Studie zu Vibe Coding Was muss man können, um erfolgreich mit KI zu programmieren?

Von Christoph Elhardt, ETH Zürich 3 min Lesedauer

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Programmieren, ohne eine einzige Zeile Code zu schreiben – das verspricht der Trend des „Vibe Codings“. Eine neue Studie der ETH Zürich zeigt nun: Wer mit KI erfolgreich Apps und Programme entwickeln will, braucht neben der Fähigkeit, sich schriftlich klar auszudrücken, weiterhin grundlegende Informatikkenntnisse.

Dank KI-Tools können heute auch Laien zu Softwareentwicklern werden. Dennoch haben letztlich Informatikkenntnisse den größten Einfluss darauf, wie gut diese beim sogenannten Vibe Coding abschneiden. Aber auch auf generelle Schreibfähigkeiten kommt es an.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Dank KI-Tools können heute auch Laien zu Softwareentwicklern werden. Dennoch haben letztlich Informatikkenntnisse den größten Einfluss darauf, wie gut diese beim sogenannten Vibe Coding abschneiden. Aber auch auf generelle Schreibfähigkeiten kommt es an.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Lange Zeit war das Programmieren von Apps oder Computerprogrammen Expertinnen und Experten vorbehalten, die komplexe Programmiersprachen wie Python oder Java beherrschen. Doch dank KI-Tools wie Claude Code, Cursor oder Loveable hat sich dies schon heute verändert. Auch Laien können nun zu Softwareentwicklern werden, indem sie in natürlicher Sprache beschreiben, wie eine App oder ein Programm funktionieren soll. Eine KI interpretiert die Anweisungen – auch Prompts genannt – und erzeugt im Hintergrund den Programmcode. Für diesen neuen Zugang zum Programmieren hat sich der Begriff „Vibe Coding“ durchgesetzt.

Wird Programmieren mit KI-Agenten also zu einer Tätigkeit, die jeder kann? In einer neuen Studie haben die ETH-Forscher Sverrir Thorgeirsson, Theo Weidmann und Professor Zhendong Su untersucht, welche Fähigkeiten den Erfolg beim Vibe Coding beeinflussen. Neben der Fähigkeit sich schriftlich klar auszudrücken sind weiterhin grundlegende Informatikkenntnisse nötig, um mithilfe von KI Apps oder Programme zu entwickeln, die tatsächlich funktionieren.

Wer versteht, wie Apps funktionieren, ist im Vorteil

Für die Untersuchung rekrutierten die Forscher 100 Zürcher Studierende, die mindestens einen Einführungskurs in Informatik absolviert hatten und bereits über Erfahrungen im KI-unterstützen Programmieren verfügten. Die Studierenden mussten mithilfe eines KI-Agenten eine bestehende App zur Planung von Mahlzeiten nachbauen, eine App zur Organisation der eigenen Universitätskurse um neue Funktionen erweitern und eine abstrakte Anwendung ohne erkennbaren Zweck replizieren. Darüber hinaus schrieben sie einen kurzen Essay zu einem ihnen bekannten Fachthema und absolvierten Tests, welche ihre Informatikkenntnisse und ihre allgemeinen kognitiven Fähigkeiten abfragten.

Die drei Forscher zeigen, dass die Informatikkenntnisse der Studienteilnehmer:innen den größten Einfluss darauf haben, wie gut diese die Aufgaben lösen. Dieser Effekt bleibt auch bestehen, wenn die Forscher die Unterschiede in den allgemeinen kognitiven Fähigkeiten der Studierenden herausrechnen. Da die Studie nur Korrelationen untersucht, lässt sich aber nicht genau ermitteln, warum das der Fall ist.

Die Forscher vermuten jedoch, dass Personen, die besser verstehen, wie Programme funktionieren, einer KI effizientere Anweisungen geben können – auch wenn sie den Code dabei nicht sehen. „Wir gehen davon aus, dass gute Informatiker:innen den Aufbau einer App gezielter planen und allfällige Fehler schneller beheben können. Zudem kennen sie eher relevante Fachbegriffe, um den KI-Agenten gezielter zu steuern“, erklärt Theo Weidmann, Informatikdoktorand an der Professur für Advanced Software Technologies der ETH Zürich.

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Bessere Resultate mit strukturierten Prompts

Die Autoren fanden in der Studie außerdem einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Vibe-Coding-Erfolg und den allgemeinen Schreibfähigkeiten der Studierenden. ETH-Informatiker Weidmann führt dies darauf zurück, dass beim Vibe Coding das Schreiben von Anweisungen zu einer Form des Programmierens wird. „Wer seine Prompts klar und strukturiert formuliert, erzielt bessere Resultate. Unklare oder ungenaue Formulierungen führen eher zu fehlerhaften Programmen.“

Überrascht waren die drei Forscher vom Ergebnis, dass Studierende, die im Alltag besonders oft Sprachmodelle nutzen, sowohl beim Schreiben der Essays als auch beim Vibe Coding schlechter abschnitten. Warum das so ist, konnte in der Korrelationsstudie nicht abschließend geklärt werden. Für die Studienautoren ist es aber denkbar, dass der häufige Einsatz von Sprachmodellen die eigene Ausdrucksfähigkeit schwächt. Es könnte aber auch umgekehrt sein: Studierende, die beim Schreiben eher Schwierigkeiten haben, könnten schneller zu KI-Tools greifen. (sg)

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