Sowohl die EU als auch deren Mitgliedstaaten arbeiten zum Teil mit Hochdruck an Blockchain-Strategien. Gelingt es, hier zügig voranzukommen, bieten sich für den Digitalstandort Europa interessante Chancen.
Die EU und ihre Mitglieder arbeiten aktiv an der Förderung der Blockchain-Technologie.
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, vor über 500 Jahren, wurde das Prinzip der doppelten Buchführung erfunden. Mehr Transparenz und eine bessere Nachvollziehbarkeit sollte die neue Methode bringen. Zahlungsverpflichtungen wurden bald in ganz Europa auf dem Haben-Konto gebucht, die Reduzierung von Schulden auf dem Soll-Konto.
Das Prinzip revolutionierte die Buchhaltung und bereitete den Weg für den globalen Kapitalismus. Allerdings bedarf es eines Intermediärs, wie es zum Beispiel ein Bankinstitut sein kann, der die Einträge der beiden involvierten Parteien nachverfolgen und bestätigen musste. Doch jetzt bahnt sich die nächste Revolution an: Die Blockchain-Technologie macht genau diese Zwischenstelle überflüssig.
Was im Finanzwesen bereits umgesetzt wird und als etabliert bezeichnet werden kann, lässt sich auf jede Branche übertragen, die in irgendeinem Prozess auf einen Prüfer, eine Beglaubigung oder einen Intermediär angewiesen ist: Von der Buchhaltung und Audit bis zu Herkunftsprüfung und Claim-Handling. Sie alle profitieren von Lösungen, die auf Blockchain-Technologie basieren.
Eine gute Blockchain-Lösung macht sich diese Vorteile für Echtheitsnachweise zunutze. Bei Medikamenten und medizinischen Produkten oder bei hochpreisiger Markenware, um nur einige bereits in der Praxis bewährte Anwendungen zu nennen, ist eine zweifelsfreie Sicherheit, ein authentisches Produkt zu nutzen, essentiell. Die Blockchain kann die Lieferkette lückenlos nachvollziehbar ausweisen und gibt so allen Parteien die notwendige Sicherheit.
Nicht jeder braucht Detailwissen über die Funktionsweise der Blockchain
Sofern Blockchains nicht für Kryptowährungen genutzt werden, erstellen sie unveränderliche und detailgenaue Aufzeichnungen von Ereignissen, Transaktionen, Verträgen und offiziellen Dokumenten.
Bei autonomen Systemen, die miteinander interagieren, gibt uns die Blockchain-Technologie eine einfache, kostengünstige und dauerhafte Darstellung der in unserem Namen getroffenen und kommunizierten Entscheidungen. Dass ein Großteil der Bevölkerung keine genaue Vorstellung von der exakten Funktionsweise der Technologie hat, ist kein Problem: Es ist sogar ein Grundsatz der Blockchain, dass ihre Anwendung im Verborgenen geschieht; als Basis, auf die Prozesse und Nutzeroberflächen aufbauen. Für den Unternehmenserfolg ist das Detailwissen um die technischen Einzelheiten nicht zwangsläufig relevant, sondern viel mehr, dass es funktioniert und Abläufe einfacher, schneller und günstiger machen kann.
2020 könnte das Jahr sein, in dem die Blockchain erstmals großflächig eingesetzt wird. Viele Lösungen, die Prozesse und Methoden verbessern und erneuern, sind bereits marktreif oder werden es sehr bald sein, das haben wir auch auf dem World Economic Forum (WEF) beobachten können. Die Atmosphäre unter den Blockchain- und IT-Experten war dort sehr positiv, alle blicken mit Spannung nach vorn.
Diskutiert wurde unter anderem ein springender Punkt: Für die vollständige Adaption der Technologie ist es entscheidend, dass die unterschiedlichen Lösungen interoperabel werden. Momentan wird vieles isoliert gebaut, getestet und weiterentwickelt. Die Welthandelsorganisation (WTO) hat bereits in einem Positionspapier die Notwendigkeit der Interoperabilität für den Fortschritt der Blockchain-Technologie dargestellt. Darin heißt es, die Blockchain Gemeinschaft sei sich der Dringlichkeit bewusst und suche aktiv nach technischen Lösungen, die nun teilweise aufkommen.
Auch unser Eindruck vom WEF bestätigt, dass in den nächsten Jahren unterschiedliche Blockchains, sowohl öffentliche als auch private, miteinander kompatibel werden. Die Möglichkeiten eines vereinten Blockchain-Ökosystems werden nahezu unbegrenzt sein und jede Industriesparte beeinflussen.
