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Wie HMI-Lösungen kulturell angepasst werden können

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Beispiele interkultureller Unterschiede: Schriften und Zeichensätze

Kulturen werden durch die benutzte Sprache determiniert und repräsentiert (Gardt, 2001). Je nach Sprache werden für die schriftliche Niederlegung von Worten unterschiedliche Zeichensätze verwendet. Die meisten europäischen Sprachen nutzen den lateinischen Zeichensatz, wobei je nach Sprache Sonderzeichen wie die deutschen Umlaute hinzukommen können. Hier ist bei der Implementierung von HMIs darauf zu achten, dass die verwendeten Zeichensätze die Darstellung der entsprechenden Buchstaben ermöglicht.

Innerhalb von Europa verwenden einige Sprachen kyrillische Buchstaben, Griechisch und Georgisch haben eigene Zeichensätze. Im asiatischen Raum sind weitere in Benutzung, die im Gegensatz zu europäischen Buchstaben komplexere Inhalte, wie z.B. Silben haben. Erschwerend kommt hinzu, dass z.B. in China ca. 20.000 Zeichen genutzt werden (Karlgren, 2008).

In verschiedenen Sprachen haben Wörter unterschiedliche Längen. Englisch ist eine eher effiziente und kurze Sprache. Deutsch und Französisch verwenden in den meisten Fällen mehr Buchstaben. Im Finnischen gibt es extrem lange Wörter. Die asiatischen Schriften erlauben die Darstellung von viel Inhalt mit sehr wenigen Zeichen. Bei der HMI Gestaltung muss das bei der Feldgröße für Wörter berücksichtigt werden.

Beispiele interkultureller Unterschiede: Farben und Symbole

Neben der rein ästhetischen Wirkung sind Farben Träger von Informationen. Grün kennzeichnet oft den Zustand „gut“, „ok“ oder „unkritisch“, rot bedeutet das Gegenteil. Auch weitergehende Konnotationen zwischen Farben und Bedeutungen sind bekannt, wie z.B. weiß für Unschuld oder Reinheit und schwarz für Trauer oder Eleganz. Diese Zuordnungen sind kulturell determiniert und nicht in allen Kulturkreisen identisch. So ist in Asien rot nicht zwangsläufig mit kritischen Zuständen verbunden, und in einigen Teilen Chinas ist weiß die Farbe der Trauer (Tabelle 1 in der Bildergalerie).

Die unterschiedliche Konnotation von Farben in den Kulturen hat Konsequenzen für die Gestaltung von HMIs. Unterschiedliche Farben tragen unterschiedliche Bedeutungen. Es kann zu Missinterpretationen z.B. bei der Anzeige kritischer Zustände kommen. Der Einsatz von Farben kann zu Emotionen führen, die nicht in den entsprechenden Kontext passen.

Auch bei der Verwendung von Symbolen (Icons) in HMIs kann es zu Missverständnissen kommen. Icons sind oft vereinfachte Darstellungen realer Objekte. Die Vereinfachung als solche schafft Raum für (Miss-) Interpretationen. Die Auswahl der Objekte, die als Basis dienen kann unpassend sein. Besondere Irritationen kann die Wahl von Gesten als Basis für Icons erzeugen. Gesten haben eine sehr stark kulturell geprägte Bedeutung (Ege, 2013; Broschinsky-Schwabe, 2011).

Auch politische Symbole wie Sterne oder Kreuze sind international unterschiedlich belegt. So steht das Hakenkreuz in Europa für das ganz rechte politische Spektrum und ist in Deutschland als verfassungsfeindliches Zeichen verboten. In Indien und China ist die fast identisch aussehende Swastika ein Glückssymbol.

Die politisch-religiöse Dimension

Die Missachtung interkultureller Phänomene hat auch eine politische und religiöse Komponente (Goldschmidt, 2009). Spannungen zwischen Ländern können z.B. die Darstellung von Navigationskarten beeinflussen. So sollten Fahrzeuge, die nach China gehen, Taiwan als Provinz Chinas darstellen, in Taiwan dagegen als eigenständiges Land. Entsprechendes gilt für das Westjordanland und den Gazastreifen in Israel bzw. arabischen Ländern.

In arabischen Ländern sind grün und lila religiös konnotierte Farben, sie sollten bei der Gestaltung von HMIs nicht verwendet werden. Aufgrund des Alkoholverbots in vielen islamischen Ländern ist bei der Nutzung von Icons auf die Darstellung alkoholischer Getränke zu verzichten. Das gilt auch für die Darstellung von menschlichen Gliedmaßen (Goldschmidt, 2009).

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