Wettbewerbsfaktor Warum das Management sich strategisch um Embedded Open Source Software kümmern muss

Autor / Redakteur: Dr. Uwe Kracke / Martina Hafner

Es ist paradox: Während sich die Entwickler im Unternehmen meist über die Vorzüge und Potenziale von Open Source Software im Klaren sind, fehlt ein paar Etagen höher häufig der Blick für die strategischen Implikationen dieser Technologie.

Firma zum Thema

Dr. Uwe Kracke, Geschäftsführer von emlix und Strategie-Experte für Embedded Open Source: „In vielen Unternehmen der Industrie fehlt es an einer strategisch motivierten Technologieplanung für Embedded Open Source Software und damit einem Schlüsselfaktor zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit"
Dr. Uwe Kracke, Geschäftsführer von emlix und Strategie-Experte für Embedded Open Source: „In vielen Unternehmen der Industrie fehlt es an einer strategisch motivierten Technologieplanung für Embedded Open Source Software und damit einem Schlüsselfaktor zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit"
(Foto: Kirschmann/Schroeder, Göttingen)

So hat Open Source Software in Geräten, Maschinen und Anlagen der Industrie heute auf der einen Seite eine große Verbreitung. Auf der anderen Seite wird ihr erhebliches Potenzial zur Unterstützung von strategischen Erfolgsfaktoren im Kampf um Marktanteile noch wenig genutzt.

Dabei machen Internetkonzerne und Startups vor, wie es geht: Open Source Software wird insbesondere bei Infrastruktur, Vernetzung und Sicherheit eingesetzt, wo immer dieses möglich ist. Sie wird kollaborativ über Unternehmensgrenzen hinweg weiter entwickelt und profitiert dadurch von einem steten Strom an Innovationen und Verbesserungen. Gleichzeitig konzentrieren sich diese Unternehmen auf den Kern ihre Geschäftsmodelle und die dafür notwendigen Daten und Programme.

Im Gegensatz dazu fehlt es in vielen Unternehmen der Industrie an einer strategisch motivierten Technologieplanung für Embedded Open Source Software und damit einem Schlüsselfaktor zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit in Zeiten dynamischen Wandels. Ruhen wir uns in Deutschland zu sehr auf den bestehenden Eigenschaften unserer Produkte aus? Wird die Rolle von Daten als Rohstoff und vierter Produktionsfaktor richtig bewertet?

Veränderungen, die wir heute mit Schlagworten wie Industrial Internet, Industrie 4.0 oder Internet der Dinge umschreiben, lassen sich mit selbst entwickelten Betriebssystemen oder proprietären Technologien nicht mehr flexibel genug gestalten. Hinzu kommt, dass die Bedeutung einer nachvollziehbaren Datensicherheit für den Markterfolg digitaler Produkte und Wertschöpfungsketten kontinuierlich wächst.

Interoperabilität, offene Standards und Zugang zum weltweiten Innovationspotenzial beeinflussen unmittelbar Produkteigenschaften. Diese entscheiden dann über den Erfolg in einem sich verschärfenden Konkurrenzkampf.

Um nun als Waffe im Wettbewerb zu taugen, muss Embedded Open Source Software selbst zum Gegenstand einer strategischen Planung werden. Sie muss also die Erreichung definierter strategischer Ziele fördern. Für das Management werden damit Auswahl und Einsatz von Technologien und deren Eigenschaften zu einem strategischen Handlungsfeld.

Im Kern geht es dabei ganz klassisch um die Frage, wie Open Source Software die kritischen Erfolgsfaktoren der Wettbewerbs- und Produktstrategie und damit die Unternehmensentwicklung positiv beeinflussen kann. Zielgrößen sind hier Kosten, Qualität, Flexibilität, Zeit, Produktvielfalt und Service.

Aber es geht auch darum, flexible Technologie-Plattformen als Basis für ganz neue, Daten- und Service-basierte Wertschöpfungsmodelle der Industrie zu nutzen.

Aufgabe eines Open Source-orientierten Technologiemanagements ist es, die für die Produkte notwendigen Technologien, Entwicklungsmethodiken und Prozesse zu identifizieren, auszuwählen und wirtschaftlich bereit zu stellen. Zudem muss die Technologiekette über den gesamten Lebenszyklus flexibel und wartbar gehalten werden.

Spätestens beim hoch aktuellen Thema (IT-) Sicherheit für vernetzte Systeme wird deutlich, dass es hierbei nicht nur um die Bewertung, Auswahl und den Einsatz von Softwaremodulen, sondern auch um den korrespondierenden Prozess der Wartung geht: Sicherheit wird für diese Produkte verstärkt als wesentliches Merkmal wahrgenommen. Sie ist keine Funktion, sondern ein vertrauensbildender Prozess und muss über den gesamten Produktlebenszyklus gewährleistet werden.

Deutsche Industrieunternehmen und Produkte genießen weltweit großes Vertrauen. Open Source Software, strategisch und sicher eingebettet, unterstützt die Verteidigung dieser Position im Wettbewerb. Das Ziel muss sein, die Souveränität über die eigenen Daten, ihre Analyse und Nutzung für neuartige Geschäftsmodelle zu behalten, um branchenfremde Konkurrenten abzuwehren.

(ID:43461674)