Als Teil seiner Ausbaustrategie, speziell mit Fokus auf sein Cloud-Angebot, hat Microsoft die Online-Plattform GitHub für 7,5 Milliarden US-$ gekauft. Mehr als 28 Millionen Entwickler nutzen den Dienst, um ihre Projekte zu teilen oder mit Hilfe anderer zu verbessern.
Microsoft übernimmt den Online-Dienst GitHub, die Plattform zur Verwaltung und zum Teilen von Software-Projekten, für 7,5 Milliarden US-$ in Aktienanteilen. Von links nach rechts: Chris Wanstrath, Mitbegründer und scheidender CEO von GitHub; Microsoft-Boss Satya Nadella; und Nat Friedman, Microsoft Corporate Vice President Developer Services und künftig neuer CEO von GitHub..
(Bild: Microsoft)
Erst waren es nur Gerüchte, jetzt ist es bestätigt: Am Montag verkündete Microsoft, den Online-Dienst GitHub übernommen zu haben. Den Kaufpreis von umgerechnet 7,5 Milliarden US-$ beglich das Unternehmen dabei in Aktienanteilen. Erste Gerüchte, die die Online-Ausgabe von Business Insider bereits am Freitag gemeldet hatte, waren noch von einem Kaufpreis von 5 Milliarden US-$ ausgegangen. Bis Ende des Jahres soll die Transaktion komplett abgeschlossen sein.
GitHub bezieht seinen Namen von Git, einer ursprünglich von Linus Torvalds geschriebenen freien Software zur Versionsveraltung, welche auch die Grundlage des Online-Dienstes bildet. Der Dienst wird überwiegend von Software-Entwicklern genutzt, um ihre eigenen Projekte zu verwalten und diese in Gruppen mit anderen Nutzern oder auch öffentlich zu teilen. Andere Entwickler können die eingestellten Software-Repositories dann herunterladen und selbst weiter verbessern.
GitHub wird derzeit von etwa 28 Millionen Entwicklern weltweit genutzt. Zu den aktiven Nutzern gehören neben Hobbyisten und Open-Source-Aktivisten auch zahlreiche große Unternehmen wie Google, Facebook, Apple oder IBM. Microsoft zählt allerdings als das Unternehmen, das die höchste Zahl an GitHub-nutzenden Entwicklern besitzt. Stand Microsoft dem Open-Source-Gedanken unter Bill Gates und Steve Ballmer noch ablehnend, teils sogar feindselig gegenüber, hat der amtierende Microsoft-CEO Satya Nadella das Unternehmen dem Thema geöffnet. So sind inzwischen Codes zu Microsoft-Tools wie PowerShell, Visual Studio und die Javascript Engine des Browsers Microsoft Edge als Open-Source-Projekte auf GitHub zugänglich. Mit der Übernahme der GitHub-Plattform eröffnet sich für das Unternehmen nun eine direkte Schnittstelle zu unzähligen Entwicklern.
Bereits im August 2017 hatte GitHub-CEO Chris Wanstrath angekündigt, sich als Geschäftsführer zurückziehen zu wollen. Seitdem war man auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Nun ist eine neue Rollenverteilung gefunden: Nat Friedman, Gründer von Xamarin und derzeit Microsoft Corporate Vice President, wird die Rolle des CEO von GitHub übernehmen. Der derzeitige CEO von GitHub, Chris Wanstrath, wird Microsoft Technical Fellow und untersteht als solcher dem Executive Vice President Scott Guthrie, um an strategischen Softwareinitiativen zu arbeiten.
"Ich bin sehr stolz auf das, was GitHub und unsere Community in den letzten zehn Jahren erreicht haben, und ich kann es kaum erwarten zu sehen, was vor uns liegt. Die Zukunft der Softwareentwicklung ist vielversprechend, und ich freue mich, mit Microsoft zusammenzuarbeiten, um sie Wirklichkeit werden zu lassen", sagte Wanstrath. "Ihr Fokus auf Entwickler passt perfekt zu unserer eigenen Vision, und ihre Größe, ihre Tools und ihre globale Cloud werden eine große Rolle dabei spielen, GitHub für Entwickler überall noch wertvoller zu machen."
Tatsächlich dürfte das Thema Cloud eine besonders große Rolle für Microsofts Interesse an GitHub spielen: Github bietet die Möglichkeit, Softwareprojekte zu teilen und zum Download zur Verfügung zu stellen - nicht aber, sie direkt online auszuführen. Gerade bei aufwändigen, umfangreichen Projekten, die viel Zusammenarbeit benötigen, wäre eine direkte Integration von GitHub-Projekten mit einem Cloud-Service interessant. Eine Kombination von GitHub mit dem eigenen Azure-Cloud-Angebot könnte Microsoft im Cloud-Geschäft einen großen Vorsprung gegenüber Konkurrenten wie Amazon AWS oder Google verschaffen.
Die eigenen Unternehmensangaben dürften diese Vermutung bestätigen: Demnach möchte Microsoft nach vollendeter Akquise GitHub als Teil seines Intelligent Cloud Segments führen. GitHub soll weiterhin in erster Linie auf Entwickler und ihre Bedürfnisse abzielen und unabhängig arbeiten, um eine offene Plattform für alle Entwickler in allen Branchen zu bieten. Microsoft sichert zu, dass es keine neuen Einschränkungen geben soll: Entwickler sollen weiterhin die Programmiersprachen, Tools und Betriebssysteme ihrer Wahl für ihre Projekte verwenden und ihren Code auf jedem Betriebssystem, jeder Cloud und jedem Gerät einsetzen können.
Stand: 08.12.2025
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