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Windows Historie, Teil 2 – Das Plug-and-Play-Betriebssystem

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Browserkrieg und Lizenzvergaben: Das Kartellverfahren (1998-2001)

Sitz des US-Justizministeriums: Wegen seines Verhaltens im Browserkrieg zwischen 1995 und 1998 und aggressiver Lizensierungspolitik beim Vertrieb der OEM-Versionen von Windows 95 und 98 drohte Microsoft im Jahr 2001 in einem Kartellverfahren die Zerschlagung des Unternehmens.
Sitz des US-Justizministeriums: Wegen seines Verhaltens im Browserkrieg zwischen 1995 und 1998 und aggressiver Lizensierungspolitik beim Vertrieb der OEM-Versionen von Windows 95 und 98 drohte Microsoft im Jahr 2001 in einem Kartellverfahren die Zerschlagung des Unternehmens.
(Bild: Usdepartmentofjustice.jpg / Coolcaesar, Wikimedia Commons / CC BY 3.0)

Anfänglich hatte Microsoft dem World Wide Web noch relativ wenig Aufmerksamkeit geschenkt, waren Webseiten doch zunächst nur auf Universitäten oder Forschungseinrichtungen beschränkt. Mit dem Aufkommen grafikfähiger Webbrowser änderte sich das jedoch rasant: Allein im Jahr 1993 stieg die Zahl weltweit vorhandener Webserver von 50 im Januar auf über 500 im August an.

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Als Microsoft 1995 sein neues Betriebssystem ausrollte, wurde die Benutzung des Internets populär. Microsoft war zwar dank Windows 95 die wertvollste Softwarefirma der Welt. Durch Vernachlässigung des Internets fürchtete Bill Gates allerdings, dass das Unternehmen schnell die Technologieführerschaft im Softwaremarkt an aufstrebende Konkurrenten in diesem Sektor verlieren könnte – allen voran die Firma Netscape, deren Webbrowser Netscape Navigator zu diesem Zeitpunkt einen Marktanteil von 80 Prozent hatte.

Grafische Darstellung der Browser-Marktanteile zwischen 1995 und 2009. Im Verlauf des ersten "Browserkriegs" verdrängte Microsoft konkurrierende Browseranbieter bis 2001 nahezu komplett. Seit 2010 bestimmen alternative Angebote wie Firefox oder Google Chrome überwiegend den Markt.
Grafische Darstellung der Browser-Marktanteile zwischen 1995 und 2009. Im Verlauf des ersten "Browserkriegs" verdrängte Microsoft konkurrierende Browseranbieter bis 2001 nahezu komplett. Seit 2010 bestimmen alternative Angebote wie Firefox oder Google Chrome überwiegend den Markt.
(Bild: Browser Wars (en).svg / Wereon, Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0)

Um dem entgegenzuwirken, entwickelte Microsoft mit dem Internet Explorer einen eigenen Webbrowser, der bereits direkt in spätere OEM-Versionen von Windows 95 integriert wurde – Windows 98 war schon gar nicht mehr ohne den Microsoft-Browser zu bekommen. Zwischen 1995 und 1998 entbrannte zwischen den beiden Unternehmen der sogenannte Browserkrieg. Microsoft konnte durch die Integration des Browsers in sein weit verbreitetes Betriebssystem und die Entwicklung eigener Webstandards zwar diese Auseinandersetzung klar für sich entscheiden: Im Verlauf von nur drei Jahren brach der Marktanteil des Netscape Navigators drastisch ein, während der Internet Explorer die Marktführerschaft übernahm.

Doch der aggressiv geführte Konflikt hatte Konsequenzen. Am 18. Mai 1998 eröffnete das US Department of Justice ein Kartellrechtsverfahren gegen Microsoft. Dem Unternehmen wurde vorgeworfen, durch die Bündelung seines Webbrowsers mit seinem Betriebssystem einen unfairen Wettbewerbsvorteil geschaffen zu haben. Nutzer mussten den Netscape Navigator dagegen nicht nur separat herunterladen, Microsoft wurde darüber hinaus vorgeworfen, Installation des Konkurrenzbrowsers auf Windows Systemen künstlich zu verkomplizieren und durch Manipulation von APIs die Entwicklung von Anwendungen, die nicht auf den Internet Explorer optimiert waren, zu erschweren.

Hersteller alternativer Betriebssysteme wie BeOS beklagten ebenso, dass Microsofts aggressive Lizenzbedingungen PC-OEMs (Original Equipment Manufacturer) wie Compaq effektiv daran hinderten, Rechner mit anderen Betriebssystemen als mit Windows auszuliefern.

Es war nicht das erste Mal, dass das Unternehmen einer Antitrust-Klage ausgesetzt war. Microsoft hatte im Zuge einer Prüfung der Lizenzbedingungen von Windows 3 eine Einigung mit dem Justizministerium erzielen können. Auch später sollten noch Kartellrechtsprüfungen auf Microsoft zukommen. Dieses Verfahren war allerdings das bis dato schwerwiegendste, denn es drohte die Zerschlagung des Unternehmens.

