Windows-Historie, Teil 3 – Trennung und Konsolidierung der Systeme

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Windows XP: Andauernde Popularität

Etwa ein Jahr nach dem Release des eher unpopulären Windows Me setzte Microsoft den lange gehegten Plan der Vereinigung von NT- und 9X-Reihe in die Tat um. Windows XP – der Beiname steht für „eXPerience“ – ist technisch gesehen ein direkter Nachfolger der NT-Familie, was sich auch in der Kernel-Versionsnummer NT 5.1 niederschlägt. Gleichzeitig griff das neue Betriebssystem aber auch zahlreiche aus der 9X-Serie bekannte Komfortfunktionen auf, die in Windows 2000 noch gefehlt hatten.

Anfänglich waren nur zwei verschiedene Editionen von Windows XP geplant. Die günstigere „Home Edition“ richtete sich an Heimanwender und war mit 250 € deutlich günstiger, verzichtete aber auf eine Reihe von Funktionen, die sich überwiegend (aber nicht ausschließlich) auf den Netzwerkbetrieb bezogen. Die auf Firmenkunden abzielende Variante „Windows XP Professional“ verfügte zusätzlich über umfangreichere Funktionen im Backup- und Recovery-Bereich oder der Benutzerkontenverwaltung, Multiprozessor-Support, eine uneingeschränkte Möglichkeit zur NTFS-Verschlüsselung sowie Remote-Desktop-Zugriff. Zudem war diese Edition auch in OEM-Fassungen für AMD-x64- und Itanium-Prozessoren erhältlich.

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Aufgrund der hohen Popularität des Betriebssystems brachte Microsoft im Laufe der Jahre noch weitere Fassungen wie das an Tablet-Computer gerichtete XP Tablet, eine um viele fehlende Funktionen erweiterte Heimanwender-Fassung namens „XP Media Center Edition“ sowie das extrem abgespeckte „Windows XP Starter“ heraus.

Dabei wurde das Betriebssystem bei Erscheinen zunächst eher verhalten aufgenommen. Firmenkunden standen der neuen, „Luna“ genannten GUI skeptisch gegenüber, die deutlich bunter und runder ausgelegt war als frühere Versionen: So wurden sämtliche Ecken von Fenstern standardmäßig abgerundet und die Schaltfläche zum Schließen eines Fensters farbig hervorgehoben – beides ließ sich allerdings optional abstellen.

Auch der Standard-Desktophintergrund mit dem grasgrünen Hügel und dem blauen, wolkenbehangenen Himmel wirkte wenig professionell. Privatkunden schreckten dagegen zu Beginn vor der neu eingeführten, separaten Aktivierung zurück, die man innerhalb von 30 Tagen nach Installation des Betriebssystems separat über Telefon oder Internetverbindung vornehmen musste. Auch die direkte Integration des MSN-Messengers, den viele als ein aufgezwungenes Spyware-Tool empfangen, lehnten viele Nutzer ab. Dennoch setzte Microsoft allein schon wegen seiner marktbeherrschenden Position innerhalb des ersten Jahres etwa 67 Millionen Kopien von Windows XP ab.

Um die Übersichtlichkeit zu erhöhen, wurde speziell das Startmenü neu gestaltet: Es ist nun in zwei Spalten gegliedert, wobei links einige vorab festgelegte sowie die am häufigsten genutzten Programmverknüpfungen und rechts wichtige Ordner sowie die Windows-Funktionen und Systemeinstellungen zu finden sind. Um wie zuvor gewohnt alle installierten Programme angezeigt zu bekommen ist ein weiterer Klick auf „Alle Programme“ nötig.

Ebenfalls neu ist der System Tray am äußersten Ende der Taskleiste. Im Laufe der Zeit existierte immer mehr Software für Windows, die in diesem Feld neben der Systemuhr den Status des laufenden Programms anzeigte. Im Endeffekt markierte dieser Bereich eine effiziente Shortcut-Funktion für zahlreiche automatisch ausgeführte Programme.

