko, da die finanziellen Motivationen eines laufenden Geschäfts nicht gegeben sind.

Dies kann Nutzern auch helfen, Monopolpreisen und Inkompatibilitäten zu entkommen. Eigene Datenformate und Systeme, die Wettbewerber ausschließen, haben wenig Nutzen für Open-Source-Softwareentwickler, die eher bereit sind, Interoperabilität zu unterstützen. Die Idee der Offenheit ist heute weitreichend: Wir alle kennen die Wikipedia-Plattform, die Wissen öffentlich und kostenlos zur Verfügung stellt. Die Definition von Open Source in seiner ursprünglichen Form gilt für Software, die kostenlos und als Quellcode bereitgestellt wird.

4. Umfangreiche Individualisierung

Open-Source-Software bietet einen hohen Grad an Individualisierungsmöglichkeiten durch den Zugriff auf den Code. Selbst detaillierte Anpassungen können in der Regel mit begrenzten Ressourcen vorgenommen werden. Wenn die internen Fähigkeiten unzureichend sind, wird Unterstützung von den Entwicklern des Projekts, seitens der Open-Source-Community oder kommerziellen Experten angeboten.

Der Kunde kann – mithilfe der Community und unterstützenden Anbietern – rasch neue Funktionen, Anpassungen oder Sicherheitsverbesserungen hinzufügen und diese schnell und kostengünstig implementieren und skalieren. Entwickler können die Software anpassen, zusätzliche Funktionen hinzufügen oder unnötige Teile entfernen, um spezifische Geschäftsanforderungen zu erfüllen.

Auch hier muss man allerdings nochmal anmerken, dass unbedingt die Bedingungen der jeweils zugrundeliegenden Open-Source-Lizenzen zu berücksichtigen sind!

5. Eine Kultur der Zusammenarbeit

Da Open-Source-Entwickler in erster Linie durch Stolz auf ihre Arbeit und die Meinungen ihrer Kollegen motiviert sind, neigen sie dazu, sich mehr auf die Qualität ihres Produkts zu konzentrieren, als ihre von Geschäftszielen getriebenen kommerziellen Konkurrenten. Open-Source-Entwickler sind auch Teil einer Community, die von der gegenseitigen Unterstützung profitieren. Viele Benutzer korrigieren Fehler selbst und teilen dies mit der Community.

Die Open-Source-Kultur bietet drei entscheidende Vorteile: Erstens, haben Anwender die Möglichkeit, das Wissen der weltbesten Entwickler zu nutzen, nicht nur derjenigen, die auf der Gehaltsliste eines einzigen Unternehmens stehen. Zweitens, ist die Anzahl der potenziell beteiligten Entwickler und damit der potenzielle Wissenspool erheblich größer. Drittens schließlich, wird Open-Source-Software an eine Vielzahl von Anwendungsfällen angepasst, nicht nur an diejenigen, die ein einziger Publisher ursprünglich vorgesehen hatte. Die Anpassung erfolgt viel schneller als im Rahmen von herkömmlichen QM-Prozessen.

6. Weniger Fehler

Es mag ein Punkt sein, über den gerne gestritten wird. Aber grundsätzlich gilt in der Tat: Der Fokus von Open Source auf Qualität führt tendenziell auch zu weniger Fehlern. Da der Quellcode offen zugänglich ist, sind weitaus mehr und unabhängige Programmierer in der Lage, die Software auf Bugs und Schwachstellen zu überprüfen.

Wenn Unternehmen Open-Source-Software verwenden liegt es in ihrem Interesse, ebenfalls einen entsprechenden Beitrag zu leisten. Die Beiträge können in Form von Fehlermeldungen oder sogar der Einreichung von Korrekturvorschlägen erfolgen.

Das ist natürlich keine Garantie dafür, dass der verwendete Sourcecode absolut fehlerfrei ist: Da Software von Menschen geschrieben wird, ist es höchst unwahrscheinlich, dass sie perfekt ist. Selbst wenn dies einmal der Fall sein sollte, wird der Code möglicherweise nicht ohne zusätzliche Anpassungen jedem individuellen Anwendungsfall gerecht. Durch das Einreichen von Fehlerberichten und Verbesserungen können allerdings alle Beteiligten voneinander profitieren.

