Serie „Requirements Engineering für KMU“ – Teil 1 Requirements Engineering: Grundlage für erfolgreiche Projekte in KMU

Von Stefan Lange und Moises Lorenzo-Léon 4 min Lesedauer

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Für den Projekterfolg ist gutes Requirements-Engineering ein Schlüsselelement. Was das im Detail bedeutet und worin die Aufgaben dieses wichtigen Erfolgsbausteins bestehen, wird in dieser Artikelserie beschrieben.Teil 1 befasst sich mit der Definition: Was genau ist „Requirements Engineering“?

Die 11-teilige Artikelserie befasst sich mit den Fragen, was Requirements Engineering ist, welche Aufgaben es umfasst und warum KMU in der Elektronik davon besonders profitieren. Grundlagen, typische Risiken und zentrale Schritte für einen sauberen Projektstart werden genauer betrachtet.(Bild:  HEITEC)
Die 11-teilige Artikelserie befasst sich mit den Fragen, was Requirements Engineering ist, welche Aufgaben es umfasst und warum KMU in der Elektronik davon besonders profitieren. Grundlagen, typische Risiken und zentrale Schritte für einen sauberen Projektstart werden genauer betrachtet.
(Bild: HEITEC)

Für den Projekterfolg ist gutes Requirements-Engineering ein Schlüsselelement. Was das im Detail bedeutet und worin die Aufgaben dieses wichtigen Erfolgsbausteins bestehen, wird in dieser Artikelserie beschrieben. Sie thematisiert die Grundlagen und Bedeutung eines systematischen Anforderungsmanagements. Sie zeigt, warum es unverzichtbar ist, Requirements-Engineering von Beginn an zu einem festen Bestandteil eines Projektes zu machen. Sie erfahren, welche Schritte bei der Planung essenziell sind und wie Sie sicherstellen, dass keine relevanten Anforderungen übersehen werden. Darüber hinaus werden Risiken erläutert, die im Prozess auftreten können, sowie Methoden zur Risikominimierung. Ein besonderer Fokus liegt auf den speziellen Bedürfnissen kleiner und mittlere Unternehmen, deren Projekt-Anforderungen und Rahmenbedingungen sich oft deutlich von denen großer Konzerne unterscheiden. Los geht’s!

Am Ende eines fehlgeschlagenen Projekts stellt sich meist die Frage nach der Ursache des Scheiterns. Laut einer Studie des PMI (Project Management Institute) liegt die Prozentzahl fehlgeschlagener Projekte bei nahezu 50%. Laut The Standish Group (Portman, 2020) sind es sogar 60%. Das ist eine gewaltige Zahl. Die Hauptursache liegt quer durch alle Analysen meist in der mangelhaften Definition der Anforderungen. Weitere Ursachen sind unorganisierte Dokumentation, fehlerhaftes Tracking und nicht klar definierte Verantwortlichkeiten. Diese Probleme erschweren es, Aufgaben, Parameter und Ziele zu erkennen und zu verwalten.

Gerade bei Projekten, bei denen Sublieferanten und Dienstleister involviert sind, ist es wichtig, die Umfänge der Dienstleistung im Rahmen der Anforderungen genau und explizit zu spezifizieren. Ist dies nicht der Fall, kann es im Projektverlauf zu Unstimmigkeiten zwischen den Projektparteien kommen. Dies führt häufig nicht nur zu Mehrkosten, sondern auch zu Verzögerungen, die sich negativ auf die Time-to-Market und damit zu Nachteilen gegenüber dem Wettbewerb auswirken. Probleme, die bereits in der Anforderungsanalyse erkannt werden, lassen sich mit minimalem Aufwand beheben oder abschwächen. Dadurch wird vermieden, dass sie – gemäß der „Rule of Ten“ – mit jeder weiteren Stufe der Wertschöpfungskette um den Faktor 10 an Bedeutung zunehmen. Je früher ein Fehler erkannt und behoben wird, desto kosteneffizienter ist dies für das Unternehmen.

Mit Fokus auf den Nutzen für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) in der Elektronikindustrie beleuchtet diese Beitragsserie deshalb im Folgenden typische Fragestellungen im Zusammenhang mit Anforderungen. Hierfür werden die theoretischen Grundlagen der Disziplin „Requirements Engineering“ mit der Praxis in Verbindung gebracht.

