Tempo statt Tests Studie: Softwarequalität gerät ins Hintertreffen

Von Sebastian Gerstl 2 min Lesedauer

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Zwei Drittel der Unternehmen weltweit sind im kommenden Jahr erheblich von Softwareausfällen betroffen, das ergab der 2025 Quality Transformation Report von Tricentis. Die Umfrage zeigt deutliche Diskrepanzen zwischen den Vorstellungen von Technologieverantwortlichen und Fachkräften auf – vor allem, was die Notwendigkeit von Tests und den Einsatz agentischer KI betrifft.

Software-Qualität leidet zunehmend unter einer schlechten Kommunikation zwischen Softwareentwicklungs- und Qualitätssicherungs-Teams sowie einer fehlenden Abstimmung zwischen Führung und Softwareentwicklungs-Teams. Vor allem Technologieverantwortliche hoffen, die dadurch entstehenden Lücken durch den Einsatz agentischer KI ausgleichen zu können. Entwickler begegnen dieser Haltung eher skeptisch.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Software-Qualität leidet zunehmend unter einer schlechten Kommunikation zwischen Softwareentwicklungs- und Qualitätssicherungs-Teams sowie einer fehlenden Abstimmung zwischen Führung und Softwareentwicklungs-Teams. Vor allem Technologieverantwortliche hoffen, die dadurch entstehenden Lücken durch den Einsatz agentischer KI ausgleichen zu können. Entwickler begegnen dieser Haltung eher skeptisch.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

In vielen Unternehmen wird Geschwindigkeit über Qualität gestellt – mit teils drastischen Folgen. Der aktuelle Quality Transformation Report von Tricentis zeigt auf, wie tiefgreifend organisatorische Versäumnisse die Softwarequalität gefährden. Während neue Technologien wie generative KI die Entwicklungszyklen beschleunigen sollen, geraten bewährte Prinzipien wie gründliches Testen ins Hintertreffen. Weltweit bringen 63 Prozent der Unternehmen Codeänderungen in Umlauf, ohne diese vollständig zu testen – in Deutschland liegt die Zahl sogar bei alarmierenden 74 Prozent.

Auffällig ist: Es mangelt nicht nur an Zeit, sondern auch an Abstimmung. Besonders gravierend wirken sich die Diskrepanzen zwischen Führungsebene und Entwicklerteams aus. Fehlende Kommunikation zwischen Qualitäts- und Entwicklungsabteilungen (35 % in Deutschland) sowie mangelnde strategische Abstimmung mit dem Management (31 %) blockieren eine systematische Verbesserung der Softwarequalität. Wenn schnelle Releases wichtiger sind als saubere Ergebnisse, sind Fehlfunktionen vorprogrammiert – mit Millionenschäden als Folge.

Der Druck, neue Funktionen schnell auf den Markt zu bringen, hat vielerorts dazu geführt, dass Testverfahren verkürzt oder ganz übersprungen werden. Dieses Verhalten ist nicht nur riskant, sondern auch teuer: 41 Prozent der deutschen Unternehmen geben an, jährlich mindestens eine Million US-Dollar durch schlechte Softwarequalität zu verlieren. Besonders betroffen ist der Finanzsektor, wo Softwarefehler oft unmittelbare wirtschaftliche Folgen haben.

Dabei gäbe es Möglichkeiten zur Entlastung – vor allem durch KI. Der Report zeigt eine hohe Bereitschaft, monotone Aufgaben im Entwicklungsprozess an KI-Agenten auszulagern, um die Qualität zu stabilisieren. Doch während die Führungsetagen in KI teils schon Entscheidungsgewalt über Software-Releases übertragen wollen, bleibt bei vielen Entwicklerteams Skepsis bestehen. Die technologische Innovation läuft Gefahr, an der organisatorischen Realität zu scheitern.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, brauche es mehr als neue Tools, schlussfolgert die Studie. Vielmehr brauche es klare Qualitätsdefinitionen, verbindliche Teststandards – und eine gemeinsame Sprache zwischen den Hierarchieebenen. Solange Geschwindigkeit das alleinige Ziel bleibt und Qualität als Störfaktor gilt, werden Unternehmen weiter mit instabiler Software kämpfen. Die Verantwortung liegt nicht bei einzelnen Entwicklern, sondern in der Struktur der Organisation selbst. (sg)

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