Bevor es so weit ist, ist die umfassende Anwendung der Blockchain-Technologie gerade in Europa noch mit einigen Hürden verbunden. Eine der großen Herausforderungen liegt in der gegenwärtigen mangelnden Rechtssicherheit. Dass Daten nicht zentral gespeichert werden, sondern dezentral, verteilt in einem Netzwerk von Rechnern, ist ein Kernmerkmal und Grundvoraussetzung der Blockchain. Einmal gespeicherte Daten können nicht mehr verändert werden. Darin liegt jedoch auch der Hauptvorteil dieser Technologie, denn es ist keine dritte Instanz notwendig, der alle Marktteilnehmer vertrauen müssen. Andersherum kann kein zentraler Speicherort von Kriminellen angegriffen oder durch technische Störungen lahmgelegt werden.
Stand: 08.12.2025
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Allerdings sind datenschutzrechtliche Vorgaben zu berücksichtigen. In der EU kollidiert das in der DSGVO verankerte Recht von Betroffenen, ihre gespeicherten Daten korrigieren und löschen zu lassen, mit der Revisionssicherheit der Blockchain, in der nachträgliche Veränderungen grundsätzlich ausgeschlossen sind.
In unserem Nachbarland Deutschland ist sich das Bundeswirtschaftsministerium der Problematik bewusst und arbeitet mit dem Digitalverband Bitkom an Lösungsansätzen. Auch der hiesige Schweizer Bundesrat arbeitet aktiv daran, den Standort als Blockchain-Zentrum weiter zu stärken. Im Crypto Valley rund um Zug florieren zahlreiche Firmen in den Bereichen Crypto, Blockchain und DLT – damit das so bleibt, wurde Ende 2019 ein Gesetzesentwurf verabschiedet, der unter anderem die Rechtssicherheit der Blockchain-Technologie erhöht.
Frühzeitige Blockchain-Schulungen verschaffen einen Wettbewerbsvorteil
Nicht nur bei den Regierungen steigt das Bewusstsein, dass Blockchain künftig eine Schlüsseltechnologie wird. Unternehmen bauen in diesem Bereich zunehmend Expertise auf. So verwundert es kaum, dass Blockchain-Kompetenz in diesem Jahr zu den meistgesuchten Bewerberqualifikationen gehören wird. Die Nachfrage nach Experten steigt stetig – aber Universitätsabschlüsse und Zertifikate in Blockchain-Technologie sind noch neu. Die von Personalern eingesetzten Profiling-Tools sind deshalb kaum in der Lage, die Expertise von Fachkräften einzuschätzen, was das Onboarding zusätzlich erschwert. Mit externen Schulungsprogrammen können Führungskräfte die Fortbildung ihrer Mitarbeiter vorantreiben und Kompetenzen im eigenen Haus aufbauen. Unternehmen, die diesen Bedarf frühzeitig erkennen und decken, verschaffen sich einen echten Wettbewerbsvorteil.
Damit europäische gegenüber amerikanischen und asiatischen Unternehmen den Anschluss behalten, müssen sie die anfängliche Skepsis ablegen und sich der neuen Technologie öffnen. Dafür benötigen wir noch mehr und konkretere Anwendungsbeispiele, um den Nutzen anschaulich zu vermitteln.
Mit einem Fokus auf den Effizienzgewinnen, statt auf den technischen Details, wird dies gut gelingen. Hier ist mitunter auch etwas Kommunikationsgeschick gefragt, um die weniger Tech-affinen Entscheider zu überzeugen. Wer danach sucht, findet bereits einzelne hervorragende Proofs of Concept, allgemein benötigen diese allerdings Zeit. Sie setzen nicht nur die vollendete technische Entwicklung voraus, sondern müssen auch durch die Verantwortlichen proaktiv der Öffentlichkeit vermittelt werden.
Sowohl die einzelnen europäischen Staaten als auch die EU arbeiten aktiv an der Förderung der Blockchain-Technologie. Der Bedarf, die rechtlichen Rahmenbedingungen so anzupassen, dass Europa auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle einnehmen kann, wurde von den Gesetzgebern erkannt.
Es ist nun an den Entscheidern in Unternehmern, Expertise aufzubauen, mögliche Nutzungsszenarien und Effizienzgewinne zu identifizieren und Schritte einzuleiten, um diese in der Realität umzusetzen. Greifen die Gesetzesanpassungen und die innovative Energie der europäischen Unternehmen ineinander, wird sich Europa weiterhin als treibende Blockchain-Kraft behaupten.