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Das Lastenheft zum Anfassen

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Erkenntnisse aus der Praxis

Folgende Erkenntnisse konnten wir in Bezug der vorgestellten Eigenschaften einer Spezifikation gewinnen:

a) Erlebbarkeit: Die frühe Erlebbarkeit führt zu einem besseren Verständnis der Funktion. Konzepte können bis zu einer Reife entwickelt werden, die ohne die Modellbildung nur schwer zu erreichen ist. Die Modelle unterstützen bei der Kommunikation unter den Stakeholdern, insbesondere auch zwischen dem Kunden und dem späteren Seriensoftware-Lieferanten. Entscheidungen können fundierter getroffen werden, da Lösungsvarianten greifbar dargestellt werden und schnell gegeneinander verglichen werden können.

b) Funktionsgestaltung: Durch die Umsetzung der Spezifikation in ein Modell konnte die nötige Detailtiefe der Anforderungen vor Übergabe an die Serienentwicklung besser beurteilt werden. Die „Idee“ der Funktion konnte konkreter entwickelt werden und somit Unschärfen im Lösungsraum reduziert werden. Die Chance, dass Themenbereiche bedacht werden, die oftmals außerhalb des Fokus der Funktionsentwickler liegen, wie beispielsweise Robustheitsmaßnahmen an Schnittstellen stieg, da diese Themen in der Regel bereits zur Modellerstellung betrachtet werden mussten.

c) Vollständigkeit: Beim Einsatz der Methodik zeigte sich, dass eine Vielzahl an Anforderungen bezüglich Widersprüche oder Interpretationsmöglichkeiten diskutiert wurden. Dies ist natürlich auch ohne den Einsatz der Ausführbaren Spezifikation der Fall, bei diesem Ansatz wurde diese Diskussion aber bereits früh im Projekt vor der Serienentwicklung geführt. Weiterhin wurden Aspekte aufgedeckt, die den Funktionsentwicklern aus ihrer Sicht als „völlig klar“ erschienen und somit nicht explizit spezifiziert wurden. Für die Serienentwickler der Funktion war die Spezifikation dieser Aspekte aber durchaus notwendig und nicht „völlig klar“. Nach Abstimmung fanden auch diese Punkte Einzug in die Prosa Spezifikation.

d) Umsetzbarkeit: Die Überprüfung der Machbarkeit anhand der Ausführbaren Spezifikation führt zu stabileren Anforderungen. Herausforderungen die meist erst bei der Serienentwicklung bewusst werden können erkannt werden. Änderungen an der Funktion, die erst während der Serienentwicklung beschlossen werden, können wiederum an den Modellen überprüft werden um Machbarkeit und Auswirkungen auf die Funktion abzuschätzen. Diese Änderungsschleife stellte sich als kürzer und kostengünstiger dar, als die Änderung sofort in die Serienentwicklung einzubringen.

e) Testbarkeit: Durch den Einsatz der Modelle im System- und Abnahmetest konnte früh im Projekt mit der Entwicklung der Testumgebung begonnen werden. Der Einsatz der Modelle als Testorakel beziehungsweise als Basis zur Generierung von Testfällen führte zu Einsparungen bei der Erstellung der Testumgebung.

Mit der Idee der Ausführbaren Spezifikation erhalten wir eine wertvolle Methode um früh in einem Projekt die Qualität der Anforderungen sicherzustellen. Die Erlebbarkeit der Anforderungen hilft den Funktionsentwicklern ihre Softwarekomponente besser zu verstehen. Es entsteht eine stabile Anforderungsbasis bevor mit der Serienentwicklung begonnen wird. Ein Einsatz der erstellten Modelle im Test helfen Aufwand und Kosten bei der Testentwicklung zu reduzieren.

Quellen

  • Dr. Grimm, Christoph, „Modellierung, Simulation, Entwurf heterogener Systeme“, http://www.ti.informatik.uni-frankfurt.de/lehre/ws0405/modellierung_simulation/v11.pdf (Stand 03.12.2014)
  • Biberger, Andreas, „Modellbasiertes Entwickeln und Testen einer AUTOSAR Software Komponente“

* Andreas Lachenschmidt ist Leiter der Softwareentwicklung bei der iNTENCE automotive electronics GmbH. Sein Schwerpunkt ist die modellbasierte Softwareentwicklung im AUTOSAR Umfeld.

* Andreas Biberger ist in mehreren Projekten mit der Umsetzung der Ausführbaren Spezifikation betraut. Er ist Experte bei der Erstellung der Modelle sowie deren Einsatz in Testumgebungen.

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