Serie „Requirements Engineering für KMU“ – Teil 10 Requirements Engineering – Lösung von Konflikten

Von Stefan Lange und Moises Lorenzo-Léon* 3 min Lesedauer

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Während der Erhebung und Abstimmung von Anforderungen treten zwangsläufig Konflikte auf. Identifikation und Lösung dieser Konflikte muss ebenfalls Aufgabe des Requirements Engineers sein, um den Projekterfolg zu wahren.

Konflikttypen im Requirements Engineering.(Bild:  Heitec)
Konflikttypen im Requirements Engineering.
(Bild: Heitec)

Bei der Auflösung von Widersprüchen und Konflikten bei Anforderungen helfen dem Requirements Engineer Werkzeuge der Konfliktbewältigung, wie sie in der Folge beschrieben werden.

An erster Stelle nach Identifikation eines Konflikts steht dessen Typisierung. Es kann vorkommen, dass verschiedene Interessengruppen unterschiedliche Erwartungen an das Produkt haben, was zu widersprüchlichen Anforderungen führt. Hieraus können Sach- oder Interessenskonflikte entstehen.

Weitere Ursachen bzw. Konflikttypen können inkonsistente Informationsquellen (Datenkonflikt) oder aber auch weichere, persönliche Ursachen wie kulturelle Unterschiede (Wertekonflikt), Emotionen (Beziehungskonflikt) oder Hierarchieunterschiede (Strukturkonflikt) sein.

Auflösung von Konflikten

Die Lösung des Konflikts ist der entscheidende Schritt, bei dem verschiedene Techniken eingesetzt werden können, um eine Einigung zwischen den Beteiligten zu erzielen.

Einige der Techniken, die zur Lösung des Konflikts beitragen können, sind:

  • Einigung: Eine Einigung entsteht durch ausführliche Diskussionen zwischen Stakeholdern, bis eine von allen bevorzugte Option gefunden wird, was zeitaufwendig sein kann aber gute Chancen auf langfristigen Bestand hat.
  • Kompromiss: Ein Kompromiss ist eine Einigung, bei der Stakeholder auf eine nicht bevorzugte Option zugunsten der Konfliktlösung verzichten und neue Elemente einführen können. Er ist oft der nächste Schritt, wenn eine Einigung nicht rechtzeitig erzielt werden kann und eignet sich für verschiedene Konfliktarten.
  • Abstimmung: Abstimmungen sind ein schnelles Mittel zur Konfliktlösung bei einfachen Entscheidungen zwischen widersprüchlichen Anforderungen. Sie sollten anonym und mit einem neutralen Moderator durchgeführt werden, wobei alle Stakeholder die Alternativen und Konsequenzen kennen müssen.
  • „Ober-sticht-Unter“: Schnelle Lösung für Interessen- und Strukturkonflikte: Überstimmung durch einen höhergestellten Entscheidungsträger oder externen Experten.
  • Variantenbildung: Variantenbildung bedeutet, separate Lösungen für widersprüchliche Anforderungen zu entwickeln. Dies ist jedoch nur bei ausreichendem Zeit- und Budgetrahmen durchführbar.

Als Unterstützung der obigen Techniken können quantifizierende, tabellarische Methoden wie Plus-Minus-Interesting (PMI), Consider All Facts (CAF) oder Entscheidungsmatrizen eingesetzt werden. Deren Darlegung würde leider den Umfang des Artikels sprengen, sie sollten jedoch ohnehin nur in seltenen Fällen notwendig sein.

Konfliktlösungsfähigkeiten

Bei der Durchführung der Konfliktlösung helfen dem Requirements Engineer Softskills wie Einfühlungsvermögen, aktives Zuhören und Mediationsfähigkeit. Er moderiert erfolgreich zwischen den Beteiligten und sorgt damit für eine solide Projektbasis.

Auch Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsvermögen können je nach Situation und Art des Konflikts hilfreiche Fähigkeiten sein.

An dieser Stelle sei noch einmal klar gesagt: Requirements Engineering ist keine Wissenschaft, sondern eine sozio-technische Disziplin, in der Soft Skills und die Interaktion zwischen Menschen eine gewichtige Rolle spielen.

Sobald der Konflikt gelöst ist, muss die Lösung dokumentiert und vorzugsweise von den Beteiligten unterzeichnet werden. Dies aus Gründen der Nachvollziehbarkeit und um zu vermeiden, dass dieselben Konflikte in Zukunft erneut auftreten.

Konflikte sind mit Teil des Alltags im Requirements Engineering. Deshalb sollte man die Techniken kennen, um sie zu vermeiden oder im Falle des Falles zu lösen. Bleiben sie ungelöst haben sie das Potential zu einem späteren Zeitpunkt den Projekterfolg zu gefährden.

Im nächsten und letzten Abschnitt schauen wir noch einmal auf die erarbeiteten Anforderungen und prüfen in Checklisten-Manier, ob wir auch nichts vergessen haben.  (sg)

* Stefan Lange ist Teamleiter Systems Engineering im HEITEC Geschäftsgebiet Elektronik und Dozent für Systems Engineering an der Hochschule Augsburg.

* Moises Lorenzo-Leon ist Systemingenieur im HEITEC Geschäftsgebiet Elektronik und Certified Professional für Requirements Engineering.

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