KI-gestütztes Qualitätsmanagement Entwicklungsgeschwindigkeit und Software-Qualität in Einklang bringen

Von Roman Zednik* 4 min Lesedauer

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Tempo ist für fast die Hälfte aller Unternehmen heute wichtiger als Qualität. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Test- und DevOps-Spezialisten Tricentis. Doch was ist der Preis für diese Haltung? Und können KI-gestützte Tools hierbei helfen?

Angesichts des hohen Drucks, Software möglichst schnell bereitstellen zu können, bleibt in modernen Entwicklungsteams häufig nicht genug Zeit für ausreichendes Qualitätsmanagement.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Angesichts des hohen Drucks, Software möglichst schnell bereitstellen zu können, bleibt in modernen Entwicklungsteams häufig nicht genug Zeit für ausreichendes Qualitätsmanagement.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Unternehmen aller Branchen müssen immer schneller, effizienter und innovativer werden, um am hart umkämpften Markt zu bestehen. Der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz erhöht den Druck noch weiter. Denn niemand möchte riskieren, den Anschluss zu verlieren.

Während das Management versucht, mit der neuen Technologie die Produktivität zu steigern, sind Software-Teams mit immer kürzeren Release-Zyklen und immer knapperen Zeitvorgaben konfrontiert. Häufig bleibt dabei die Qualität auf der Strecke. Wie eine aktuelle Tricentis-Studie zeigt, priorisieren fast die Hälfte der Unternehmen (45 Prozent weltweit und 44 Prozent in Deutschland) die Release-Geschwindigkeit höher als die Software-Qualität.

Für sorgfältige Qualitätskontrolle bleibt oft keine Zeit

Die Folgen der tempogetriebenen Entwicklung sind besorgniserregend, denn Unternehmen gehen dadurch große Risiken ein. Fast zwei Drittel (63 Prozent) der Befragten weltweit geben zu, dass sie manchmal Code-Änderungen bereitstellen, ohne diese vollständig zu testen. In Deutschland liegt der Anteil sogar bei 74 Prozent.

Als Hauptgrund nannten die Befragten, dass sie die Release-Zyklen nicht ausbremsen wollen (global: 46 Prozent, Deutschland: 47 Prozent). Häufig schleicht sich ungetesteter Code außerdem aus Versehen ein (global: 40 Prozent, Deutschland: 35 Prozent). Beides hängt jedoch zusammen, denn je größer der Termindruck, desto höher das Risiko für Unachtsamkeit.

Qualitätsmängel verursachen hohe Kosten und Risiken

Am Ende entstehen durch schlechte Software-Qualität erhebliche Folgekosten. 42 Prozent der Unternehmen (Deutschland: 41 Prozent) schätzen ihren finanziellen Schaden auf mindestens eine Million US Dollar oder mehr pro Jahr.

Vor allem die Wartungskosten summieren sich, denn hat sich einmal schlechter Code eingeschlichen, treiben die technischen Altlasten den Aufwand in die Höhe. Dazu kommen operative Risiken. 66 Prozent der Unternehmen, sowohl weltweit als auch in Deutschland, rechnen im kommenden Jahr mit einem Systemausfall oder einer größeren Störung. 23 Prozent (Deutschland: 16 Prozent) sehen sich sogar als stark gefährdet. Schon ein kleiner Fehler in einer Komponente reicht aus, um eine ganze Prozesskette zum Erliegen zu bringen.

Qualität und Geschwindigkeit vereinen

Unternehmen stehen also vor einem Dilemma: Einerseits muss die Software-Entwicklung und Bereitstellung schneller werden, andererseits darf die Qualitätssicherung nicht auf der Strecke bleiben. Die Kunst besteht darin, Tempo und Qualität in Einklang zu bringen. Unternehmen, denen das gelingt, gewinnen einen Wettbewerbsvorteil. Wer die richtige Balance nicht findet, muss dagegen mit steigenden Betriebskosten, zunehmender Kundenfluktuation, häufigeren Sicherheits- und Compliance-Verletzungen sowie Geschäftsunterbrechungen rechnen.

Entscheidend für die Qualitätstransformation ist, das Testing nicht länger als lästiges Add-on am Ende der Entwicklung zu betrachten, sondern von Anfang an in DevOps-Prozesse zu integrieren. Testautomatisierung und der Einsatz von KI-Tools spielen dafür eine Schlüsselrolle.

