Klassisch, agil, und dann? – Teil 1

Klassische Ansätze im Requirements Engineering

< zurück

Seite: 2/6

Anbieter zum Thema

Anforderungen ermitteln

Die Ermittlung von Anforderung ist die Grundlage für das gesamte Requirements Engineering. Es handelt sich um den Versuch, ein nahezu vollständiges und fehlerfreies Verständnis für das System und dessen Kontext zu erhalten. Dazu werden meist Stakeholder, Dokumente und bereits in Betrieb stehende Vorgängersysteme oder Konkurrenzsysteme hinzugezogen.

Sehr beliebte und häufig verwendete Mittel sind Befragungstechniken oder Beobachtungstechniken, die bei Stakeholdern angewendet werden, da diese Missverständnisse vermeiden. Ergänzende Techniken wie z.B. Mindmapping oder Use-Case-Modellierung versuchen die Schwächen der Ermittlungstechnik auszugleichen. Die Wahl der richtigen Ermittlungstechnik trifft der Requirements Engineer aufgrund seiner Erfahrung und fachlichen Kompetenz.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 13 Bildern

Anforderungen werden für gewöhnlich zu Beginn eines Projekts, sowie vor dem Entwurf oder der Implementierung ermittelt. Aus diesem Grund ist die Ermittlung der Anforderungen ein besonders erfolgskritischer Faktor. Werden in diesem Stadium Fehler begangen, so kann der Aufwand zur Korrektur in einer späteren Projektphase bis zu 100 mal höher sein. Gerade wegen dieser großen Verantwortung bleibt das Requirements Engineering zusammen mit der Ermittlung von Anforderungen eine für den Projekterfolg unverzichtbare Tätigkeit.

Dokumentation von Anforderungen

Die primäre Aufgabe einer Dokumentation ist es, die Anforderung eines zu entwerfenden Systems geeignet zu dokumentieren. Ziel ist eine systematisch organisierte Kommunikation zwischen den Stakeholdern. Das erstellte Anforderungsdokument, das auch Anforderungsdefinition, Anforderungsspezifikation, Pflichtenheft, Produktdefinition oder Requirement-Katalog genannt wird, dient für gewöhnlich als rechtliche Grundlage zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer.

Aber auch die Schnittstelle zwischen Anforderungsingenieuren und Entwicklern wird so eindeutig und konsistent definiert. Zudem dient die Dokumentation besonders bei komplexen Systemen dazu, die Übersicht zu behalten. Durch die gängige elektronische Form der Dokumentation ist ein weiterer Nutzen gegeben: die Zugänglichkeit und die Verfolgbarkeit von Änderungen. Die Dokumentation enthält u.a. Protokolle, z.B. von Interviews, oder auch Modelle des Softwaresystems.

Generell ist die Gesamtdokumentation als eine Ansammlung von Wissen anzusehen, die neuen Mitarbeitern beim Einstieg in das Projekt hilft und auch für Folgeprojekte wichtige Erfahrungswerte liefern kann. Für die Strukturierung von Dokumenten werden Richtlinien angewendet, um Inkonsistenzen vorzubeugen und eine gewisse Einheitlichkeit zu erreichen.

Die Dokumentation sollte darüber hinaus mit der später folgenden Implementierung konsistent sein. Sie findet ferner als Grundlage in der Testphase Verwendung.

Es ist sehr wichtig, die zahlreichen Anforderungen übersichtlich zu strukturieren und auch für andere Personen verständlich darzustellen. Bewährt haben sich angepasste Dokumentenvorlagen und Anforderungen in natürlicher Sprache in Kombination mit konzeptuellen Anforderungsmodellen, z.B. Glossare.

Prüfen und Abstimmen von Anforderungen

Die Verwaltung von Anforderungen ist eine während des gesamten Projekts laufende Aktivität. Ihr Gegenstand ist die zweckmäßige Attributierung von Anforderungen, Definition von Sichten auf die Anforderungen, die Priorisierung, die Verfolgbarkeit, die Versionierung sowie Änderung von Anforderungen.

Änderungen entstehen während des gesamten Entwicklungs- und Lebenszyklus eines Systems und sind ein Indikator dafür, dass sich die Stakeholder mit dem System auseinandersetzen und dazulernen. Um die Anforderungen und Techniken optimal zu nutzen, verwendet man heute moderne Werkzeuge. Sie sind eine wesentliche Hilfe bei der Ausführung dieser Tätigkeiten, da sie Benutzern Arbeit abnehmen und automatisch für viele der gewünschten Effekte sorgen.

Glossare

In einem Glossar sind alle relevanten und erklärungsbedürftigen Begriffe des Anwendungsbereichs definierten. Damit wird eine begriffliche Grundlage geschaffen die sicherstellt, dass alle das Gleiche meinen wenn sie vom Gleichen reden. Ein solches Glossar ist insbesondere dann wichtig, wenn Kundenvertreter oder Personen die im Entwicklungsprozess untereinander keine klare und einheitliche Begriffswelt haben, miteinander kommunizieren.

Begriffsdefinitionen in einem Glossar umfassen:

  • Abkürzungen und Akronyme
  • Beispiele und Gegenbeispiele
  • Verwandte Begriffe/Synonyme
  • Trennung Kurz- und Langbeschreibung
  • Übersetzung in ein oder mehrere Sprachen, wenn die Projektsprache oder die Benutzungsoberfläche mehrsprachig sind.

Ein mögliches Vorgehen ist, aus allen verfügbaren Quellen die zu definierenden Begriffe zu sammeln. Danach werden die Definition erklärt, die den Begriff im Zusammenhang mit der Anwendung beschreiben. Bei Unklarheiten sollte Rücksprache mit den beteiligten Personen gehalten werden, das Ergebnis wird dann mit den Stakeholdern abgestimmt. Die Anforderungen sind definiert und verbindlich zu den verwendenden Begriffen, das heißt ein Glossar ist verpflichtend.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Weitere wichtige Regeln eines Glossars finden sich unter (Rupp 2011):

  • Ein Glossar kann in einer beliebigen Notation erstellt werden, Ziel ist Klarheit und Verstehbarkeit.
  • Projektbeteiligte müssen Zugang zum Glossar haben.
  • Eine Person muss sich für das Glossar verantwortlich fühlen.
  • Ein Glossar muss konsistent sein.
  • Ein Glossar ist projektbegleitend.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:42691850)