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Anforderungsmanagement Wissensvermittlung bei der Einführung neuer RE-Methoden

| Autor / Redakteur: Chris Rupp, Carsten Pflug* / Franz Graser

Von Zeit zu Zeit steht man vor der Aufgabe, neue Requirements Engineering-Methoden zu etablieren. Aber was nützen die besten Methoden, wenn niemand weiß, wie sie eingesetzt werden?

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Der griechische Philosoph Sokrates (469 v. Chr. - 399 v. Chr.) setzte auf den Dialog als Mittel zur Erkenntnisgewinnung und Wissensvermittlung. Seine Methode hat sich bis heute bewährt.
Der griechische Philosoph Sokrates (469 v. Chr. - 399 v. Chr.) setzte auf den Dialog als Mittel zur Erkenntnisgewinnung und Wissensvermittlung. Seine Methode hat sich bis heute bewährt.
(Bild: Socrates Louvre.jpg / Eric Gaba, Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.5)

Es ist unumgänglich, eine Strategie zur Einführung der neuen Methoden zu entwickeln, um den betroffenen Mitarbeitern die nötige Kompetenz zu vermitteln. Typische Bestandteile einer solchen Strategie sind Schulungen oder gar ein Einzelcoaching der Betroffenen. Allerdings zeigt die Praxis, dass in einigen Fällen die gewählte Strategie nicht von Erfolg gekrönt war. Ein Grund dafür ist, dass die Vermittlung des Wissens zur Methode nicht das gewünschte Ergebnis gebracht hat. Das liegt daran, dass viele Einflussfaktoren bei der Wissensvermittlung über den Erfolg entscheiden.

Die Faktoren, die den Erfolg der Vermittlung des Wissens beeinflussen, sind vielfältig und reichen von dem zu vermittelnden Wissen bis hin zu Rahmenbedingungen wie der Anzahl der Wissensempfänger oder der zur Verfügung stehenden Zeit. In diesem Artikel werden wir auf diese Faktoren eingehen, sie beschreiben und Empfehlungen für die Auswahl von geeigneten Vermittlungsmethoden geben.

Die Entwicklung von Systemen, seien es Steuergeräte in einem Fahrzeug oder eine Webapplikation für den öffentlichen Dienst, ist einem stetigen Wandel ausgesetzt. Gründe dafür sind vor allem die wachsenden Anwendungsmöglichkeiten, die man mit solchen Systemen hat. Vor einigen Jahren waren die Servolenkung und das Anti-Blockier-System Neuerungen in einem Fahrzeug. Mittlerweile überwacht das Fahrzeug noch den Reifendruck, steuert das Fernlicht automatisch, schaltet bei Regen den Scheibenwischer ein und warnt sogar vor einer drohenden Kollision.

Aufgrund dieser gestiegenen Komplexität wird auch mehr vom Systementwicklungsprozess abverlangt. Neben der Komplexität spielen andere Aspekte eine große Rolle, wie etwa die gestiegenen Anforderungen an die Sicherheit der Systeme. Im Fahrzeugbau ist in den letzten Jahren die Norm ISO 26262 entstanden, woraus sich Anforderungen an die Systementwicklung ableiten lassen.

Derartige Änderungen der Anforderungen an den Entwicklungsprozess führen logischerweise zu Änderungen an den Prozessen selber. Diese werden durch neue Methoden realisiert – so auch in der Disziplin Requirements Engineering.

Eine neue oder veränderte Methode kann natürlich nur wirken, wenn sie von den Betroffenen auch gelebt wird. Dafür müssen diese Mitarbeiter die Methode kennen und einsetzen können.

Nehmen wir den Fall an, dass die neue Methode auf einem modellbasierten Ansatz des Requirements Engineerings beruht. Dann müssen die Betroffenen die verwendeten Diagramme auch lesen und erstellen können. Damit dies möglich wird, müssen den Betroffenen das entsprechenden Wissen und die Fertigkeiten vermittelt werden. Und da liegt häufig der Hund begraben: Denn so manches negative Feedback zu einer neuen Methode hat seinen Ursprung nicht in der Unzulänglichkeit der Methode selbst, sondern in der mangelhaften Vermittlung derselben. Häufig ist also nicht die Methode falsch, sondern sie wird aus Unwissenheit nicht korrekt umgesetzt.

Daher wollen wir uns mal nicht der richtigen Methode, sondern der Vermittlung des Wissens bezüglich einer Methode im Requirements Engineering zuwenden.

Wie funktioniert die Wissensvermittlung?

Wissensvermittlung bedeutet zunächst einmal: Das Wissen muss vom Sender zum Empfänger gebracht werden. Der Sender ist derjenige, welcher das Wissen hat und der Empfänger ist derjenige, der das Wissen benötigt. Nun könnte man sagen: Der Sender erzählt dem Empfänger das Wissen, so wie man es von einem Vortrag her kennt. Allerdings ist das nur bedingt wirksam. Diverse Einflussfaktoren können dazu führen, dass dieser Vortrag nicht den gewünschten Erfolg erzielt. Man denke sich als einfaches Beispiel, jemandem das Autofahren beibringen zu wollen. Würde da ein einfacher Vortrag ausreichen? Rein intuitiv würde man mit „Nein“ antworten. Und damit liegt man auch richtig. Aber warum ist das so?

Die Vermittlungsmethode

Das Vermitteln von Wissen verläuft vom Sender zum Empfänger. Dabei bedient man sich einer Vermittlungsmethode. Das was vermittelt werden soll ist die Kompetenz – zum Beispiel die Kompetenz, Auto zu fahren.

Abbildung 1: Dieses Modell geht von Watzlawicks Sender-Empfänger Modell aus. Die SOPHISTen haben es durch die zu vermittelnde Kompetenz und die daraus resultierende Vermittlungsmethode erweitert.
Abbildung 1: Dieses Modell geht von Watzlawicks Sender-Empfänger Modell aus. Die SOPHISTen haben es durch die zu vermittelnde Kompetenz und die daraus resultierende Vermittlungsmethode erweitert.
(Bild: Sophist)

Dieses Modell basiert auf dem Sender-Empfängermodell aus der Kommunikationswissenschaft von Watzlawick [Watzlawick; Beavin, Jackson 1985].

Die Kompetenz ist das, was vermittelt werden soll. Wie aus Abbildung 1 zu entnehmen ist, gehen mit dem Kompetenzbegriff die folgenden Attribute einher: Bereitschaft, Handlungsfähigkeit, Kontext, deklaratives und prozedurales Wissen. Unter deklarativem Wissen versteht man Sachwissen. So ist zum Beispiel eine auswendig gelernte Telefonnummer deklaratives Wissen. Das Wissen um einen Handlungsablauf (also eine Prozedur) wie zum Beispiel Autofahren wird prozedurales Wissen genannt.

Wenn man die beiden Wissensarten genau betrachtet, so wird deutlich, dass man deklaratives Wissen und prozedurales Wissen auf unterschiedlichem Weg erhält. So geht zwar jeder davon aus, dass man sich eine Telefonnummer merkt, die einem gesagt wird. Niemand würde aber ernsthaft annehmen, dass man durch einen Vortrag lernen könnte, wie man Auto fährt. Was bei solch alltäglichen Dingen klar scheint, bleibt bei der Wissensvermittlung allzu oft unberücksichtigt. Aus diesem Grunde ist die Wahl der Vermittlungsmethode von entscheidender Bedeutung. Denn nur wenn diese richtig gewählt wurde, kann man davon ausgehen, dass der Inhalt beim Lernenden in gewünschter Art und Weise ankommt.

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