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Aufgemerkt Wenn's schnell gehen soll, muss man manchmal langsam arbeiten

| Redakteur: Franz Graser

Beim letzten ESE-Kongress erntete der emeritierte Stuttgarter Informatik-Professor Jochen Ludewig stürmischen Beifall für seine Keynote-Ansprache, die er mit den Worten einleitete: „Ich werde Ihnen jetzt nichts Neues erzählen.“

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EP-Redakteur Franz Graser: „Vielleicht ist gerade in der Projektarbeit dann und wann etwas Entschleunigung nötig.“
EP-Redakteur Franz Graser: „Vielleicht ist gerade in der Projektarbeit dann und wann etwas Entschleunigung nötig.“
(Bild: VCG)

Ludewig sprach über handwerklich saubere Entwicklungsarbeit, riet zu klaren Begrifflichkeiten und dazu, Checklisten zu führen. Er mahnte das KISS-Prinzip an (keep it small and simple) und warnte eindringlich vor angeblichen Wundermitteln, die versprechen, alle Probleme der Softwareentwicklung über Nacht zu lösen.

Alles also ganz einfach? Alles gut im Embedded-Land? Jeder weiß doch eigentlich, wie es richtig geht, sollte man meinen. Aber Ideal und Wirklichkeit sind offensichtlich nicht immer so leicht zur Deckung zu bringen. Beim alltäglichen Projektwahnsinn ist es oft eben nicht so einfach, den Schritt zurück zu tun, das Gesamtbild auf sich wirken zu lassen und in aller Ruhe zu überlegen, wo es denn hakt.

Ich glaube, der Schlüssel ist dieses kleine Wörtchen „Ruhe“. Wir alle sind im Internetzeitalter auf Hektik programmiert. Wenn geliefert werden soll, dann sofort. ASAP ist das durchgängige Motto: As soon as possible – so bald wie möglich. Und wenn es geht, sogar noch früher!

Vielleicht ist gerade in der Projektarbeit dann und wann so etwas wie Entschleunigung nötig, um wieder zu Atem kommen zu können, um trotz aller Einzelprobleme wieder den Überblick über das Ganze zu bekommen. Ich erinnere mich an den einen Forensiker Gil Grissom aus der Fernsehserie „CSI“.

Grissom sagte immer wieder: „Wenn es schnell gehen soll, muss ich langsam arbeiten.“ Er meinte damit: Langsam, bedächtig und überlegt vorgehen – Schritt für Schritt, um Flüchtigkeitsfehler zu vermeiden, die dazu führen, dass man wieder von vorne anfangen muss. Das ist doch ein ganz guter Ansatz. Ich sage Ihnen damit bestimmt nichts Neues. Aber ich wünsche Ihnen, dass es klappt.

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