Zum 11. Mal hat IEEE Spectrum sein jährliches Ranking der wichtigsten Programmiersprachen erhoben. Während Python unangefochten das Maß aller Dinge ist, klafft die Schere bei Desktop- und Embedded-Anwendungen weit auseinander. Zuverlässige Sprachen mit Mechanismen zur Fehlervermeidung sind gefragt wie nie.
Welche Programmiersprachen sind 2024 am weitesten verbreitet, welche sind auf dem Arbeitsmarkt besonders gefragt – und welche liegen aktuell "im Trend"? IEEE Spectrum hat für das Jahr 2024 die wichtigsten Programmier- und domänenspezifischen Auszeichnungssprachen erhoben.
(Bild: Pixabay)
Anders als in früheren Ausgaben seines Rankings veröffentlicht IEEE Spectrum seit 2022 leider keine separaten Listen mehr für die Anwendungsfelder Mobile, Desktop/Enterprise oder Embedded. Laut IEEE wurde diese Änderung unter anderem vorgenommen, weil es immer schwieriger wurde, eine exakte Trenngrenze zwischen den drei Bereichen zu definieren. So ist zwar die - vor allem auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragte - Datenbanksprache SQL fast völlig auf den Desktop/Enterprise-Bereich ausgerichtet, doch sind mittlerweile auch typische Single-Board-Computer oder Embedded-SoCs in der Lage, SQL-Datenbanken auch ohne eine Back-End-Netzwerkanbindung lokal zu hosten und auszuführen.
Statt dessen fokussiert sich die Liste nun auf drei konkrete Bereiche: Die "allgemeine Beliebtheit", die sich in der Zahl an aktiven Anwendungen und Code-Repositorien widerspiegelt; die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt, festgehalten anhand von Stellenausschreibungen und -gesuchen; und die "im Trend" Kategorie, die wiedergeben soll, wie sehr die Sprache dem aktuellen Zeitgeist und aktuell gefragten Paradigmen entspricht. Dies soll laut IEE Spectrum einen umfassenderen Überblick über die Programmierungslandschaft vermitteln, um einfacher zu überblicken, welche Sprachen in diesen Kontexten am wichtigsten sind.Dabei wird in erster Linie auf die Verbreitung geachtet, weniger auf die "Wichtigkeit" des Anwendungsfeldes, egal ob es sich (Zitat) "um ein Kind handelt, dass ein Java-Skript für seinen Minecraft-Server schreibt, einen Mobile-App-Entwickler der auf den großen viralen Hit hofft, oder einen Raumfahrt-Ingenieur, der missionskritische n Code für eine Reise zum Mars schreibt".
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Um das Rating zu ermitteln, werden 11 Metriken aus 8 verschiedenen Quellen herangezogen, die von Entwicklern häufig zum Austausch und Teilen von Code-Repositorien herangezogen werden. Bei den Quellen handelt es sich um Google, Stack Overflow, die IEEE Xplore Digital Library, GitHub, Trinity College of Dublin library (als Sammelbecken für alle in Irland und dem Vereinigten Königreich in Buchform publizierten Code- und Programmiertexten) die Karriereportale IEEE Jobs Site und CareerBuilder, sowie das Social-Media- und Foren-Portal Discord, das zu diesem Zweck gegenüber früher eingesetzten Portalen wie X/Twitter oder Reddit wesentlich bedeutender unter Programmierern geworden ist.
Auf diesem Weg urden insgesamt 63 für das Jahr 2024 relevante Programmiersprachen erfasst, die in einem gewichteten Ranking zwischen 1 und 0 (früher 100 und 0) aufgelistet werden: Während die verbreitetste und am häufigsten nachgefragte Programmiersprache den Wert 1 erhält, werden alle anderen Programmiersprachen und deren Gewichtung im Verhältnis dazu bewertet.