7. Bessere Fachkräfte gewinnen

Die Einführung von Open-Source-Software kann auch bei der Rekrutierung von Fachkräften helfen, was angesichts des Mangels an Entwicklern und Datenwissenschaftlern unerlässlich ist. Entwickler wollen an noch ungelösten Problemen arbeiten. Open Source ermöglicht es ihnen, Entwicklungsherausforderungen zu lösen und sich in der Community fachlich auszutauschen.

Open-Source-Entwickler können beiläufig zu Projekten beitragen, um zu erfahren, wie daran gearbeitet wird und wie es ist, Software für eine bestimmte Reihe von Herausforderungen zu entwickeln. Wenn ihnen gefällt, was sie sehen, ist die Chance viel höher, dass sie sich für eine Stelle bewerben, als wenn das Unternehmen eine Black Box wäre.

8. Software in höherer Qualität

Es ist eine logische Konsequenz aus den zuvor angesprochenen Punkten: Der Input einer umfangreichen Liste von Entwicklern, die motiviert sind, die bestmögliche Software zu entwickeln, führt potentiell zu einem überlegenen Produkt. Durch die Verwertung wiederverwendbarer Komponenten gewinnen die Entwickler mehr Freiraum, um sich auf besseren Nutzwert des Endprodukts zu konzentrieren.

Während Entwickler proprietärer Software ihre Zeit damit verbringen, das Rad, das die Open-Source-Community bereits perfektioniert hat, neu zu erfinden, ist es weitaus besser, das beste Rad der Welt zu verwenden, wenn es noch dazu kostenlos ist.

9. Mehr Sicherheit

Viele Unternehmen scheuen sich noch davor, den Code ihrer Produkte offen zu legen. Tatsache ist jedoch: Open-Source-Software (OSS) ist sicherer! Schwachstellen sind in der Regel für alle sichtbar, sodass es viele Augen gibt, die nach Risiken suchen. Dies geht auf eine der Kernprinzipien zurück, die Linus Torvalds bei der Entwicklung von Linux vertreten hat: die Weisheit der Vielen.

Wird die eigene Softwarelösung nicht öffentlich einsehbar gemacht, kann man sich nur auf die eigene interne Qualitätskontrolle verlassen. Wird dann doch einmal eine Sicherheitslücke übersehen und von einem externen Hacker entdeckt, fällt die Schwachstelle im Code erst auf, wenn es zu spät und der Schaden angerichtet ist.

Ist der Code hingegen öffentlich, erhält man auch öffentliches Feedback. Der Software kommt insgesamt mehr Aufmerksamkeit zuteil, dies bedeutet mehr Tests, häufigere Fehlerbehebung und bessere Härtung. OSS-Lösungen profitieren von einem Sicherheitsniveau, das die meisten kommerziellen Anbieter nicht erreichen können.

10. Einfacher zu auditieren

Die Verfügbarkeit von Quellcode ermöglicht es Anwendern von Open-Source-Software, Sicherheits- und Leistungsstandards zu überprüfen. So können sie selbstständig Mängel erkennen und die notwendigen Änderungen vornehmen. Durch die eingebaute Offenheit und Transparenz kann Open-Source-Software Unternehmensnutzern eine weitaus größere Flexibilität und Einblick in die Abläufe auf ihren Systemen bieten.

Traditionell bieten Open-Source-Plattformen eine klarere Dokumentation, häufigere Upgrades und regelmäßige Downloads zu Testzwecken. All dies kann dazu beitragen, den Teams in Unternehmen ein starkes Sicherheitsgefühl bei der Entwicklung ihrer Technologie-Stacks zu vermitteln. Richtig angewendet, wird somit die Open Source Compliance zu einem klaren Wettbewerbsvorteil.

Ann Thueland, Head of Marketing bei Ververica
Ann Thueland, Head of Marketing bei Ververica (Bild: Ververica)

Die Autorin

* Ann Thueland ist Head of Marketing bei Ververica. Ververica (vormals data Artisans) wurde von den Entwicklern von Open Source Apache Flink gegründet, um Echtzeit-Datenanwendungen für das Unternehmen bereitzustellen. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Berlin und bietet die Ververica-Plattform an, die es Unternehmen ermöglicht, Live-Datenanwendungen zu verwalten und bereitzustellen, so dass sie sofort auf Daten reagieren können.

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