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Angemerkt Was tun mit Software-Artefakten aus dem mittleren Pleistozän?

Redakteur: Franz Graser

Software hat kein Verfallsdatum. Doch alte, lange nicht mehr gewartete Programme können gerade im Zeitalter der Cloud und des Internets der Dinge ein unberechenbares Sicherheitsrisiko darstellen.

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(Bild: VBM-Archiv)

Nicht nur die NSA ist gut im Abhören, auch ich selbst habe ganz gute Lauscher. So gelang es mir vor ein paar Tagen in der S-Bahn ein Gespräch zweier junger Menschen zu belauschen. Ein Mann, der eine modische Hipster-Brille und einen Hipster-Bart trug, erzählte seinem weiblichen Gegenüber von einer Mädchen-Gang, der es offenbar gelungen war, einen Geldautomaten zu knacken. Viel mehr als einen präparierten USB-Stick hätten sie dazu nicht gebraucht. Und schließlich kam der junge Mann zum Höhepunkt seiner Story: „Und weißt du was?“, sagte er, „auf dem Geldautomaten lief Windows XP!“

Der Tonfall des jungen Mannes verriet zweierlei: Zum einen kam ihm Windows XP ganz offenbar wie ein Software-Artefakt vor, das aus dem mittleren Pleistozän übrig geblieben sein muss. Und zum anderen war der mitleidige Spott zu spüren, mit dem manche Apple-verwöhnten User alles beträufeln, was aus dem großen Softwarehaus in Redmond kommt.

Ich habe zwar meine Zweifel, dass die Story so stimmt, wie sie der junge Mann erzählte. Aber: In unserer vernetzten Welt ist alte Software ein Risiko – völlig egal, woher sie stammt. Vor allem dann, wenn die offizielle Wartung und das Patchen dieser Software eingestellt wurde oder bald beendet werden wird.

Brisant wird diese Entwicklung vor dem Hintergrund des Internets der Dinge. Wenn Autos, Industrieanlagen, Medizingeräte und Spielkonsolen über das Netz verknüpft werden, dann ist davon auszugehen, dass eine ganze Reihe von Geräten über kurz oder lang mit uralter Software betrieben werden wird. Man sieht es ja bei den Smartphones: Selbst ehemalige Topgeräte einiger Hersteller erhalten schon nach wenigen Monaten keine Updates und Bugfixes mehr. Lauter potenzielle Einfallstore für Cracker und Datendiebe.

Wer das Internet der Dinge propagiert, muss dieses Problem in Angriff nehmen. Vielleicht ergibt sich aus der Wartung alter Gerätesoftware ja auch ein lukratives Geschäftsmodell.

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