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Nicht alle Attribute sind vermittelbar
Während deklaratives und prozedurales Wissen vermittelbar ist, sind es die anderen Attribute nicht oder zumindest nur zum Teil. Unter Handlungsfähigkeit verstehen wir all die Fähigkeiten, die man neben dem Wissen benötigt, um handeln zu können. Darunter sind auch alle essentiellen Dinge gemeint um eine Tätigkeit zufriedenstellend ausführen zu können (zum Beispiel Programmierkenntnisse, kommunikative Fähigkeiten und Ähnliches). Bereitschaft bezeichnet den Willen, das erlangte Wissen auch einzusetzen, denn niemandem nützt brachliegendes Wissen. Nicht zuletzt muss der Wissensempfänger in der Lage sein, seine erlangte Fähigkeit in den verschiedensten Kontexten einzusetzen.
Die Vermittlungsmethode ist die Art und Weise, wie der Sender die Kompetenz an den Empfänger vermittelt. Vermittlungsmethoden sind zum Beispiel ein Vortrag oder gemeinsames Arbeiten an einem Thema. Die Vermittlungsmethode wird in der Didaktik in Sozialformen und Handlungsmuster unterteilt.

Die Sozialformen beschreiben ein gewisses Setting, in dem die Wissensempfänger zusammenarbeiten. Sozialformen sind aus der Schule bereits geläufig. Ein typischer Kandidat ist der Frontalunterricht, bei dem ein Sender einer Gruppe Empfängern gegenübersteht. Weniger aus der Schule bekannt, aber auch häufig anzutreffen, ist die Sozialform One-to-one, bei der ein Sender mit einem Empfänger zusammenarbeitet. Oftmals spricht man hier auch vom Einzelcoaching.
Die Vermittlungsmethode besteht neben der Sozialform auch noch aus Handlungsmustern. Die Handlungsmuster sind die elementaren Bausteine der Wissensvermittlung. Durch die Handlungsmuster wird das Wissen überhaupt erst vermittelt. Viele Handlungsmuster begegnen uns tagtäglich und sind uns auch vom Namen her bekannt. Jeder weiß was ein Vortrag ist oder kennt das Handlungsmuster Diskussion. Ein Handlungsmuster wird auch gerade jetzt angewendet und zwar das Handlungsmuster „Lesen“. Eine Übersicht über einige Handlungsmuster zeigt die Abbildung 3.

Im Folgenden werden wir uns auf die Handlungsmuster konzentrieren. Die Eigenschaften eines Handlungsmusters geben den Ausschlag, ob es unter bestimmten Faktoren das Wissen erfolgreich vermittelt. Ein Faktor ist zum Beispiel die Art des zu vermittelnden Wissens, also deklaratives oder prozedurales Wissen. Handlungsmuster, die für deklaratives Wissen geeignet sind, müssen nicht unbedingt auch für prozedurales Wissen sinnvoll sein. Daher ist interessant, welche Eigenschaften ein Handlungsmuster haben mus,s um für zum Beispiel prozedurales Wissen geeignet zu sein. In Abbildung 4 sind die Eigenschaften eines Handlungsmusters aufgeführt. Eigenschaften sind zum Beispiel, wer (Sender oder Empfänger) den Inhalt des zu vermittelnden Wissen wann maßgeblich beeinflusst. Die Frage lautet also: Ist der Sender der alleinige Herr über den Inhalt – wie man es vom Vortrag kennt – oder kann der Empfänger den Inhalt mitgestalten?

