Eine neue Variante des Shai Hulud genannten Malware-Wurms sucht das NPM-Ökosystem heim - und trifft es noch härter als im September 2025. Betroffen sind bekannte Pakete, CI-Pipelines und cloudnahe Workflows. Teams sollten Abhängigkeiten prüfen und Secrets sofort rotieren.
Die neue Variante des Shai-Hulud-Wurms, dass nun das npm-Repository heimsucht, hat bereits über 27.000 Sätze an Zugriffsdaten abgegriffen.
Die neue Shai-Hulud-Variante zeigt, wie schnell sich ein Supply-Chain-Angriff weiterentwickeln kann. Der Wurm infiziert erneut Hunderte NPM-Pakete, darunter Versionen von Zapier, ENS, PostHog, AsyncAPI und Postman. Erste verdächtige Uploads tauchten rund um das Wochenende vom 21. bis 23. November 2025 auf.
Im Unterschied zur ersten Welle im September 2025 agiert die aktuelle Version aggressiver und beseitigt Schwachstellen, die beim ersten Ausbruch die Ausbreitung bremsten. Sicherheitsanalysten berichten von bisher über 27.000 entwendeten Zugangsdaten und mehreren zehntausend angelegten GitHub Repositories zur Exfiltration.
Hybrid-Workflows auf GitHub übernehmen zentrale Rollen. Ein präparierter „Code Formatter“-Workflow durchsucht Konten nach Secrets und lädt diese als JSON hoch. Parallel ermöglichen weitere Workflows das Platzieren einer Backdoor. Die Kommunikation erfolgt über die Diskussionsfunktionen der kompromittierten Repositories.
Viele infizierte Pakete enthalten ein Preinstall-Skript namens setup_bun.js. Es lädt die JavaScript-Runtime Bun nach und startet Schadcode, der Systeminformationen ausliest, TruffleHog ausführt und lokale Tokens sowie Cookies sammelt. Die Daten werden anschließend automatisiert über GitHub abgelegt.
Die Angreifer erhöhen die Automatisierung. Statt ein festes Repository zu nutzen, erzeugt die neue Version zufällig benannte Repositories mit der Beschreibung „Sha1-Hulud: The Second Coming“. Die Malware kann inzwischen rund 100 Pakete pro Infektionskette manipulieren.
Bisherige Analysen zeigen, dass Plattformen wie Linux, Windows und macOS durch spezifische Varianten des Schadcodes adressiert werden. Der Wurm breitet sich in installierten Entwicklerumgebungen, Buildsystemen und angrenzenden Cloud-Konten aus, sobald kompromittierte Pakete installiert werden.
Auch der Zeitpunkt ist kein Zufall. NPM stellt am 9. Dezember 2025 die klassischen Auth Tokens ab. Viele Projekte sind noch nicht auf Trusted Publishing umgestiegen. Die Angreifer nutzen diese Übergangsphase gezielt aus, um möglichst viele Secrets zu erlangen, bevor die strengeren Kontrollen greifen.
Liste der bekannten befallenen Repositorien
Wie Wiz und Koi mitteilten, sind die folgenden npm-Pakete vom Wurm befallen (Stand Dienstag 25.11.2025, 15:20 Uhr):
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Die Zahl der scheinbar infizierten GitHub-Repositories wächst weiterhin. Wiz verzeichnet etwa alle 30 Minuten rund 1.000 neue Repositories, die ausschließlich zur Speicherung gestohlener Daten angelegt wurden. Einige der prominent betroffenen Pakete wurden zwar bereits bereinigt, doch die Angriffskampagne läuft weiter.
Organisationen sollten jetzt systematisch prüfen, ob kompromittierte Versionen installiert wurden. Dazu gehört das Audit aller relevanten Abhängigkeiten, das Löschen betroffener node_modules-Ordner und das Entfernen infizierter Pakete. Automatische Updates sollten temporär deaktiviert werden, bis Klarheit besteht.
Unabhängig vom bisherigen Befund gilt: Alle GitHub, npm, Cloud und CI/CD Secrets müssen rotiert werden. Zusätzlich empfiehlt es sich, postinstall-Skripte in CI-Umgebungen zu deaktivieren, Paketversionen streng zu pinnen und Multi-Factor-Authentification zu aktivieren. Die bekannten Listen kompromittierter Pakete von Wiz, Socket und anderen Anbietern sollten regelmäßig geprüft werden.(sg)