Um Schlimmeres abzuwenden, trat Bill Gates Anfang 2000 als CEO zurück. Neuer Chef wurde Steve Ballmer. Dennoch schien das Schicksal besiegelt: In erster Instanz wurde Microsoft am 7. Juni 2000 zunächst illegaler Geschäftspraktiken für schuldig empfunden. Das Justizministerium forderte, das Unternehmen in zwei separate Softwarefirmen aufzuspalten: Eine für Betriebssysteme, eine für Anwendungssoftware.

Nach einem Berufungsverfahren konnte Microsoft am 2. November 2001 diese Trennung allerdings zugunsten einer Einigung noch einmal abwenden. Die Marktführerschaft bei den Betriebssystemen blieb gesichert, wie auch – zumindest für die nächsten Jahre – bei den Internetbrowsern.

Windows Me: Ungeliebte Zwischenlösung

Die "Millenium Edition" stieß aufgrund augenscheinlicher Entfernung des DOS-Modus und anfänglichen Stabilitätsproblemen auf wenig Gegenliebe bei Anwendern.
Die "Millenium Edition" stieß aufgrund augenscheinlicher Entfernung des DOS-Modus und anfänglichen Stabilitätsproblemen auf wenig Gegenliebe bei Anwendern.
(Bild: Microsoft)

Das letzte Betriebssystem auf Basis der vierten Windows-Generation (Versionsnummer 4.90.3000) war die sogenannte „Millenium Edition“, Windows Me. Ursprünglich hatte Microsoft eigentlich für das Jahr 2000 vorgesehen, die getrennten NT- und DOS-basierten Betriebssystemfamilien zu einer gemeinsamen Reihe zu vereinen. Tatsächlich hatte man das NT-Produkt Windows 2000 zunächst für diesen Zweck vorgesehen.

Um aber die Kompatibilität mit bestehender DOS-Software nicht zu verlieren, die gerade im Spiele- und Heimanwendermarkt noch weit verbreitet war, entschied man sich doch für zwei separate Releases. Am 14. September 2000 erschien daher mit Windows Me die letzte Ausgabe eines DOS-basierten Windows-Betriebssystems.

Die GUI sowie das Design der Icons orientierte sich bei Windows Me stark an der NT-Familie, speziell an Windows 2000.
Die GUI sowie das Design der Icons orientierte sich bei Windows Me stark an der NT-Familie, speziell an Windows 2000.
(Bild: Screenshot/Microsoft)

Auch wenn das Prinzip dem Rest der 9x-Familie entsprach, orientierte sich die grafische Oberfläche an der Gestaltung von Windows 2000. Der Windows Media Player erhielt mit Version 7 eine neue Struktur wie auch Nutzeroberfläche und Unterstützte nun auch das direkte Brennen von Audio-CDs (allerdings nur mit passendem Adaptec-Plugin), ein integriertes Internetradio sowie das Anlegen und Speichern von Playlists.

Mit dem Windows Movie Maker war erstmals ein einfaches Schnittprogramm für Filme im Betriebssystem vorhanden, auch das Entpacken von ZIP-Archiven direkt aus dem Windows Explorer heraus war nun möglich. Als erste Windows-Version für Heimanwender verfügte Windows Me zudem über einen Schutzmechanismus zum automatischen Wiederherstellen beschädigter Systemdateien. Als einziges Windows der 9x-Familie hielt Me zudem standardmäßig einen eigenen Treiber für USB-Wechselspeichermedien wie USB-Sticks bereit. Ansonsten hielten sich die Neuerungen in Grenzen.

Auch wenn Microsoft den DOS-Modus aus Windows Me offiziell entfernt hatte, konnten Anwender mit Hilfe einer speziellen Bootdiskette dennoch direkt in das darunterliegende MS-Dos 8.0 starten.
Auch wenn Microsoft den DOS-Modus aus Windows Me offiziell entfernt hatte, konnten Anwender mit Hilfe einer speziellen Bootdiskette dennoch direkt in das darunterliegende MS-Dos 8.0 starten.
(Bild: Screenshot/Microsoft)

Auffällig war die augenscheinliche Abwesenheit des DOS-Modus, der in Windows 95 und 98 noch Standard war. Allerdings war MS-DOS 8.00 unter der Haube weiterhin fester Bestandteil von Windows Me, mit einer bearbeiteten Boot-Diskette war ein Start in den reinen DOS-Modus weiter möglich. Microsoft hatte diesen versteckt, angeblich um die Systemstabilität zu optimieren. Dabei wurde gerade letzteres unter Windows Me oft als großes Problem wahrgenommen: Unmittelbar nach Release wurde eine Sicherheitslücke bekannt, die das System zum Abstürzen brachte. Ironischerweise war auch die neue Systemwiederherstellung fehlerhaft und weigerte sich ab einem bestimmten Zeitpunkt, angelegte Restore-Zustände wiederherzustellen.

Im Endeffekt wirkte das System wie eine dritte, weniger stabile Auflage von Windows 98, die wegen des versteckten DOS-Modus gerade für viele Spieler unattraktiv war. Als erstes Microsoft-Betriebssystem wird Windows Me daher von Beobachtern als Flop wahrgenommen. Den Rückschlag sollte das Unternehmen mit seinem nächsten OS umgehend ausbügeln.

(ID:43519946)

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