Der Windows Explorer wurde ebenfalls gründlich überarbeitet. So waren nun mehrere verschiedene Vorschauoptionen für verschiedene Dateitypen vorhanden, die sich nicht nur auf das Icon beschränkten. Auch eine schnelle Bildvorschau wurde erstmals direkt in das System integriert.

Da Windows XP auf der NT-Architektur basierte, mussten Heimanwender spätestens jetzt endgültig vom MS-DOS-Modus Abschied nehmen. Allerdings hielt Windows XP für ältere Anwendungen diverse Kompatibilitätsmodi bereit (eine ähnliche Funktion existierte ab Service Pack 2 zwar auch in Windows 2000, stand dort aber nur Nutzern mit Administratorrechten zur Verfügung).

Für jedes Programm konnte die Kompatibilität einzeln festgelegt werden. Während dies bei den meisten Windows-9x-Programmen gut funktionierte, war dies nicht für alle DOS-Anwendungen der Fall. Hier mussten Nutzer im Laufe der Jahre auf Emulations- oder Virtualisierungssoftware von Drittherstellern zurückgreifen.

Im Gegensatz zu Windows 2000 bot Windows XP bereits in der Grundversion Unterstützung für Firewire-Geräte und für Hyperthreading; USB-2.0-Support musste allerdings noch über ein Update nachgerüstet werden. Auch die Einrichtung von Modem- und DSL-Geräten ging nun dank integrierter Treiber deutlich schneller von der Hand. Ebenfalls neu war die Startseite, auf der Nutzer ihr zugehöriges Konto samt den entsprechenden Nutzerrechten vor der Anmeldung an Windows auswählen konnten.

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Das Service Pack 2 stattete Windows XP mit verbesserten Sicherheits- und Update-Funktionen aus. Zusammen mit dem im Oktober 2003 eingeführten Patch-Day, an dem regelmäßig Software-Aktualisierungen nachgereicht wurden, sorgte dies bei vielen Nutzern für ein stärkeres Sicherheits- und Stabilitätsgefühl, so dass sich Windows XP spätestens zu diesem Zeitpunkt als beliebtes Betriebssystem etablierte.

Mit Windows XP sollte Microsoft erneut Schwierigkeiten mit Marktaufsichtsbehörden bekommen, dieses Mal in Europa und Südkorea. Schuld war dieses Mal der Windows Media Player, den Microsoft seit Windows 98 in das Betriebssystem integriert und im Laufe der Jahre massiv in seinen Funktionalitäten stetig ausgeweitet hatte.

Neben einer Bußgeldzahlung von 497 Millionen Euro verpflichtete Microsoft sich daraufhin im März 2005, zusätzlich zu den regulären Windows-Fassungen alternative N-Editionen („N“icht mit Media Player) für den europäischen Markt anzubieten. Da diese allerdings denselben Preis hatte, verzichteten die meisten Anbieter darauf, diese Variante im Sortiment aufzunehmen, zumal zu diesem Zeitpunkt die nächste Windows-Version quasi schon vor der Tür stand. Aus ähnlichem Anlass erschienen für den südkoreanischen Markt auch noch „KN"-Fassungen, aus denen neben dem Media Center auch der MSN-Messenger entfernt wurde.

Windows XP hatte für ein Betriebssystem eine extrem lange Lebensdauer: 2001 erschienen, stellte Microsoft die Unterstützung erst am 08. April 2014 ein. Das OS war sogar dermaßen beliebt, dass laut Microsoft im ersten Quartal 2014 noch fast ein Drittel aller PCs weltweit Windows XP nutzten. Diese Zahl hat sich mit dem Ende des Supports zwar drastisch verringert, dennoch halten auch heute noch einige Anwender weiterhin am Betriebssystem fest, laut Webanalyse-Agentur Net Applications soll der weltweite Anteil (Stand Juni 2015) noch immer bei immerhin 1,4% Prozent liegen.

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