Klassisch, agil, und dann? – Teil 1

Klassische Ansätze im Requirements Engineering

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Diagrammtypen

Abb. 1: Dokumentationstechniken (Quelle:  Hruschka et al., 2009)
Abb. 1: Dokumentationstechniken
(Quelle: Hruschka et al., 2009)

In der Fachliteratur findet sich die Unterteilung in strukturierte, objektorientierte und ereignisorientierte Methoden bzw. Analysen. Man kann diese zusammengefasst als klassische Methoden bezeichnen. Die klassischen Methoden des Requirements Engineering werden hauptsächlich für die Ansammlung von abstraktem Wissen verwendet. Hierzu gehören beispielsweise Aktivitätsdiagramm, Datenflussdiagramm Entity-Relationship-Diagramm, Glossary, Kontextdiagramm, Klassendiagramm, Use-Case-Diagramm, Zustandsdiagramm. Abbildung 1 zeigt eine Übersicht. In den folgenden Kapiteln werden Methoden und Techniken beschrieben, die für das klassische Requirements Engineering die Qualitätskriterien erfüllen.

Aktivitätsdiagramm

Aktivitätsdiagramme sind Kontrollflussgraphen. Sie veranschaulichen den Ablauf von Aktionen und zeigen die Verzweigungspunkte eines Systems. Das modellierte System zeigt eine bestimmte Sicht auf die dynamischen Aspekte mit Hilfe verschiedener Modellelemente. Eine Auswahl wird in Abbildung 2 gezeigt (Bildergalerie). Die Abläufe werden meist in einem Anwendungsfall beschrieben und eignen sich zur Modellierung aller Aktivitäten innerhalb eines Systems.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 13 Bildern

Ein anschauliches Beispiel zeigt Abbildung 3 (Bildergalerie). Hier ist der Anwendungsfall einer Informationsauskunft dargestellt. Beginnend mit dem Startknoten folgt die Aktion „Anfrage“, der darauffolgende Entscheidungsknoten leitet die Information an die jeweilige zutreffende Aktion „Auskunft“ oder „Absage“ weiter. Die enthaltenen oder nicht enthaltenen Informationen werden der Nebenläufigkeit, hier join, übergeben. Danach ist der Endknoten erreicht.

Kontextdiagramm

Das Kontextdiagramm ist ein abstraktes Datenflussdiagramm und gehört zur Gruppe der Strukturdiagramme. Bei einem Kontextdiagramm ist die oberste Ebene ein Datenflussdiagramm, diese wird verwendet um das Umfeld eines Systems bzw. Projektes abzugrenzen und die darunter liegenden Strukturen werden als Black-Box behandelt.

In der Mitte in einem Kreis wird der Prozessname abgebildet und mit einer 0 dargestellt (vlg. Abbildung 4, Bildergalerie). Zusätzliche Eigenschaften sind Terminatoren, Austauschdaten und Datenspeicher. Das ganze wird durch Datenflüsse dargestellt.

Datenflussdiagramme

Zweck eines Datenflussdiagrammes ist die Abbildung der als Prozesse aufgefassten Komponenten eines Systems mit den Datenbeziehungen, die zwischen den Prozessen bestehen. Bei der Systemabbildung wird primär die Sicht auf die Daten und nicht auf die der Prozesse von Interesse sein . Die Schnittstellen zwischen den Komponenten sind die als Datenflüsse bezeichneten Datenbeziehungen.

Die grundsätzliche Verwendung von Datenflussdiagrammen ist die Erfassung und Analyse des Ist-Zustands. Dabei kann zwischen logischen und physischen Datenflussdiagrammen unterschieden werden.

Aus diesem Grund kann man folgende Anwendungsgebiete näher präzisieren:

  • Ist-Zustandserfassung: Physisches Modell des Ist-Zustands.
  • Ist-Zustandsanalyse: Analyse des Ist-Zustands und Dokumentation in einem Datenflussdiagramm.
  • Systementwurf: Logisches Modell des Soll-Zustandes.
  • Implementierung: Logische Modelle des Soll-Zustandes werden durch Eigenschaften des physischen Datenflussdiagrammes ergänzt.

Datenflussdiagramme werden häufig zur Modellierung verwendet, wenn für das betrachtete System das funktionale Verhalten im Vordergrund steht und die Daten im Hintergrund. Winkelhofer (2005) hat fünf Regeln für das Datenflussdiagramm aufgelistet:

  • Das Kontextdiagramm ist der oberste Prozess im Datenflussdiagramm.
  • Nach dem obersten Prozess (Kontextdiagramm) sollte ein Datenflussdiagramm folgen, mit globalen Funktionen.
  • Ein Datenflussdiagramm soll nie mehr als sieben Funktionen aufzeigen, da es für die oder den Anwender zu unübersichtlich wird.
  • Eine Prozessverfeinerung der Diagramme sollte vermieden werden wenn die Prozessspezifikation mit Darstellung der Funktionen ca. ein bis zwei Seiten hat.
  • Ein Datenflussdiagramm soll hierarchisch ausgeglichen sein.
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Darstellungsform der Datenflussdiagramme

Die wichtigsten Modellelemente (Abbildung 5, Bildergalerie) und Notation beschreibt Pohl und Rupp (2011) wie folgt:

  • Kreis: Zur Darstellung von Prozessen. Ein Prozess nimmt die Eingabedaten auf, verarbeitet diese Daten und gibt das Ergebnis in einer Form der Ausgabedaten weiter.
  • Parallele Linien: Zur Darstellung von Datenspeicher (abstrakte Konzepte). Prozesse können lesend oder schreibend auf den Datenspeicher zugreifen.
  • Rechteck: Zur Darstellung von Datenquellen (Terminator), es werden Objekte beschrieben. Sie werden auch als Quelle oder Senke bezeichnet.
  • Pfeil: Zur Darstellung der wesentlichen Datenflüsse.

Abbildung 6 (Bildergalerie) zeigt den Aufbau eines einfachen Datenflussdiagramms mit den vorgestellten Elementen. Die Darstellung kann wie folgt gelesen werden. Die Datenquelle stellt den Prozess 1, der einen Zugriff auf den Datenspeicher über Datenfluss 2 hat, mit den Datenfluss 1 zur Verfügung. Ergebnis der Verarbeitung im Prozess 1 ist Datenfluss 3, dieser wird von Prozess 2 verwendet und zu Datenfluss 4 verarbeitet, das in die Datensenke eingeht.

Werden die Modellierungen bei mittleren oder großen Systemen angewendet, kann dies zu unübersichtlichen Abbildungsgrößen fuhren. Deshalb wird eine geeignete Zerlegung von Datenflussdiagrammen vorgenommen. Durch die Zerlegung entsteht eine Hierarchie von Datenflussdiagrammen auf mehreren Abstraktionsebenen. Die oberste Ebene wird als Kontextdiagramm bezeichnet und die unterste Ebene, die nicht mehr sinnvoll zerlegt werden kann, als Grundfunktion. (Winkelhofer, 2005)

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