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QNX-Chef John Wall „Das autonome Fahren braucht noch mindestens 25 Jahre“

| Redakteur: Franz Graser

Für John Wall, Chef des vor allem im Automobilbereich sehr aktiven Betriebssystemherstellers Blackberry QNX, wird noch geraume Zeit vergehen, bis sich das autonome Fahren auf ganzer Linie durchsetzt. Kurzfristig steht aus seiner Sicht die Konsolidierung der elektronischen Steuergeräte im Automobil im Vordergrund.

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Ein autonom fahrendes Audi-Testfahrzeug ist auf der A9 unterwegs. Bis zum komplett autonomen Fahren wird es jedoch noch mindestens 25 Jahre dauern, schätzt QNX-Chef John Wall.
Ein autonom fahrendes Audi-Testfahrzeug ist auf der A9 unterwegs. Bis zum komplett autonomen Fahren wird es jedoch noch mindestens 25 Jahre dauern, schätzt QNX-Chef John Wall.
(Bild: AUDI AG)

Blackberry QNX ist ja im Automobilbereich sehr aktiv. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Trends bei der Softwareentwicklung im Automotive-Segment?

Aus meiner Sicht sind die beiden Haupttrends das vernetzte Fahrzeug und das autonome Fahren. Darüber hinaus ändert sich die Elektronikarchitektur im Auto in der Zukunft fundamental: Oberklasse-Autos verfügen heute über mehr als 100 elektronische Steuergeräte. Ich sehe eine Zusammenfassung dieser heute noch verteilten Systeme in ein konsolidiertes Hochleistungs-Computersystem voraus. Dafür wird dann auch ein High-Level-64-Bit-Betriebssystem nötig sein.

Wann werden wir das komplett autonome Fahren erreicht haben?

Meiner Meinung nach, und ich stütze mich dabei auf Gespräche, die ich mit vielen Automobilherstellern und Zulieferern der ersten Stufe geführt habe, wird es noch mindestens 25 Jahre dauern, bis wir normale Autos auf den Straßen sehen werden, die autonom fahren. In der Zwischenzeit wird es immer weiter entwickelte Sicherheitsvorkehrungen im Auto geben, die das Fahren sicherer machen. Und es wird einen langsamen Fortschritt hin zu immer selbstständigeren Systemen geben – vom Level 1 über Level 2 bis schließlich zum Level 5.

Es wird sicher schon früher dazu kommen, dass beispielsweise Lastwagen auf bestimmten Straßenabschnitten autonom fahren können. Aber ich denke, es wird noch lange dauern, bis ein ganz normales Auto ohne Fahrer vor Ihrem Haus vorbeifährt und Sie mitnimmt. Das ist noch ein ganzes Stück entfernt.

John Wall, Chef des Betriebssystemherstellers QNX: Konsolidierung der Steuergeräte im Auto ist das Nahziel, autonomes Fahren das Fernziel.
John Wall, Chef des Betriebssystemherstellers QNX: Konsolidierung der Steuergeräte im Auto ist das Nahziel, autonomes Fahren das Fernziel.
(Bild: Blackberry QNX)

Muss sich die Art und Weise ändern, in der Software entwickelt wird, wenn wir für vernetzte und autonome Fahrzeuge entwickeln?

Wegen der vernetzten Fahrzeuge wird der Fokus in Zukunft mehr auf Security (Datensicherheit) gelegt werden müssen. Die Autohersteller waren bisher ja sehr gewissenhaft, wenn es um funktionale Sicherheit ging: Bremssteuerung, Motorsteuerung, und derlei Dinge, das wird von den Herstellern wirklich gut verstanden. Die Datensicherheit wird aber das dominierende Thema in der Zukunft sein.

Wird die Firmware-Architektur der Fahrzeuge in Zukunft stärker modular aufgebaut sein müssen?

Ja. Eine der schwierigsten Aufgaben für Autobauer ist heute die Verknüpfung der Teilsysteme, denn die stammen alle von verschiedenen Herstellern. Sie folgen auch unterschiedlichen Standards. Ich denke, die Autobauer suchen eine homogenere Plattform mit offenen Programmierschnittstellen, so dass Programmmodule geschrieben werden können, die die einzelnen Funktionen abdecken – nicht nur für das autonome Fahren, sondern für das Infotainment, den Instrumentencluster und derlei Dinge.

Wenn man eines Tages eine solche Plattform hat, wird es denn dann noch genügend Möglichkeiten für die Autobauer geben, um sich gegeneinander abzugrenzen?

Das glaube ich absolut. Denken Sie beispielsweise an einen Sportwagenhersteller. Der wird in der Lage sein, personalisierte Funktionen zur Verfügung zu stellen, die mit der Performance des Wagens zu tun haben. Das wird deren Geheimzutat sein, wenn Sie so wollen. Schauen Sie sich dagegen einen Hersteller von Geländewagen an, dann werden diese Funktionen stärker auf die Offroad-Fähigkeiten zielen. Und das wird auch so bleiben. Dadurch wird es den Autobauern schneller möglich sein, ihre DNA in das Fahrzeug einzubringen.

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