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IT und Recht „Gehen Sie im Streitfall nicht zu den Gerichten!“

| Redakteur: Franz Graser

Beim Anforderungsmanagement für Softwareprojekte lauern viele juristische Stolpersteine. Der Bremer Rechtsprofessor Lambert Grosskopf deckte in seinem Vortrag bei der Requirements-Konferenz ReConf in München einige davon auf.

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Professor Lambert Grosskopf von der Universität Bremen wies bei der Requirements-Konferenz ReConf auf rechtliche Untiefen im Anforderungsmanagement hin.
Professor Lambert Grosskopf von der Universität Bremen wies bei der Requirements-Konferenz ReConf auf rechtliche Untiefen im Anforderungsmanagement hin.
( Universität Bremen)

In seinem Vortrag, der reichlich Stoff zum Nachdenken bot, fasste Grosskopf den Kern der Vereinbarungen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer in einer griffigen Formel zusammen: „Wer will was von wem zu welchem Preis und wann?" Wenn dies feststehe, werde ein Vertrag geschlossen, in dem der Wille beider Parteien niedergelegt sei. Und an diesen Vertrag habe man sich auch zu halten. Hier gelte der alte Rechtsgrundsatz „Pacta sunt servanda“ – Verträge sind einzuhalten.

Problematisch wird es dann, wenn dies nicht der Fall ist. Dann kommt es laut Grosskopf zu einem Soll-Ist-Vergleich, der ermitteln soll, was vereinbart und was geliefert wurde. Der Professor, der an der Universität Bremen lehrt und sich auf IT-Recht sowie Medien- und Urheberrecht spezialisiert hat, wies darauf hin, dass der Auftragnehmer stets die Pflicht habe, dem Auftraggeber eventuelle Bedenken in Bezug auf die Umsetzbarkeit bestimmter Anforderungen unverzüglich mitzuteilen.

Juristen müssen die Vorgehensweise in der IT verstehen können

Das Thema, dass im Anforderungsmanagement technische Sachverhalte für die „dümmsten anzunehmenden User“ verständlich gemacht werden müssen, zog sich wie ein roter Faden durch Grosskopfs Vortrag. Mit dem DAU-Stempel meinte der Rechtsprofessor in diesem Fall aber nicht etwa technisch minderbemittelte Anwender, sondern die Juristen, die bei einem Streitfall zu entscheiden haben. Die klare und eindeutige Formulierung der Anforderungen sei deshalb unabdingbar. Wichtig sei auch, dass die Anforderungen testbar seien, so der Bremer Professor.

Das schließe agile Methoden des Anforderungsmanagements und agile Entwicklungstechniken zwar nicht aus, betonte Grosskopf – schließlich gibt es Methoden, bei denen der Kunde und der Auftragnehmer ständig miteinander im Dialog stehen. Für diesen Fall riet der Professor, eine Beschreibung des Emtwicklungsprozesses mit in den Vertrag aufzunehmen. Denn: „Die Juristen müssen die Vorgehensweise im Anforderungsmanagement verstehen können“, begründete Grosskopf.

Der Bremer Rechtsexperte warnte auch davor, Bezugnahmen auf DIN- und ISO-Normen in den Vertrag aufzunehmen, sofern man darauf verzichten könne. Der Grund dafür: „Weil die Requirements wachsen.“

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