Einflussfaktoren bei der Wahl eines Handlungsmusters
Bei der Frage, wann welches Handlungsmuster eingesetzt werden sollte, muss man sich überlegen, welche Faktoren darauf Einfluss nehmen. Ein Einflussfaktor wurde in diesem Artikel bereits erwähnt, nämlich die Art des Wissens, ob es nun deklarativ oder prozedural ist. Andere Einflussfaktoren wären beispielsweise die Anzahl der Wissensempfänger, die räumliche Verteilung der Empfänger oder die Wichtigkeit des Lernerfolges. Das ist allerdings nur ein Teil der Einflussfaktoren. Derartige Faktoren bestimmen, welches Handlungsmuster in einem bestimmten Fall eingesetzt werden sollte, damit die Wissensvermittlung erfolgreich vonstatten geht. Man kann feststellen, dass bei bestimmten Faktoren nicht nur ein Handlungsmuster funktioniert, sondern häufig eine Auswahl an Handlungsmustern zur Verfügung steht. Das kommt daher, dass bei bestimmten Einflussfaktoren Handlungsmuster einer bestimmten Ausprägung benötigt werden, und es gibt in vielen Fällen mehrere Handlungsmuster mit ähnlichen Ausprägungen.
Im Rahmen dieses Artikels lassen sich nicht alle Zusammenhänge zwischen den Einflussfaktoren und den benötigten Ausprägungen eines Handlungsmusters beschreiben. Der Nutzen der Betrachtung dieser Zusammenhänge soll aber an einem Beispiel gezeigt werden.
Angenommen, in der Disziplin Requirements Engineering sollen in Zukunft Aktivitätsdiagramme zur Darstellung der Abläufe eingesetzt werden. Insgesamt sind es drei Personen mit UML-Grundkenntnissen, die die Diagramme erstellen müssen. Im Prinzip sind hier schon ein paar Einflussfaktoren genannt. Da wären die Anzahl der Empfänger, Vorkenntnisse – und die Empfänger müssen die Diagramme zeichnen können, daher geht es darum, prozedurales Wissen zu vermitteln. Aufgrund dieser Einflussfaktoren benötigt man ein Handlungsmuster, bei dem der Empfänger sehr aktiv ist, da so prozedurales Wissen am besten vermittelt werden kann. Hier muss man sich immer wieder da Autofahren-Beispiel vor Augen führen. Desweiteren möchte man als Sender den Inhalt des zu vermittelnden Wissens stark beeinflussen, da die Empfänger korrekt modellieren müssen, also nicht selber die Regeln festlegen können. Dies und die Betrachtung der weiteren Einflussfaktoren führen zu dem Ergebnis, dass Handlungsmuster wie die Übung oder das Arbeiten an einem Prototyp die sinnigsten sind. Dagegen scheidet der Vortrag oder die Präsentation aufgrund des Mangels an Aktivität des Empfängers aus.
Das Ganze lässt sich auf verschiedene Szenarien anwenden. So kommt man unter Berücksichtigung der entsprechenden Einflussfaktoren auf die jeweils passenden Handlungsmuster.
Fazit
Unsere Betrachtungen haben gezeigt, dass Wissensvermittlung nicht immer nach genau einem Schema ablaufen sollte. Die Vermittlungsmethode sollte vielmehr den jeweiligen Gegebenheiten entsprechend gewählt werden. Denn wie wir gesehen haben, spielen viele Faktoren für die Wahl des Handlungsmusters eine Rolle. Dadurch kann der Erfolg der Wissensvermittlung gesteigert werden, was einen großen Stolperstein bei der Einführung neuer Methoden aus dem Weg räumt. // FG
Literaturhinweise:
[1] Watzlawick, Paul; Beavin, Jackson: Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien. Bern. 1985. S. 24-26
[2] Gerrig, J.Richard, Zimbardo G. Philip: Psychologie. München. 2008
[3] Krapp Andreas; Weidenmann, Bernd: Pädagogische Psychologie: Ein Lehrbuch. Basel 2006.
[4] Rupp09: Requirements Engineering und Management. Hanser Verlag. 2009.
* * Chris Rupp ist Geschäftsführerin des Nürnberger IT-Beratungshauses Sophist.
* Carsten Pflug ist seit 2002 für SOPHIST als Berater und Trainer tätig.
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