„Open Source Monitor 2021“ Drei Viertel verzichten bei Open Source auf eine Strategie

Von Elke Witmer-Goßner

Der Bitkom hat den aktuellen Bericht zur Open-Source-Nutzung in Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung veröffentlicht. Zwei von drei Unternehmen stehen Open Source demnach aufgeschlossen gegenüber, jede vierte Verwaltung betrachtet das Thema kritisch.

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Für viele Unternehmen und Organisation gehören Einsatz und Nutzung von Open Source inzwischen zum täglichen Geschäft.
Für viele Unternehmen und Organisation gehören Einsatz und Nutzung von Open Source inzwischen zum täglichen Geschäft.
(Bild: gemeinfrei © kaboompics / Pixabay )

Die Lizenz von Open-Source-Software erlaubt es, Programme frei auszuführen, den Quellcode zu analysieren und anzupassen sowie die Software auch in modifizierten Varianten weiterzugeben. Eine Voraussetzung dafür ist, dass der Quellcode der Software offen zugänglich ist. Laut „Open Source Monitor 2021“ des Branchenverbands Bitkom haben 71 Prozent der Unternehmen Open-Source-Software im Einsatz.

Und auch die Politik hat zunehmend die Bedeutung quelloffener Software entdeckt: Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung wird Open Source ausdrücklich als Baustein für Digitale Souveränität erkannt und benannt. Allerdings, so Dr. Frank Termer, Bereichsleiter Software beim Bitkom, „fehlt auf Bundesebene – wie auch in der Mehrheit der Unternehmen – eine strategische Herangehensweise an das Thema Open Source.“

Denn obwohl laut Studie eine große Mehrheit der Unternehmen in Deutschland (67 Prozent) Open-Source-Software aufgeschlossen gegenüberstehe, packe doch nur eine Minderheit (25 Prozent) das Thema strategisch an. Vor allem kleinere Unternehmen mit 20 bis 99 Beschäftigten hätten nur selten (24 Prozent) eine Open-Source-Strategie, bei Unternehmen mit 2.000 oder mehr Beschäftigten sei es dagegen jedes Zweite (50 Prozent).

Der Bitkom empfiehlt deshalb die Schaffung eines Nationalen Open Source Program Office, die Berücksichtigung von Open Source bei der Schaffung von Digitalisierungs-Kompetenzzentren und die Verankerung des Themenfeldes Open Source im Bildungsbereich.

Open Source in der öffentlichen Verwaltung

Erstmals wurden im „Open Source Monitor 2021“ auch Organisationen der öffentlichen Verwaltung befragt. Dabei zeigt sich verglichen mit der Wirtschaft eine deutlich größere Skepsis. So gibt zwar ein Drittel (32 Prozent) an, Open-Source-Software offen gegenüberzustehen (Unternehmen: 67 Prozent), aber ein Viertel (23 Prozent) sieht den Einsatz kritisch oder lehnen ihn sogar ab (Unternehmen: 7 Prozent). Verglichen mit der Wirtschaft liegt der aktuelle Einsatz auf einem leicht niedrigeren Niveau: In der öffentlichen Verwaltung nutzen 64 Prozent Open-Source-Software, bei den Unternehmen sind es sieben Prozentpunkte mehr.

Weitere Ergebnisse:

  • Unter kleinen Unternehmen mit 20 bis 99 Beschäftigten setzen 7 von 10 (70 Prozent) Open-Source-Software ein, bei großen ab 2.000 Beschäftigten beträgt der Anteil 87 Prozent.
  • 82 Prozent der Unternehmen sehen Vorteile beim Einsatz von Open-Source-Software. Als wichtigster Vorzug gilt dabei die Kosteneinsparung (24 Prozent). Dahinter folgen der Zugriff auf den Quellcode (14 Prozent) und eine einfachere Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln (8 Prozent) sowie hohe Sicherheit durch zeitnahe Updates (7 Prozent).
  • Etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen (55 Prozent) greift nicht nur auf Open Source zurück, sondern unterstützt auch die Open-Source-Community. So kauft jedes Dritte (36 Prozent) Support-Leistungen oder spezielle Enterprise-Lösungen. In jedem Fünften (21 Prozent) beteiligen sich Beschäftigte oder Teams aktiv an Open-Source-Projekten.
  • Im Vergleich der Branchen Automobilindustrie, Handel, Banken & Versicherungen, Verkehr & Logistik sowie IT & Telekommunikation zeigt sich, dass Banken und Versicherungen sowie die Automobilindustrie besonders aufgeschlossen für Open-Source-Software sind und insbesondere Banken und Versicherungen das Thema strategisch angehen.

Methodik
Für den „Open Source Monitor 2021“ hat Bitkom Research 1.152 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland befragt. Die Umfrage erfolgte im Rahmen des Projektes „Open Source Monitor 2021“, das von bitsea, Daimler, DB Systel, Professur für Open-Source-Software der Universität Erlangen-Nürnberg, Fraunhofer-Gesellschaft, KPMG, {metæffekt}, Microsoft, Nordemann, Osborne Clarke, publicplan, PwC, Red Hat, SAP und Suse unterstützt wird.

Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal Cloudcomputing-Insider.de.

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