"Wenn Studenten nur eine Sprache in der Schule lernen, ist das Python"
Seit Jahren unangefochten an der Spitze des Programmiersprachen-Rankings sitzt Python. Die Programmiersprache lässt sich leicht in andere Sprachen wie C und seine Derivate einbetten und ist auch in Form schlanker, ressourcensparender Skripte leicht und schnell einsetzbar - sogar in trendenden Bereichen und modernen Anwendungsfeldern wie künstliche Intelligenz. Zu nahezu jedem denkbaren Anwendungsfeld finden sich ein einschlägigen Datenbanken Python-Bibliotheken, meist in deutlich umfangreicheren Maße als für andere gängigen Programmiersprachen.
Dies macht Python auch im pädagogischen Umfeld beliebt, was, gepaart mit seiner leichten Erlernbarkeit, zur Popularität und der weiteren Verbreitung der Sprache beiträgt. "Wenn die meisten Schüler heute eine Programmiersprache in der Schule lernen, dann ist es Python", resümiert IEEE Spectrum.
SELECT 1 from TABLE (programming languages) + SQL
Auch auf dem Arbeitsmarkt ist Python sehr gefragt, belegt allerdings in diesem Ranking knapp hinter einer anderen Sprache nur den zweiten Rang: Hier liegt die Datenbanksprache SQL zum dritten Mal in Folge auf Platz 1. Allerdings wird von Arbeitnehmern in der Regel nicht alleine nach Fachwissen zu SQL gefragt, wie es bei anderen Programmiersprachen der Fall ist: Die meisten Stellenausschreibungen suchen nach Expertise in SQL und einer zusätzlichen Sprache, wie Python, C oder Java.
Die Beliebtheit von SQL bei Arbeitgebern lässt sich auf die aktuellen, auf dem Arbeitsmarkt wichtigen Schwerpunkte auf vernetzte und Cloud-basierte Systemarchitekturen zurückführen. Dort werden Datenbanken zum natürlichen Repository für alle Bytes, die die Logik eines Programms benötigt. SQL hat sich dort als Sprache der Wahl durchgesetzt und kann, häufig in Form von containerisierten Anwendungen, auch häufig innerhalb von Embedded Systemen zur Anwendung kommen.
Java und die Skriptsprache Javascript haben seit jeher eine Starke Stellen in Desktop- bzw Webanwendungen und halten sich aufgrund ihrer Dominanz in diesen Feldern auch weiterhin stark. Das auch im Embedded-Umfeld stark eingesetzte C++ nimmt ebenfalls weiterhin eine starke Position unter den gefragtesten Programmiersprachen ein, sowohl was generelle Verbreitung, aktuelle Trends und Suchindex auf dem Arbeitsmarkt betrifft.
Stand: 08.12.2025
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Verlässlichkeit und Fehlervermeidung
Einen überraschend starken Anstieg gegenüber Vorjahren kann TypeScript verbuchen, dass vor allem bei Arbeitsmarktgesuchen stark zugenommen hat und sich nun im IEEE Gesamtrating bereits auf Platz 4 wiederfindet. Die von Microsoft entwickelte Skriptsprache basiert - ähnlich wie JavaScript - auf den Vorschlägen zum ECMAScript-&-Standard, ergänzt diese aber um statische Typisierung und einige Sprachkonstrukte. Da TypeScript eine echte Obermenge (strict superset) von JavaScript ist, kann jeder JavaScript-Code auch als gültiger TypeScript-Code, verwendet werden, dass eine schelle Integration von gängigen JavaScript-Bibliotheken (wie z. B. jQuery) ermöglicht. So können JavaScript-Anwendungen schnell übernommen, aber auch erweitert werden, ohne die Codebasis essentiell zu verändern.
Das Hauptunterscheidungsmerkmal von TypeScript gegenüber Javascript besteht darin, dass es die statische Typisierung von Variablen erzwingt, bei der der Typ einer Variablen - Ganzzahl, Fließkomma, Text usw. - deklariert werden muss, bevor sie verwendet werden kann. Dies ermöglicht eine bessere Fehlerprüfung, wenn TypeScript-Programme in Javascript kompiliert werden. Auch gelten daraus resultierende Programme als zuverlässiger im Vergleich zu JavaSkript-basierenden Anwendungen. Da TypeScript primär von Microsoft entwickelt wurde, ist es auch wenig verwunderlich, dass diese Spraxche bei Stellenausschreibungen häufig in Kontext mit anderen MS-Produkten wie z.B. Azure Cloud gesucht wird.