Wie kann KI unterstützen?

Viele Unternehmen setzen bereits generative KI in der Software-Entwicklung ein und erzielen damit nachweisliche Erfolge. So sagt die große Mehrheit der Studienteilnehmer (89 Prozent), dass sie den ROI von generativer KI im Softwareentwicklungsprozess effektiv messen können. In Deutschland sind es 85 Prozent. Vor allem in agentenbasierter KI sehen die Befragten enormes Potenzial. 82 Prozent der weltweiten und 75 Prozent der deutschen Unternehmen freuen sich darauf, monotone Routinearbeiten an KI-Agenten abzugeben und mehr Zeit für strategischere Aufgaben zu gewinnen.

Insgesamt sind 84 Prozent (Deutschland: 80 Prozent) überzeugt, dass KI es Entwicklungsteams ermöglichen wird, hochqualitative Software schneller bereitzustellen. Auch die Führungsebene vertraut bei kritischen Entscheidungen zunehmend auf die neue Technologie. 90 Prozent der weltweit befragten und 87 Prozent der deutschen CIOs und CTOs würden einem KI-Agenten Entscheidungen über Software-Releases überlassen.

KI in der Qualitätssicherung

In der Qualitätssicherung kann generative KI zum Beispiel automatisiert Testfälle aus Spezifikationen erstellen oder Prozesse simulieren und daraus Test Cases ableiten. Mitarbeiter müssen diese Vorschläge zwar noch prüfen und weiterbearbeiten, sparen dadurch aber erheblichen Aufwand, sodass sich die Effizienz im Test-Case-Design um bis zu 30 Prozent steigern lässt. Fast alle der befragten Unternehmen (96 Prozent global und 97 Prozent in Deutschland) planen, KI künftig stärker im Software-Testing einzusetzen.

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Große Erwartungen setzen sie in autonomes Testen. 99,9 Prozent – in Deutschland sogar 100 Prozent – halten dies für nützlich in der Qualitätssicherung. Vorteile versprechen sie sich die CIOs und CTOs vor allem in folgenden Bereichen: einer schnelleren Software-Entwicklung und -Bereitstellung (global: 28 Prozent, Deutschland: 31 Prozent), der generellen Qualitätsverbesserung (global: 28 Prozent, Deutschland: 26 Prozent), der Analyse von Testergebnissen (global: 25 Prozent, Deutschland: 24 Prozent) sowie der Test-Case-Wartung (global: 23 Prozent, Deutschland: 24 Prozent).

Kenntnisse im Umgang mit KI aufbauen

Bei aller Begeisterung für KI sind sich Unternehmen aber auch der Risiken bewusst. Die befragten IT-Entscheider machen sich vor allem Gedanken über Security-Schwachstellen (39 Prozent, Deutschland: 38 Prozent), diskriminierenden Output (38 Prozent, Deutschland: 40 Prozent) und Gefahren durch übermäßiges Vertrauen in die Technologie (38 Prozent, Deutschland: 34 Prozent).

Damit KI wirklich die gewünschten Vorteile bringt, ist es also wichtig, Mitarbeiter zu schulen und Awareness für die Risiken zu schaffen. Die eigenen Skills im Umgang mit KI auszubauen wird daher für Unternehmen zur strategischen Top-Priorität.

Fazit: Auf Dauer unverzichtbar

KI-gestützte Automatisierung wird in der Software-Entwicklung unverzichtbar, um die Release-Geschwindigkeit zu erhöhen, ohne dass die Qualität darunter leidet. Indem Unternehmen KI-Tools in ihre Prozesse integrieren, können sie Tempo mit Qualität in Einklang bringen und ihre Testing-Strategie von reaktiver Kontrolle hin zu proaktivem Quality Engineering transformieren. Voraussetzung ist, Fähigkeiten im Umgang mit der neuen Technologie aufzubauen und einen verantwortungsvollen, risikobewussten Einsatz sicherzustellen. Die Mehrheit der Unternehmen ist bereit, langfristig in KI für die Software-Entwicklung zu investieren. Zwei Drittel (Deutschland: drei Viertel) erwarten einen ROI erst nach mindestens drei Jahren. Mit ihren Investitionen stellen sie heute die Weichen, um ihre künftige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

 (sg)

* Roman Zednik ist Field CTO bei Tricentis

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