Requirements Engineering in Offshore- und globalen Projekten
Die Internationalisierung von Projekten in Form einer grenzüberschreitenden, arbeitsteiligen Offshore-Softwareentwicklung (OSE) – in der Regel die Fremdvergabe in Niedriglohngebiete – gilt seit etwa Anfang des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts als eine mögliche Antwort auf den steigenden Kostendruck durch die Globalisierung. Dabei hat sich insbesondere in den letzten Jahren ein Wandel vollzogen: Wurden Offshoring-Standorte zu Beginn häufig überwiegend „standalone“ und für bestimmte „isolierte“ Aufgaben wie Kodierung oder Test genutzt, werden sie inzwischen immer häufiger als Teil einer Gesamtstrategie involviert, mit dem Ziel die komplette Wertschöpfungskette in Softwareprojekten arbeitsteilig und grenzüberschreitend zu verteilen.
So beschränken sich Offshore-Tätigkeiten heute nicht mehr nur auf bestimmte diskrete Arbeitsprozesse wie z.B. das reine Kodieren oder Testen von Software. Sie umfassen immer mehr auch die Vergabe wissensintensiver Aufgaben wie z.B. das Software-Design im Kontext eines integrierten, globalen Entwicklungsprozesses.
Abb. 1: Badewannenkurve nach Ludewig. Fehler werden auf derselben Abstraktionsebene entdeckt, auf der sie verursacht wurden.
(Quelle: Joos, 1997)
Im Allgemeinen gilt die vollständige und präzise Erfassung der Anforderungen als eine der wichtigsten Voraussetzungen für die erfolgreiche Durchführung eines Softwareentwicklungsprojekts. Die besondere Bedeutung der Anforderungsanalyse bedingt sich dadurch, dass die resultierende Anforderungssammlung als Basis für die Erstellung der Spezifikation dient, die wiederum als zentrales Dokument der Softwareentwicklung die Grundlage für alle weiteren Tätigkeiten in der Entwicklung bildet. Kurz gesagt: Anforderungen, die nicht in der Spezifikation enthalten sind, werden auch nicht umgesetzt.
Die Qualität der Anforderungsanalyse hat ferner erheblichen Einfluss auf die Entwicklungskosten. Durch falsch verstandene oder nicht erhobene Anforderungen verursachte Fehlerkosten steigen in der Regel exponentiell an. Verdeutlichen lässt sich dies anhand der sogenannten Badewannenkurve in Abbildung 1. Demnach werden Fehler auf derselben Abstraktionsebene entdeckt, auf der sie verursacht wurden. Fehler in der Analyse werden also erst im Betrieb festgestellt.
OSE erfordern gründlichere Anforderungsspezifikation
OSE-Projekte werden in der Regel im Wesentlichen mit dem Ziel einer Reduzierung der Entwicklungskosten durchgeführt. Die verteilte, globale Softwareentwicklung birgt jedoch besonders hohe Anforderungen an die Exaktheit von Anforderungsspezifikationen sowie an den Reifegrad des Softwareentwicklungsprozesses insgesamt. Die damit verbundenen Risiken können den erhofften Kostenvorteil schnell wieder zunichtemachen. Overby (2003) schlägt hierzu in einem Beitrag zur Total Cost of Offshoring folgende Rechnung vor:
„The ability to write clear specifications is also critical to achieving offshore savings. ...‘When you have to package specs to go outside the company, that has to be done exceptionally well.’ Creating a great spec package is costly and time-consuming. On a 1,000 manhour project for example, ... staff will spend 100 hours to create a spec package. …Expect to spend an extra 1 percent to 10 percent on improving software development processes.”
Eine spezielle Herausforderung bei der Anforderungsspezifikation in OSE-Projekten liegt darin, ein gemeinsames Verständnisses für die Anforderungen zu erlangen. Vlaar et al ( 2008) beschreiben in ihrer Fallstudie mit einem der größten indischen Outsourcing-Anbieter mit über 90.000 Angestellten ausführlich zahlreiche Missverständnisse, die diesen Prozess erhebliche erschweren. Typische Probleme liegen demnach darin, dass die Offhore-Entwickler aufgrund der erhaltenen Anforderungsspezifikationen nur ein sehr wortgetreues Verständnis der Anforderungen entwickeln konnten, während ihnen der Kontext, in dem sich die Anforderungen bewegten, weitgehend verschlossen blieb.
Zu den identifizierten Problemen zählten ferner eine Wissens- und Erfahrungsasymmetrie zwischen On- und Offshore-Teams sowie Schwierigkeiten beim Umgang mit bzw. Verständnis von komplexen, neuen, widersprüchlichen sowie instabilen Anforderungen.
Overhage et al (2010) kritisieren eine Forschungslücke in Bezug auf geeignete Methoden, die die besonderen Bedingungen der Anforderungsspezifikation in Offshore-Projekten adressieren. Um diese Lücke zu schließen, schlagen sie eine Methode vor, die eine systematische Überprüfung der Qualität dokumentierter Anforderungen und ihre Eignung für Offshore-Projekte sicherstellen soll.
Stand: 08.12.2025
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Abb. 2: Zusammenhang zwischen Spezifikationsqualität und Umsetzungsrisiken
(Quelle: Overhage et al., 2010)
Als Basis dienen Qualitätskriterien und Kompensationsfaktoren. Der Methode liegt die Theorie zugrunde, dass das Risiko für Fehlinterpretationen von Spezifikationen durch Dritte umso höher ist, je geringer deren Qualität ist (Abbildung 2). Daher sollten Spezifikationen grundsätzlich folgende Qualitätsmerkmale aufweisen: Abgestimmtheit, Angemessenheit, Praktikabilität, Veränderbarkeit, Verbindlichkeit, Verständlichkeit, Vollständigkeit, Universalität.
Vorhandene Spezifikationsdefizite sollen darüber hinaus durch geeignete Maßnahmen möglichst kompensiert werden. Als Kompensationsfaktor in Offshoring-Projekten kann z.B. die situativ intelligente Auswahl eines Offshore-Dienstleisters mit Domänenverständnis dienen: Dies kann qualitative Schwächen in der Spezifikation abschwächen oder neutralisieren.
Die wesentlichen Herausforderungen des RE in der OSE sowie allgemein in globalen Softwareentwicklungsprojekten (GSD) lassen sich wie folgt zusammenfassen: Dies sind neben der bereits genannten Probleme der Kommunikation und des Wissenstransfers insbesondere kulturelle, geografische, sprachliche sowie zeitliche Unterschiede zwischen On- und Offshore-Teams.