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Microsoft öffnet 60.000 Patente für Open-Source-Konsortium

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Microsoft-CEO Satya Dadella auf der Microsoft-Entwicklerkonferenz Build 2018. Unter seiner Führung öffnet sich das Softwareunternehmen immer weiter der Open-Source-Philosophie.
Microsoft-CEO Satya Dadella auf der Microsoft-Entwicklerkonferenz Build 2018. Unter seiner Führung öffnet sich das Softwareunternehmen immer weiter der Open-Source-Philosophie. (Bild: Microsoft)

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Microsoft öffnet sich weiter der Open-Source-Philosophie: Der Softwareriese ist dem Open Innovation Network (OIN) beigetreten und stellt Mitgliedern des Konsortiums 60.000 eigene Patente zur Verfügung.

Nach der Übernahme von Github durch Microsoft hatten viele Mitglieder der Open-Source-Community bezweifelt, wie ernsthaft es der Softwarekonzern mit dem umgang von quelloffener Software wirklich meint. Microsoft galt unter den CEOs Bill Gates und Steve Ballmer ja stets als erbitterter Feind des Open-Source-Gedanken und hatte bis vor wenigen Jahren beispielsweise noch selbst Patentklagen gegen diverse, Android- oder Linux-Systeme betreffende Entwicklungen ins Feld gefühlt.

Unter dem aktuellen CEO Satya Nadella beteuert das Unternehmen hingegen immer wieder aufs Neue, sich dem Open-Source-Gedanken geöffnet zu haben. Die neueste Ankündigung stellt nun die bislang größte Kehrtwende in dieser Philosophie dar: Microsoft schließt sich dem Open-Source-Konsortium Open Invention Network (OIN) an und bringt über 60.000 eigene Patente in die Linux-Vereinigung mit ein. Dies kündigte Microsoft-Manager Erich Andersen am Mittwoch auf dem Azure-Blog des Unternehmens, "um Linux und Open Source zu schützen".

Open-Source-Patentöffnung zum Schutze geistigen Eigentums

Das OIN wurde 2005 gegründet und widmet sich der Unterstützung von Firmen, die Open-Source-Projekte nutzen und sich vor Patentrisiken schützen möchten. "In den Jahren vor der Gründung von OIN deckten viele Open-Source-Lizenzen explizit nur Urheberrechtsinteressen ab und schwiegen über Patente," schreibt Andersen in seinem Blogbeitrag "OIN wurde entwickelt, um diesem Anliegen gerecht zu werden, indem ein freiwilliges System von Patentquerlizenzen zwischen Mitgliedsunternehmen für Linux-Systemtechnologien geschaffen wurde. OIN war auch aktiv beim Erwerb von Patenten, um die Gemeinschaft zu verteidigen und Aufklärung und Beratung über die Schnittstelle von Open Source und geistigem Eigentum zu bieten."

Dem Open-Source-Netzwerk gehören inzwischen etwa 2650 Firmen als Mitglieder an, darunter auch namhafte Konzerne wie Konzerne wie Google, IBM, Red Hat und Suse. OIN besaß vor dem Beitritt von Microsoft Zugriff auf mehr als 1.300 globale Patente und Anwendungen. Die OIN-Patentlizenz und die Cross-Lizenzen für Mitglieder sind für jeden, der der OIN-Community beitritt, lizenzfrei erhältlich.

Ältere Android- und Linux-Patente, aber auch modernere Technologien

Die zehntausenden Microsoft-Patente, die den OIN-Mitgliedern jetzt zur Nutzung zur Verfügung stehen, betreffen ältere Open-Source-Technologien wie Android, den Linux-Kernel und Openstack sowie neuere Technologien wie LF Energy und Hyperledger sowie dessen vorgänger- und Nachfolgerversionen, schreibt ZDNet. Dort heißt es auch, dass Microsoft noch 2014 allein über Android-Patente etwa 3,4 Milliarden US-$ verdient hatte.

Diese Öffnung kommt nicht vollkommen aus heiterem Himmel: Bereits 2017 hatte Microsoft etwa 10.000 Patente für Nutzer seiner Cloud-Plattform Azure geöffnet, um diese vor möglichen Patenttrollen zu schützen. Diese 10.000 Patente sind ebenfalls ein Bestandteil des 60.000er-Pakets, die den Mitgliedern des OIN nun zur Verfügung stehen.

Schutz vor Patenttrollen im Blick

Erst in der vergangenen Woche hatte sich Microsoft zudem der Non-Profit-Organisation LOT Network angeschlossen. Das 300 Mitglieder starke Netzwerk, zu denen unter anderem auch Amazon, Canon, Cisco, Lenovo, Tesla und SAP zählen, hat sich explizit dem Schutz vor Patenttrollen verschrieben - Individuen oder Unternehmen, die Patente horten und gezielt Klagen und Abmahnungen wegen wahrgenommener Patente verschicken. Dadurch, dass Patente gemeinsam geschützt und Mitgliedern zugänglich gemacht wird, können sich Unternehmen vor solchen lauernden Gefahren absichern.

Laut LOT betragen die durchschnittlichen Kosten für die Verteidigung einer Klage gegen eine "Patentverwertungsgesellschaft" 3,2 Millionen US-$. Mehr als 10.000 Unternehmen seien in der Vergangenheit wenigstens ein Mal bereits von einem Patenttroll verklagt worden.

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