Eine (Software) für alle (Controller)

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In Punkto Security und Informationssicherheit kann das Unternehmen seine Expertise aus dem Bankkartengeschäft nutzen, in dem hohe Sicherheitsstandards gelten. Nach Angaben von NXP verfügen die MCUs der S32-Plattform über zahlreiche Sicherheitsfunktionen und sind beispielsweise gegen „Side-Channel-Attacken“ geschützt.

NXP sieht seine S32-Plattform für prakisch alle Funktionsbereichen eines Automobils gerüstet.
NXP sieht seine S32-Plattform für prakisch alle Funktionsbereichen eines Automobils gerüstet.
(Bild: NXP)

OTA: Updates per Funk für alle Komponenten

Auch wenn bisher außer Tesla kein anderer Hersteller die Möglichkeit nutzt, Software-Aktualisierungen per Funk zu übertragenen – man muss kein Prophet sein, um dieser Technik eine verbreitete Nutzung in naher Zukunft vorauszusagen. Fahrzeuge enthalten immer mehr Software. Und kein Fahrer möchte wegen nötiger Updates immer öfter eine Werkstatt aufsuchen müssen.

Spätestens mit der zunehmenden Vernetzung der Autos erhalten OTA-Updates mehr Gewicht. Mit der S32-Plattform hätte NXP also ein weiteres heißes Eisen im Feuer. Sofern alle zugehörigen Komponenten mit der nötigen Schnittstelle beziehungsweise Funktionalität ausgestattet sind. Laut Johnson soll ein Update langsam im Hintergrund ablaufen können, während der Controller weitere Aufgaben ausführt. Alternativ könnte es auch priorisiert und dementsprechend schnell mit einem Schwung erfolgen.

Viele Versprechen – kann NXP sie halten?

NXP gibt an, dass die aufgezählten Funktionen sowohl für die verschiedenen Produkte der S32-Plattform verfügbar sein werden, als auch für mehrere Prozesstechnologien von 42 nm bis 7 nm.

Mit dem auf das S32-System abgestimmten Software-Entwicklungs-Kit (SDK) sollen sich übergreifend alle Komponenten programmieren lassen. Dies würde tatsächlich helfen, die Entwicklung zu vereinfachen, Duplikate und Mehrfachprogrammierung funktionsgleicher Module zu vermeiden.

Branchenkenner wie Luca De Ambroggi, Senior Principal Analyst for Automotive Electronic bei Marktforscher IHS Markit, sind überzeugt, dass ein solcher Plattformansatz auch für andere Chiplieferanten wie Texas Instruments und Renesas sinnvoll sein kann. Bislang stelle NXP allerdings die Ausnahme dar.

Nun liegt es an NXP, seine Versprechen auch einzulösen. Kein leichtes Unterfangen. Cross-Plattform-Kompatibilität von Software-Code sicherzustellen, ist schwierig. Bereits die verschiedenen für S32 vorgesehenen ARM-CPUs besitzen unterschiedliche Architekturen, die unterschiedlich programmiert werden. Dazu zählen der Low-Power-Prozessor Cortex-M, der für Echtzeitanwendungen optimierte Cortex-R und der rechenstarke Cortex-A.

Und für zukünftige Anwendungen wie autonomes Fahren und künstliche Intelligenz wird deren Rechenleistung möglicherweise nicht ausreichen. Autohersteller müssen dann auf spezialisierte Architekturen zurückgreifen. Das Debuggen der dafür programmierten Software erfordert spezialisierte Tools – jedenfalls bis heute.

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