Serie „Requirements Engineering für KMU“ – Teil 4 Requirements Engineering – Randbedingungen (constraints) bei Anforderungen

Von Stefan Lange und Moises Lorenzo-Leon* 3 min Lesedauer

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Die letzten Teile dieser Artikelserie gingen auf funktionale sowie-nicht-funktionale Systemanforderungen beim Requirements Engineering ein. In diesem Teil geht es nun um die dritte Kategorie von Systemanforderungen: den Randbedingungen (engl.: „constraints“).

Teil 4 der elfteiligen Reihe zu Requirements Engineering erklärt die dritte Kategorie von Systemanforderungen: Randbedingungen (constraints).(Bild:  HEITEC)
Teil 4 der elfteiligen Reihe zu Requirements Engineering erklärt die dritte Kategorie von Systemanforderungen: Randbedingungen (constraints).
(Bild: HEITEC)

Stakeholder neigen dazu, Einschränkungen als funktionale Anforderungen zu spezifizieren. Manchmal ist die Kategorisierung nicht so einfach, aber das Wichtigste ist, dass die Anforderung erfasst wird. Die Zuordnung spielt hierbei nur eine untergeordnete Rolle.

Technisch

Technische Randbedingungen werden englisch „design constraints“ genannt und umfassen u. a. vorgegebene Schnittstellen oder Protokolle, Komponenten oder Frameworks, die verwendet werden müssen. Sie definieren die Grenzen der Optionen, die dem Entwickler einer Lösung zur Verfügung stehen, indem sie unverrückbare Limits und Beschränkungen auferlegen (z. B. die Integration eines alten oder bereitgestellten Systemelements in ein neues System oder festgelegte Ablageorte bestimmter Daten).

Rechtlich

Hier geht es um Randbedingungen aus Gesetzen, Verträgen, Normen oder Vorschriften. Damit werden regulatorische Anforderungen festgelegt, die den Betrieb oder die Leistung des Systems beeinflussen können (z. B. Arbeitsrichtlinien, Berichte an Aufsichtsbehörden, Gesundheits- oder Sicherheitskriterien usw.).

Organisatorisch

Es kann Randbedingungen in Bezug auf Organisationsstrukturen, Prozesse oder Richtlinien geben, die durch das System nicht verändert werden dürfen. Dazu zählen z.B. Prozesse der Informationsverarbeitung, Zuständigkeiten sowie Vorgaben zur Dokumentation.

Kulturell

Die Gewohnheiten und Erwartungen der Benutzer werden bis zu einem gewissen Grad von deren Kultur geprägt. Dies ist ein besonders wichtiger Aspekt, der zu berücksichtigen ist, wenn die Benutzer eines Systems aus unterschiedlichen Kulturen kommen oder Requirements Engineers und Entwickler in einer anderen Kultur verwurzelt sind als beispielsweise die Benutzer des Systems.

Umwelt

Bei der Spezifikation von technischen Systemen müssen Umweltbedingungen wie Temperatur, Feuchtigkeit, Strahlung oder Vibration als Randbedingungen berücksichtigt werden. Energieverbrauch und Wärmeabgabe können weitere Randbedingungen darstellen. Umgebungsspezifische Einschränkungen beschreiben die Bedingungen, denen das System in seinen verschiedenen Betriebsarten ausgesetzt ist. Hier müssen sowohl natürlich induzierte Faktoren (z. B. Wind, Regen, Temperatur, Tierwelt, Salz, Staub, Strahlung usw.) als auch selbst induzierte Umwelteinflüsse (z. B. Bewegung, Erschütterung, Lärm, Elektromagnetismus, Wärme usw.) berücksichtigt werden.

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Physisch

Wenn ein System aus physischen Komponenten besteht oder mit ihnen interagiert, wird es durch die herrschenden physikalischen Gesetze und die Eigenschaften der für die Komponenten verwendeten Materialien eingeschränkt. Anforderungen zu Gewicht, Volumen und Abmessungen des Systems fallen unter diese Kategorie.

Kosten, Zeitplan und Personal

Geplante Kosten, Liefertermine sowie die Verfügbarkeit von Personal stellen weitere Anforderungen in Form von Randbedingungen dar.

Das komplexe Feld der Anforderungserhebung wird unser nächstes Thema sein.  (sg)

Literaturverweise

IREB (2022). Certified Professional for Requirements Engineering - Foundation Level - Handbuch (1.2.0). IREB e.V.

ISO/IEC/IEEE 29148:2018. Systems and software engineering - Life cycle processes - Requirements engineering

* Stefan Lange ist Teamleiter Systems Engineering im HEITEC Geschäftsgebiet Elektronik und Dozent für Systems Engineering an der Hochschule Augsburg.

* Moises Lorenzo-Leon ist Systemingenieur im HEITEC Geschäftsgebiet Elektronik und Certified Professional für Requirements Engineering.

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