Suchen

Entwicklungstrends

So sieht zukunftsfähige Embedded-Softwareentwicklung aus

Seite: 4/4

Firmen zum Thema

Plattformen müssen der Marktdynamik gewachsen sein

Remo Markgraf, Senior Management Consultant für Agile Methoden, Embedded-Programmierung und Test, war selbst lange Zeit für Teams, Produkte und Projekte in der Kommunikationsbranche verantwortlich. Er sieht, dass Funktionalität und Services und damit auch Software immer mehr von den Embedded-Systemen ins Netz verlagert werden. Für den seltenen Fall offline zu sein, sorgt ein Notprogramm für eine Minimalfunktion.

„SaaS, 'Software as a Service' wird, wie C und C++, zur Selbstverständlichkeit auch für kleine Embedded Systeme,“ so seine Prognose. Es zeichnet sich ab, dass, so wie die Smartphone-Technologie unser Technikverständnis innerhalb von gut zehn Jahren revolutioniert hat, ein ähnlicher Evolutionsschritt durch das Thema „always-on“ der Geräte bevorsteht. Eine „Leap-Frog“ Strategie der kleinen Evolutionsschritte wird hier nicht zum Markterfolg führen, da neue Hersteller und solche, die den „disruptive“ Schritt gewagt haben, den Markt schneller besetzen können. Namhafte große und mittelständische Unternehmen werden hier möglicherweise auf der Strecke bleiben, analog zu z.B. Nokia, die den Smartphone Trend aus einer vermeintlich sicheren Marktposition verschlafen haben.

Softwarearchitektur: Der OPC UA Protokollstack ist ein Beispiel für eine offene und flexible Architektur für die Kommunikation bei Industrie 4.0
Softwarearchitektur: Der OPC UA Protokollstack ist ein Beispiel für eine offene und flexible Architektur für die Kommunikation bei Industrie 4.0
(Bild: MicroConsult)

Hersteller sollten schon jetzt auf eine passende Plattform, Software, Hardware und Tools, umsteigen, wenn sie schnell neue Gerätetechnologien auf den Markt bringen wollen. Eine erfolgversprechende disruptive Strategie erfordert die Wahl einer Plattform, die eine durchgängige und hohe Integrationstiefe von der Stange bietet, um sich auf die tatsächliche Innovation konzentrieren zu können ohne sich mit Toolintegration oder Detailprotokollen herumschlagen zu müssen. Zum Glück haben Chip- und Toolhersteller die Zeichen der Zeit erkannt und bringen mehr und mehr Komplettumgebungen auf dem Markt, z.B. Infineon, ST oder Renesas. Die Geräte-Hersteller, die diese Zeichen erkannt haben, werden sich schon in Kürze um die wenigen Entwickler, die Knowhow-Träger in diesen neuen Themen sind, prügeln. Wer als Systemarchitekt, Entwickler oder Tester einer rosigen Zukunft entgegensehen will, sollte sich schnell in die neuen Technologien einarbeiten, so Remo Markgraf.

Werfen wir gemeinsam mit Herrn Markgraf noch einen Blick auf die Ebene der Entwicklungsprozesse in der Embedded-Branche: „Jeder Entwickler leidet unter den ständigen 'Change-Requests' und dem steigenden Zeitdruck. Eine moderne Entwicklungsumgebung und Methodik sind wichtige Mittel, um diesen neuen Herausforderungen gewachsen zu sein.“ Die embedded Entwicklungsmethodik hinkte in der Vergangenheit der IT-Branche mehr als zehn Jahre hinterher, z.B. beim Umstieg von Assembler auf C.

Auch heute ist der zeitliche Versatz noch deutlich zu spüren, es sind noch schätzungsweise fünf Jahre. Momentan hat der zeitliche Versatz allerdings auch Vorteile: Embedded folgt nicht jedem Irrweg der IT, sondern kann sich die Rosinen herauspicken. Agile Frameworks wie Scrum oder Kanban, Extreme Programming wie Test Driven Development oder Pair Programming halten inzwischen auch in der Embedded-Welt Einzug.

Das Übernehmen aus der IT-Welt ist selten 1:1 möglich. Das komplexe Zusammenspiel aus Hardware und Software-Entwicklung und deren Test erfordert meist eine sehr individuelle Anpassung der Frameworks. Dies erfordert spezifisches Knowhow, um die Auswirkungen der Änderungen realistisch einschätzen zu können. Markgrafs Fazit: „Ohne agile Entwicklung und gut laufende Integration von der Anforderung über den Test bis zur Auslieferung sind die Themen IoT, Industrie 4.0 und SaaS schwer zu meistern.“

Ergänzendes zum Thema
Tipp: FBDi-Directory gratis

Der Fachverband der Bauelemente-Distribution bietet nicht nur Handlungshilfen, Zahlenmaterial und Statistiken zum deutschen Distributionsmarkt für elektronische Bauelemente. Er informiert auch regelmäßig in spannenden Beiträgen, wie die Elektronikindustrie unsere Welt revolutioniert hat und in Zukunft beeinflussen könnte. Interessiert? Dann werfen Sie einen Blick ins FBDi-Directory 17, das in Zusammenarbeit mit der ELEKTRONIKPRAXIS entstanden ist (eventuell ist eine kostenfreie Registrierung erforderlich).

* Peter Siwon ist für das Business Development der MicroConsult GmbH verantwortlich.

(ID:44284320)