Softwaregeschichte Microsoft veröffentlicht Quellcode zu x86-DOS

Von Sebastian Gerstl 2 min Lesedauer

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Microsoft hat den Quellcode zu x86-DOS 1.00 veröffentlicht – die Urversion des Betriebssystem, das später als MS-DOS die PC-Welt erobern sollte. Die auf Github erhältliche, 45 Jahre alte Fassung stammt aus Ausdrucken des ursprünglichen Entwicklers.

Ein früher IBM-PC, nebst einem Teil der Ausdrucke, die den Quellcode zu x86-DOS enthalten.(Bild:  Rich Cini, Microsoft)
Ein früher IBM-PC, nebst einem Teil der Ausdrucke, die den Quellcode zu x86-DOS enthalten.
(Bild: Rich Cini, Microsoft)

Schon seit einigen Jahren macht Microsoft über Github frühere Versionen von MS-DOS unter einer MIT-Open-Source-Lizenz zugänglich. Nun hat auch der Quellcode zu der ältesten Version des Betriebssystems einen Weg in die Öffentlichkeit gefunden: Zum 45 Jahrestag hat Microsoft die womöglich ältesten existierenden Quellcode-Listings aus der Entstehungszeit von DOS auf Github zugänglich gemacht. Die Veröffentlichung umfasst unter anderem den Kernel von 86-DOS 1.00, mehrere Vorabstände des PC-DOS-1.00-Kernels, die Laufzeitbibliothek für den BASIC-86-Compiler sowie Dienstprogramme wie CHKDSK.

Die Unterlagen stammen aus dem Besitz von Tim Paterson, dem Entwickler von 86-DOS bei Seattle Computer Products. Paterson hatte das Betriebssystem Anfang der 1980er-Jahre in Eigenregie für den Intel-8086-Prozessor geschrieben; der CPU. die später als Grundlage für den Personal Computer IBM 5150 dienen sollte. Microsoft hatte Paterson die Rechte an x86-DOS 1981 für, je nach Angaben, 50.000 US-$ oder 75.00 US-$ abgekauft, um schnellstmöglich ein eigenes Betriebssystem für den Rechner anbieten zu können. Den Quellcode verwendete das Unternehmen als Grundlage für sein eigenes Betriebssystem PC-DOS 1.00 bzw MS-DOS 1.00. Innerhalb kürzester Zeit dominierte Microsoft mit MS-DOS den Markt für IBM-PCs und dessen kompatible Klone..

Einblick in frühe Betriebssystementwicklung

Für die Veröffentlichung des Quellcodes mussten insgesamt 10 Bündel an Ausdrucken auf Endlospapier von Hand in PCs übertragen und kompoliert werden, um deren Lauffähigkeit zu überprüfen.(Bild:  Rich Cini / Microsoft)
Für die Veröffentlichung des Quellcodes mussten insgesamt 10 Bündel an Ausdrucken auf Endlospapier von Hand in PCs übertragen und kompoliert werden, um deren Lauffähigkeit zu überprüfen.
(Bild: Rich Cini / Microsoft)

Die nun veröffentlichten Materialien lagen ursprünglich als Ausdrucke auf Endlospapier vor, die Entwickler Tim Paterson bei sich zu Hause lagern hatte. Historiker und Software-Archivare scannten die Seiten und transkribierten den Code. Microsoft zufolge lassen sich die validierten Quellen wieder zu den ursprünglichen Binärdateien kompilieren. Insgesamt umfasste Paterson's Code-Ausdrucke 10 Bündel Endlospapier mit geschätzten 873 Seiten Umfang.

Die Listings zeigen nicht nur fertige Programmstände, sondern auch Zwischenstände, Korrekturen und handschriftliche Notizen. Microsoft beschreibt die Sammlung deshalb als eine Art gedruckte Versionsgeschichte aus einer Zeit vor modernen Versionskontrollsystemen. Zeitstempel auf den Ausdrucken dokumentieren den jeweiligen Stand einzelner Elemente. So wurde etwa demnach der vorliegende 86-DOS-1.00-Kernel am 15. Juni 1981 erstellt; am 17. Juli 1981 folge dann eine früre PC-DOS-1.00-Beta. Anhand einiger DIF-Datein lassen sich zudem konkrete Änderungen zwischen Kernelversionen nachvollziehen, wie etwa Bugfixes oder hinzugefügte Features.

Offen zugängliche Betriebssystems-Geschichte

Die Quellen stehen im GitHub-Repository DOS-History unter MIT-Lizenz bereit. Damit können Forschende, Hobbyentwickler und Retro-Computing-Interessierte den Code untersuchen, assemblieren und für eigene Experimente nutzen, soweit die Lizenzbedingungen eingehalten werden.

Im Repositorium sind auch einige Fotografien und Scans der vergilbten Quellcode-Ausdrucke selbst zu sehen. Einige umfangreiche Materialien, darunter Teile der BASIC-86-Compiler-Runtime-Library, sind nach den vorliegenden Angaben noch nicht vollständig händisch von den Ausdrucken übertragen worden, sollen aber in den kommenden Wochen folgen.

Damit setzt. Microsoft seine Tradition, historische Meilensteine der eigenen Software-Entwicklung unter Open-Source-Lizenz zur Verfügung zu stellen. So hatte das Unternehmen 2018 bereits MS-DOS 1.25 und 2.11 unter MIT-Lizenz bereitgestellt. 2024 folgte MS-DOS 4.0, 2025 erschien der Quellcode zu 6502-BASIC 1.1 – der Programmiersprache, die in verschiedenen Varianten in die meisten Heimcomputer der 1970er- und frühen 1980er-Jahre implementiert wurde.

Die Originalausdrucke aus Patersons Sammlung sollen künftig im Interim Computer Museum im US-Bundesstaat Washington gezeigt werden.(sg)

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