Cloud- und Virtualisierungsspezialist VMWare geht juristisch gegen den US-Zweig von Siemens vor. Das Unternehmen wirft dem amerikanischen Ableger des deutschen Konzerns vor, Software illegal bezogen und ohne Lizenz genutzt zu haben. Das durch Support-Anfragen aufgefallen, die Siemens selbst gestellt hatte.
VMWare wirft dem US-Zweig von Siemens vor, unrechtmäßig „Tausende“ Kopien seiner Software ohne Lizenz verwendet zu haben. Siemens hingegen beharrt darauf, im Rahmen bereits bestehender Lizenzvereinbarungen eine Verlängerung seines Software-Supports zu erhalten. Es ist nicht das erste Mal, dass seit der Übernahme durch Broadcom im Jahr 2022 Streit über das Lizenzgebahren von VMWare entbrennt...
VMware hat die US-Niederlassung von Siemens wegen der angeblichen Verwendung von nicht lizenzierter Software verklagt. Das meldet das Technik-Portal The Register und beruft sich dabei auf eine Klageschrift, die der Cloud- und Virtualisierungsspezialist am 21. März 2025 am Bezirksgericht von Delaware eingereicht hat. Darin wirft die Broadcom-Tochter dem amerikanischen Siemens-Zweig vor, unrechtmäßig mehr VMWare-Software verwendet zu haben, als das Unternehmen tatsächlich Lizenzen bezogen hat. Dieser Umstand sei aufgefallen, als Siemens versuchte, einen erweiterten Support für einige Produkte zu vereinbaren, für die aber VMWare keine abgeschlossenen Lizenzen verifizieren konnte.
Siemens USA soll „Tausende“ unlizenzierte Kopien verwendet haben
In der Klage behauptet VMware, dass es seit dem 28. November 2012 einen Master-Software-Lizenz- und Servicevertrag mit Siemens hat. Am 9. September 2024 habe dann Siemens VMware im September eine Bestellung für Wartungs- und Supportleistungen zukommen lassen. Demnach wollte das Unternehmen auf diesem Weg eine zuvor vereinbarte Option für eine einjährige Verlängerung der Support-Services ziehen.
Die Liste der VMware-Technologie, für die Siemens Unterstützung suchte, enthielt jedoch nach Angaben der Broadcom-Tochter „eine große Anzahl von Produkten, für die [VMware] keine Aufzeichnungen über den Erwerb einer Lizenz durch die Siemens AG hatte“, heißt es in der Klageschrift. „Im Zusammenhang mit dem Versuch, die Option ... auszuüben [...], hat die Siemens AG aufgedeckt, dass sie Tausende von Kopien von VMware-Produkten heruntergeladen, kopiert, verteilt und eingesetzt hat, für die sie nie eine Lizenz erworben hatte.“
VMWare habe Siemens über diesen Befund umgehend in Kenntnis gesetzt. Siemens hingegen soll im Gegenzug darauf beharrt haben, die Liste sei korrekt, und forderte eine vertragsgemäße Support-Leistung auf Basis der aufgeführten Software-Bestandsliste. Trotz der vermeintlichen Diskrepanz erklärte sich VMware schließlich zunächst „unter Protest“ bereit, Siemens die geforderten Supportleistungen zu erbringen, „um die Möglichkeit einer Unterbrechung des Geschäftsbetriebs von Siemens zu vermeiden“. Siemens USA soll zuvor bereits angedroht haben, die vertragsgemäße Unterstützung einzuklagen.
Siemens habe sich auch den Versuchen von VMware „widersetzt“, mit Hilfe eines Skripts auf seinen Systemen einen Audit durchführen zu lassen um herauszufinden, wie viel VMware-Software tatsächlich im Einsatz war, heißt es in der Klageschrift. VMware ist offenbar der Ansicht, dass die ursprüngliche Liste, die Siemens angeblich zur Verfügung gestellt hat, eine wahrheitsgetreue Einschätzung der VMware-Angebote war, die Siemens einsetzt. In der Klageschrift wird argumentiert, dass Siemens der Genauigkeit der Liste Priorität eingeräumt hätte, um Verletzungsklagen zu vermeiden und weil der Betrag, den VMware Siemens für den Support in Rechnung stellen würde, „auf der Grundlage der Anzahl der Produkte und Lizenzen, die für jedes Produkt auf der Liste eingesetzt werden“, steigen würde.
In der Beschwerde wird behauptet, Siemens habe „nie eine glaubwürdige Erklärung dafür geliefert, warum es die Liste vom 9. September vorgelegt und auf ihrer Richtigkeit bestanden hätte, wenn sie nicht seine tatsächliche Bereitstellung von VMware-Produkten widerspiegelt. VMware fordere nun ein Schwurgerichtsverfahren, Schadensersatz und „alle Gewinne, die den [Siemens] verletzenden Aktivitäten in Bezug auf die urheberrechtlich geschützten Softwareprodukte von VMware zuzuschreiben sind“.
Seit Broadcom-Übernahme immer wieder Ärger mit VMWare-Lizenzen
So hatte beispielsweise Broadcom für viele Kunden überraschend zahlreichen Kunden von VMWares Cloud-Lösungen alle Lizenzen gekündigt – und nach dem Stichtag am 1. April 2024 die betreffenden Preise um das bis zu Zwölffache erhöht. Im Oktober 2024 fing sich das Unternehmen hierüber eine Klage von AT&T ein. Ähnlich wie Siemens USA hatte auch der US-amerikanische Telekommunikationsanbieter im Rahmen seiner bestehenden Lizenzverträge eine Option für eine einjährige Verlängerung des Software-Supports ziehen wollen. Statt dessen hatte VMWare dies verweigert - und AT&T einen neuen Lizenzierungsplan unterbreitet, der den Preis um mehr als das Zehnfache erhöht hätte.
Stand: 08.12.2025
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Wie The Register ausführt hat Broadcom wenige Tage nach Einreichung der Klage auch angekündigt, die Art und Weise zu ändern, mit der Kunden VMWare-Software per Download beziehen können. Bislang war es in mehreren VMWare-Produkten üblich, dass diese auch die bestehenden URLs für Downloads enthalten. Offenbar war es Broadcom dadurch nicht möglich zu verifizieren, wie oft über diesen Link die Software pro Lizenz tatsächlich heruntergeladen und benutzt wurde. Das könnte zu der Diskrepanz geführt haben, die auf der von Siemens vorgelegten Software-Bestandsliste zu finden war. Ob dies allerdings letztlich ein Verfehlen seitens von Siemens USA oder von VMWare war, damit muss sich nun ein Geschworenengericht befassen.
Seit dem 24. April bietet VMware nur noch eine einzige Website für Produktdownloads. Kunden, die ein VMWare-Produkt erwerben wollen, bekommen fortan ein ein jeweiliges, einzigartiges „Download-Token“ zugewiesen, über das sie an die gewünschte Software gelangen. Offenbar möchte man auf diese Weise fortan eindeutig sicherstellen, wie häufig eine VMWare-Software auch tatsächlich heruntergeladen wurde.(sg)