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Entwicklungsplattformen Das Internet der Dinge für Entwickler greifbar machen

| Redakteur: Franz Graser

Im Internet of Things (IoT) liefern intelligente, miteinander vernetzte Geräte Daten, die die Basis für neue Geschäftsmodelle bilden können. Doch dazu muss das IoT handhabbar werden.

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Smart Farming und Smart Cooling sind nur zwei Anwendungen, die durch ThingWorx, eine Anwendungsplattform für das Internet der Dinge, möglich werden.
Smart Farming und Smart Cooling sind nur zwei Anwendungen, die durch ThingWorx, eine Anwendungsplattform für das Internet der Dinge, möglich werden.
(Bild: PTC)

Russell Fadel hat alles schon einmal erlebt. 2005 verkaufte er die von ihm gegründete Firma Lighthammer an den deutschen Softwareriesen SAP. Das Unternehmen vermarktete eine Softwarelösung, die es erlaubte, eine Brücke zwischen der Echtzeitwelt der Fertigung und dem betriebswirtschaftlichen Umfeld der Fertigungsplanung zu schlagen. Enterprise Manufacturing Intelligence nannte sich das damals. Auf der Basis der Lighthammer-Plattform ließen sich Applikationen bauen, die Einblick in die Fertigungsabläufe boten, die Maschinenauslastung anzeigten und Ansatzpunkte für die Optimierung lieferten.

Frühjahr 2014: Wieder hat ein Unternehmen mit drei Buchstaben eine von Russell Fadel gegründete Firma gekauft. Diesmal ist es PTC, der Spezialist für Softwarelösungen zur Produktentwicklung – sowohl auf der Hard- als auch auf der Softwareseite – und zum Servicing. Der Name der übernommenen Firma ist ThingWorx. Und auch diesmal schlägt die ThingWorx-Softwarelösung eine Brücke, nämlich zum Internet der Dinge.

Bis zu 30 Milliarden Geräte hängen 2020 am Internet

Wie das Marktforschungshaus Gartner prognostiziert, werden im Jahr 2020 rund 26 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden sein. ABI Research geht davon aus, dass diese Zahl sogar über 30 Milliarden liegen könnte. Viele dieser Geräte werden Daten aus der physikalischen Welt sammeln und der Datenwelt zur Verfügung stellen. Doch wie ist es möglich, Applikationen zu entwickeln, die das Potenzial des IoT erschließen?

„Wir haben gesehen, dass sich unsere Erfahrungen aus dem Fertigungsumfeld auf ein breiteres Problem anwenden ließen“, erläutert Fadel im Gespräch mit der ELEKTRONIKPRAXIS. „Also begannen wir damit, eine Applikationsplattform und eine Lösung für das Rapid Application Development zu entwickeln, die auf das Internet der Dinge zielten. Die Herausforderungen waren natürlich ganz andere als im Fertigungssegment, aber wir hatten den Vorteil, dass wir im Jahr 2009 damit begannen und die technische Grundlage, die wir entworfen hatten, zehn Jahre jünger war als in unserem alten Business.“

Eine Zielrichtung der ThingWorx-Lösung besteht darin, Daten, die von den Geräten im Feld generiert werden, zu visualisieren. Eine Demonstrationsanwendung zeigt zum Beispiel, wie der Füllstand und der Kassenbestand von Getränkeautomaten, die mit dem Netz verbunden sind, in Realzeit abgelesen werden können. Für jeden Automaten gibt es eine eigene Seite, die den aktuellen Betriebszustand anzeigt, die Umsatzentwicklung der letzten Tage und auch die am meisten nachgefragten Getränkesorten. Auch Defekte werden vermerkt, so dass sich die komplette operationelle Geschichte des Geräts nachvollziehen lässt. Diese Seite ähnelt einer Facebook-Seite für das jeweilige Gerät, deswegen kann man auch vom „Facebook für Maschinen“ sprechen.

Aus den so gewonnenen Daten lässt sich eine Menge machen. Bleibt man beim Beispiel des Getränkeautomaten, so ist es möglich, Geräte zu ermitteln, die besonders viel Umsatz machen – vielleicht, weil sie an einem sehr günstigen Standort platziert sind –, die Zusammenstellung der Produkte zu optimieren, weil bestimmte Getränkesorten stärker nachgefragt werden als andere, oder die Route des Wartungsdienstes anzupassen: Fällt ein besonders häufig frequentierter Apparat aus, dann kann es sinnvoll sein, diesen mit höherer Priorität wieder instand zu setzen als andere Geräte.

Aber auch in anderen Branchen lässt sich die Softwarelösung einsetzen, etwa in der Landwirtschaft. Smart Farming lautet das Stichwort. Eine Firma, die diesen Ansatz betreibt, teilt die Ackerfläche in jeweils 10 Quadratmeter große Parzellen ein. Ausgehend von der Bodenbeschaffenheit der Parzellen bestimmt der Farmer das verwendete Saatgut, die Dichte der Bepflanzung, die Düngung und die Bewässerung. Je nach Ernteertrag der Parzellen wird die Aufteilung im Folgejahr verändert oder beibehalten.

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