Serie „Requirements Engineering für KMU“ – Teil 5 Requirements Engineering – Anforderungserhebung

Von Stefan Lange und Moises Lorenzo-Leon* 2 min Lesedauer

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In den vorherigen Teilen dieser Artikelreihe zu Requirements Engineering ging es um Grundlagen, Abstraktionsebenen, funktionale und nicht-funktionalen Systemanforderungen sowie um Randbedingungen. In diesem Teil der Serie befassen wir uns nun mit der Kerntätigkeit des Requirements Engineerings: dem Erheben von Anforderungen.

Bild 1: Ein- und Ausgaben des Requirements-Engineerings.(Bild:  Heitec)
Bild 1: Ein- und Ausgaben des Requirements-Engineerings.
(Bild: Heitec)

Umwandlung von Bedürfnissen in Anforderungen

Die Definition von Anforderungen beginnt mit der Feststellung der Bedürfnisse (oder Ziele) der Stakeholder. Diese müssen detailliert bestimmt und weiterentwickelt werden, bevor hieraus verbindliche Anforderungen formuliert werden können. Typische Quellen von Anforderungen sind Stakeholder, Dokumente sowie Alt- oder interagierende Systeme.

Bild 2: Anforderungsquellen(Bild:  Heitec)
Bild 2: Anforderungsquellen
(Bild: Heitec)

Wer sind die „Stakeholder“?

Als „Stakeholder“ wird eine Person oder Organisation bezeichnet, die Einfluss auf die Anforderungen eines Systems hat oder die von diesem System in irgendeiner Weise betroffen ist.

Typische Stakeholder sind:

  • Kunde
  • legislative Institutionen
  • Portfolio-/Produkt-Management
  • Entwicklung
  • Test
  • Logistik
  • Produktion
  • Betrieb
  • Instandhaltung
  • Qualitätssicherung

Es kann sich also um viele, völlig verschiedene Bereiche handeln. Um als Requirements-Engineer nun den Überblick zu behalten, ist es sinnvoll, eine Tabelle mit den relevanten Stakeholdern zu erstellen.

Eine Stakeholder-Tabelle sollte mindestens folgende Daten enthalten: Name und die Funktion (Rolle), Kontaktdaten sowie die zeitliche und räumliche Verfügbarkeit während der Projektlaufzeit. Darüber hinaus sollten die jeweilige Relevanz, das Fachgebiet, der Umfang des Fachwissens und die Ziele und Interessen in Bezug auf das Projekt erfasst werden.

Im nächsten Schritt müssen alle Anforderungen der Stakeholder gesammelt werden. Dafür gibt es unterschiedlichen Erhebungstechniken wie Interviews, Fragebögen, Feldbeobachtungen, Praktika oder Workshops.

Der Requirements Engineer als Archäologe

Darüber hinaus empfiehlt es sich, „Systemarchäologie“ zu betreiben, d. h. Anforderungen auf Basis bereits existierender Systeme zu erheben, oder auch Anforderungen anderer existierender oder in der Entwicklung befindlicher Systeme mit einzubeziehen.

Wenn es um Ideenfindung geht, können verschiedene Techniken zum Einsatz kommen: Dazu gehören Brainstorming, die Analogie-Technik (bei der eine analoge Problemstellung herangezogen, diskutiert und auf das konkrete Problem übertragen wird), Prototypen sowie Szenarien und Storyboards.

Beschäftigt man sich also eingehender mit der Identifikation und Sammlung von Anforderungen, erkennt man die Vielschichtigkeit der Materie. Manches ist so selbstverständlich, dass es bei mangelnder Erfahrung leicht vergessen werden könnte. Andere Aspekte hingegen werden nicht in Betracht gezogen, da sie auf den ersten Blick nicht naheliegend sind. Es ist eine Herausforderung, hier ein komplettes und konsistentes Bild zu erhalten.

Auf der Reise zu einem erfolgreichen Requirements-Engineering geht es weiter. Unser nächstes Thema ist die Formulierung „guter“ Requirements.

 (sg)

Literaturverweise

IREB (2022). Certified Professional for Requirements Engineering - Foundation Level - Handbuch (1.2.0). IREB e.V.

ISO/IEC/IEEE 29148:2018. Systems and software engineering - Life cycle processes - Requirements engineering

C. Rupp (2021). Requirements Engineering und Management (7. Auflage). Hanser

* Stefan Lange ist Teamleiter Systems Engineering im HEITEC Geschäftsgebiet Elektronik und Dozent für Systems Engineering an der Hochschule Augsburg.

* Moises Lorenzo-Leon ist Systemingenieur im HEITEC Geschäftsgebiet Elektronik und Certified Professional für Requirements Engineering.

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