Was genau ist Requirements Engineering?

Überblick über die Tätigkeiten des Requirement Engineerings.(Bild:  HEITEC)
Überblick über die Tätigkeiten des Requirement Engineerings.
(Bild: HEITEC)

Das Requirements-Engineering ist laut IREB1 ein systematischer und disziplinierter Ansatz zur Spezifikation und zum Management von Anforderungen. Die damit verbundenen Ziele sind das Wissen, Verstehen, Dokumentieren und Verwalten der relevanten Anforderungen, damit die verschiedenen involvierten Stakeholder eine Einigung erreichen. Des Weiteren sollen die Wünsche und Bedürfnisse der Stakeholder verstanden und das Risiko vermindert werden, ein Produkt auszuliefern, dass diese nicht erfüllt. Auf hoher Ebene lassen sich die Tätigkeiten des Requirements-Engineerings wie im anstehenden Bild gezeigt kategorisieren.

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Requirements Engineering für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU)

Das Requirements-Engineering für KMU bedarf jedoch aufgrund der besonderen Erfordernisse einer gesonderten Betrachtung. Für kleine und mittlere Unternehmen existieren Rahmenbedingungen, die einer angemessenen Formulierung von

Anforderungen und den hierfür notwendigen Arbeitsumfängen entgegenstehen. Hierzu zählen unter anderem:

  • geringes Fach- und Methodenwissen im Bereich Requirements Engineering
  • Zeitdruck durch Marktumfeld und Kunden
  • falsche Überzeugung, dass ein Requirements Engineering zu Zeitverzug führt und eine daraus resultierende sofortige Implementierung eines Projekts
  • nicht Ernstnehmen und Vernachlässigen von Requirements Engineering als Disziplin, da keine „harte“ Wissenschaft
  • Outsourcing der Entwicklung aufgrund von Personalmangel und damit einhergehende Distanz zum Projekt

Nichtsdestotrotz ist zu bedenken, dass eine unvollständige Requirements-Phase zu Konsequenzen und letztlich zu sehr hohen Mehrkosten führen kann. Aufgrund ungenauer bzw. gar nicht existierender Anforderungen kann es zu Missverständnissen zwischen den Stakeholdern oder zu Konflikten zwischen Kunden und Lieferanten kommen. Das Produkt wird eventuell verspätet oder in minderer Qualität ausgeliefert. Auch für kleinere und mittlere Unternehmen in der Elektronik-Industrie ist Requirements Engineering daher gut investierte Zeit und entscheidend für den Projekterfolg. Ein Dienstleister wie HEITEC kann hier wichtige Hilfestellungen leisten.

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Die Business Unit Elektronik der HEITEC AG ist etablierter Entwicklungs- und Fertigungspartner für komplexe Embedded-Systeme. HEITEC erstellt bei Bedarf auf Basis der z. B. in einer PowerPoint, E-Mail oder verbal grob formulierten Kunden-Anforderungen (Customer Requirements) eine ausführliche und abgestimmte Anforderungsspezifikation (System Requirements Specification), die wiederum als Grundlage für das Projekt dient. Bereits in der Akquisephase eines Projekts steht dem Kunden ein erfahrener Systemingenieur zur Seite, der Konzept und Architektur mit ihm entwickelt und zugleich die Umsetzbarkeit sowie die Vollständigkeit der Anforderungen überprüft. Das Know-how des Teams reicht von Architekturentwurf, Design und Implementierung über die Umfänge von Typ- und Serientests, Markt-Zertifizierungen (z. B. EU, USA, andere) bis hin zu EMV- und Umwelt-Prüfungen sowie spezifischen Anforderungen regulierter Märkte (z. B. Energietechnik, Verkehr, Medizin, Industrie). HEITEC setzt dabei umfangreiche Checklisten und Best Practice-Know-how aus zahlreichen Projekten ein.

Literaturverweise

1) IREB (2022). Certified Professional for Requirements Engineering - Foundation Level - Handbuch (1.2.0). IREB e.V.

* Stefan Lange ist Teamleiter Systems Engineering im HEITEC Geschäftsgebiet Elektronik und Dozent für Systems Engineering an der Hochschule Augsburg.

* Moises Lorenzo-Leon ist Systemingenieur im HEITEC Geschäftsgebiet Elektronik und Certified Professional für Requirements Engineering.

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