Ein Blogpost von Anthropic hat die IBM-Aktie innerhalb eines Tages um 13% abstürzen lassen: Der LLM-Entwickler hat angekündigt, dass das Sprachmodell Claude Code nun auch COBOL-Code automatisch modernisieren kann – und so kosten- und zeitaufwändige Berater hinfällig mache.
Eine Karte mit Programmcode, wie sie in Unterrichtseinheiten für COBOL-Programmierung auf einem IBM System/360 Mainframe eingesetzt wurde. Die über 65 Jahre alte Programmiersprache COBOL ist vor allem bei Legacy-Anwendungen im Bank- und Versicherungswesen noch fest verankert, und deren Modernisierung aufwändig und teuer. Laut Anthropic lässt sich dieser Aufwand nun mit dem KI-Tool Claude Code leicht automatisieren.
Die Ankündigung von Anthropic, dass das Tool „Claude Code“ bei der Modernisierung von COBOL-Systemen unterstützen kann, hat für spürbare Unruhe gesorgt. Die Aktie von IBM verlor an einem Tag rund 13 Prozent – der stärkste Einbruch seit mehr als 25 Jahren, als der Kurs im Zuge der platzenden Dotcom-Blase abgerutscht war.
Im Kern geht es um ein klassisches Thema: Legacy-Modernisierung. COBOL läuft bis heute auf vielen Mainframes, besonders in Banken, Versicherungen, im Handel und in staatlichen Einrichtungen. Ein erheblicher Teil dieser Systeme basiert auf IBM-Infrastruktur.
Warum COBOL weiter geschäftskritisch ist
COBOL wurde Ende der 1950er-Jahre entwickelt und ist bis heute tief in transaktionalen Kernsystemen verankert. Laut Anthropic werden in den USA etwa 95 Prozent der Transaktionen von Geldautomaten über COBOL abgewickelt. Das unterstreicht, wie zentral die Sprache trotz ihres Alters geblieben ist.
Mainframes werden weiterhin dort eingesetzt, wo es auf Stabilität, Durchsatz und Sicherheit ankommt. Für viele Organisationen ist nicht die Modernität der Sprache entscheidend, sondern die Verlässlichkeit der Plattform.
Gleichzeitig gilt: Die Zahl der Entwicklerinnen und Entwickler mit fundiertem COBOL-Wissen sinkt. Dokumentation ist oft lückenhaft, Geschäftslogik über Jahrzehnte gewachsen. Das macht Veränderungen riskant und teuer.
Was Claude Code konkret adressiert
Anthropic positioniert Claude Code als Werkzeug, das vor allem die aufwendige Analyse- und Explorationsphase automatisiert. Also genau jene Phase, in der bislang große Teams monatelang Abhängigkeiten kartieren, Workflows nachvollziehen und Risiken identifizieren mussten.
Die Aussage ist klar: Was früher „Heerscharen von Beratern“ und Jahre an Vorarbeit erforderte, argumentiert Anthropic, könne mit KI deutlich schneller erfolgen. Die Modernisierung einer COBOL-Codebasis sei damit automatisiert möglich. Was vorher Jahre in Anspruch genommen hätte, könne nun innerhalb weniger Quartale erfolgen.
Technisch geht es dabei weniger um reine Code-Übersetzung, sondern um das systematische Durchdringen komplexer, über Jahrzehnte gewachsener Strukturen. Abhängigkeiten über tausende Zeilen hinweg, implizite Kopplungen und schwer nachvollziehbare Logik sind der eigentliche Kostentreiber.
Dass genau dieser Bereich automatisierbar sein könnte, erklärt die Marktreaktion. Ein relevanter Teil von IBMs Geschäft hängt am Mainframe-Umfeld – auch wenn das Unternehmen betont, dass der Plattformwert nicht an COBOL als Sprache gebunden ist.
Bedrohung fürs Alte – oder überfällige neue Option?
IBM verweist darauf, dass moderne Anwendungen auf dem Mainframe auch in anderen Sprachen wie Java laufen können. Zudem hat das Unternehmen bereits vor einiger Zeit eigene KI-gestützte Werkzeuge zur COBOL-Analyse und -Modernisierung vorgestellt, die laut Unternehmensangaben breite Nutzung gefunden haben.
Ein Analyst brachte es gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg folgendermaßen auf den Punkt: Kunden hätten schon länger die Option zur Migration, nutzen sie aber oft nicht. Gründe sind selten rein technisch. Es geht um regulatorische Anforderungen, Stabilitätsversprechen, eingespielte Prozesse und kalkulierbares Risiko.
Auch der breitere Markt reagiert sensibel auf neue KI-Funktionalitäten. In den vergangenen Wochen gerieten verschiedene Software- und Cybersecurity-Aktien unter Druck, nachdem neue KI-Features vorgestellt wurden. Das Umfeld ist geprägt von der Sorge, dass Automatisierung klassische Softwaremodelle unter Druck setzt. Das wirkt sich auch aufs Börsenumfeld aus: Tatsächlich Ist IBMs Kurs im Verlauf des Februars nun um 27% eingeknickt – der kritischste Kurseinbruch binnen einen Monats seit 1968!
Für Entwicklungsteams ist entscheidend, zwischen Marktstimmung und technischer Realität zu unterscheiden. Ein Tool, das Analyse beschleunigt, ersetzt keine Architekturentscheidung. Es ändert aber möglicherweise die Wirtschaftlichkeit bestimmter Optionen.
Wer große COBOL-Landschaften betreibt, steht weiterhin vor denselben Fragen: Welche Teile sind geschäftskritisch? Wo bestehen enge Kopplungen? Welche Risiken sind akzeptabel? KI kann helfen, Transparenz zu schaffen. Die Verantwortung für Priorisierung und Umsetzung muss aber weiterhin beim Team verbleiben.
Stand: 08.12.2025
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Am Ende geht es weniger um die Frage, ob COBOL „abgelöst“ wird. Relevanter ist, ob sich die Kosten- und Zeitstruktur von Modernisierungsprojekten messbar verschiebt. Erst wenn sich das in realen Projekten bestätigt, wird aus einer Ankündigung eine strukturelle Veränderung.(sg)