Ein weiterer Aufsteiger im IEEE Spectrum Ranking ist Rust, eine Sprache zur Erstellung von Systemsoftware. Die Von der Mozilla Foundation ins Leben gerufene, Open Source basierte Sprache ist von seinem paradigmatischen Ansatz her ähnlich wie C oder C++. Aber im Gegensatz zu diesen beiden Sprachen ist Rust „speichersicher“: es verwendet eine Reihe von Techniken, um sicherzustellen, dass Programme nicht an Stellen im Speicher schreiben können, die sie nicht sollen. Solche Fehler, die gerade in C-Code bei ungeübten Programmierern (oder nachträglich aktualisiertem "Legacy-Code") schnell auftreten können, sind eine der Hauptquellen für Sicherheitslücken.
Während sich C++ weiterhin stark hält, scheint in diesem Zusammenhang die Popularität des "klassischen" C in der Tat zu schwinden: Im Spectrum-Ranking ist die Sprache, die einst als "Programmiersprache Nummer 1" an Universitäten und in Embedded-Anwendungen galt, vierten auf den neunten Platz und im Jobs-Ranking vom siebten auf den 13 abgerutscht. C# , dass im aufkommenden Mobile-Zeitalter eine Zeitlang als präferierte Sprache für Smartphone- und Tablet-Anwendungen galt, hält sich in diesem Bereich weiterhin stabil, wird fällt aber zunehmend hinter der (ebenfalls quelloffenen) von Google geförderten Programmiersprache Go zurück.
Ebenfalls massiv an Popularität eingebüßt hat die Programmiersprache Ada, die mittlerweile im IEEE Spectrum Ranking bei den Stellengesuchen das Schlusslicht unter den 63 erfassten Programmiersprachen bildet - noch hinter spezialisierten KI-Anwendungssprachen wie Cuda (Nr, 48 im Jobs-Ranking), Hardware-Auszeichnungssprachen wie Verilog und VHDL (Nr. 43 und 41 repsektive), Urgesteinen wie Pascal (Nr. 44) oder Fortran (Nr. 46) oder der vergleichsweise unbekannten wissenschaftlichen Programmiersprache Julia (Nr. 51).
Neuzugänge und Abschiede
Zwei Sprachen finden sich erstmals in dem IEEE Ranking wieder, die allerdings beide für sehr spezialisierte Anwendungsfelder gedacht sind: Apex und Solidity. Apex wurde für die Erstellung von Geschäftsanwendungen entwickelt, die einen Salesforce-Server als Backend verwenden; hierauf lässt sich vor allem die gesteigerte Zahl an Stellenausschreibungen für diese Sprache zurückführen. Solidity ist eine höhere, anwendungsspezifische Programmiersprache für die Erstellung von Smart Contracts auf der Ethereum-Blockchain. Die Sprache wird meist in Kontext mit C++, Python oder JavaScript gesucht, von deren Paradigmen sie auch stark beeinflusst wurde.
Einige Sprachen haben sich 2024 auch vollständig aus dem IEEE Spectrum Index verabschiedet. Das bedeutet nicht, dass eine Sprache "tot" ist und keinerlei Verwendung mehr findet, sondern dass ihr "Popularitätsabdruck" so gering ist, dass aktuelle Beispiele und Anfragen für diese Sprache statistisch nicht mehr erfasst werden können und ihr Popularitätsindex demnach effektiv "0" ist.
Für 2024 aus dem Index verabschiedet hat sich demnach die Programmiersprache "Forth", die sich im Zeitalter der ersten programmierbaren Taschenrechner und 8-Bit-Heimcomputer als Gegenstück zu der Grundlagensprache BASIC etablieren wollte. Dagegen halten sich die Urgesteine Fortran und Cobol, weiterhin hartnäckig im IEEE Spectrum Ranking fest. Legacy-Anwendungen in der Forschung (Fortran) und dem Bankwesen (Cobol) sorgen dafür, dass diese mittlerweile mehr als 65 Jahre alten Programmiersprachen weiterhin gepflegt, unterrichtet - und auch auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt - werden.