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Software Delivery Management, Teil 3: SDM als treibende Kraft für den Geschäftswert

| Autor / Redakteur: Anders Wallgren * / Stephan Augsten

Wie viel unternehmerischen Nutzen schaffen Ihre Software-Produkte für Ihr Unternehmen? Dabei handelt es sich um eine existenzielle Frage, die man sich als leitender Software-Entwickler eines internationalen Unternehmens stellen muss.

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Erfolgreiche Software-Projekte im agilen Kontext erfordern, dass alle Beteiligten reibungslos miteinander kommunizieren.
Erfolgreiche Software-Projekte im agilen Kontext erfordern, dass alle Beteiligten reibungslos miteinander kommunizieren.
(Bild: youxventures / Unsplash)

Die Frage nach dem geschäftlichen Mehrwert von Software-Projekten ist so wesentlich, dass sie sogar als Eröffnungssatz des Buchs „The Business Value of Software“ aus dem Jahr 2017 verwendet wurde. Bevor man diese Frage überhaupt beantworten kann, muss festgehalten werden, dass sich der Mehrwert schwer definieren und messen lässt.

Die Auswirkungen unseres täglichen Handelns in einem Unternehmen sind nicht nachvollziehbar. Jedoch ist leicht zu erkennen, wie der Geschäftswert von Software-Lösungen verpuffen kann, sobald bei Projekten Schwierigkeiten auftreten.

Es kann passieren, dass sich die Entwicklung verzögert und Software-Releases nicht rechtzeitig erfolgen. Dies führt dazu, dass die Umsatzzahlen fast schon zwangsläufig hinter den Prognosen zurückbleiben. Wenn eine neue Software die Kundenbedürfnisse in einem bestimmten Markt nicht erfüllt, schnellen negative Benutzerbewertungen in die Höhe – was sich unter Umständen auf künftige Verkaufszahlen auswirkt. Auch Markttrends unterliegen ständigen Veränderungen.

Angenommen, die Führungskräfte der Geschäftseinheiten verfolgen keine eindeutige Strategie und briefen die Entwicklerteams nicht entsprechend, welche neuen Funktionen für das Softwareprodukt relevant sein werden, dann resultiert dies in eine verpasste Marktchance. Und jede kleine Verfehlung mindert den Geschäftswert.

Konzeptionell lässt sich jede dieser Situationen vermeiden. Teilweise haben Unternehmen Verfahren implementiert, die bestimmte Probleme abfedern und auffangen, ehe diese nicht mehr zu beheben sind. Aber in einem größeren Ausmaß kostet die Unfähigkeit großer Softwareunternehmen, Trends zu antizipieren, Problemfelder zu identifizieren, Informationen auszutauschen, Lösungen zu erforschen und aus Fehlern zu lernen, die Möglichkeiten auf neues Geschäft.

Development ist kein Solo-Projekt

In den letzten beiden Blogartikeln dieser Serie haben wir erläutert, wie Software Delivery Management (SDM) die Sichtweise von Unternehmen auf Softwareentwicklung beeinflusst und wie Betriebe mithilfe von SDM ihre Prozesse straffen können. SDM hat zum Ziel, alle Aspekte des Softwarebereitstellungsprozesses miteinander zu verknüpfen, um nicht nur effizienter zu werden, sondern auch auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten: den maximalen Business Value zu erreichen.

Das SDM-Modell basiert auf vier Hauptpfeilern. Alle Akteure haben Zugriff auf gemeinsame Daten und arbeiten mit diesen; Erkenntnissen werden ausgetauscht und sorgen für einen kontinuierlichen Lernprozess im gesamten Unternehmen; die Zusammenführung von Prozessen, um Innovationen schneller zur Marktreife zu bringen; und die engere Zusammenarbeit zwischen allen Betroffenen zur Steigerung der Effektivität und Qualität.

Das Modell unterstreicht, dass das Entwickeln von Software kein Solo-Projekt ist, sondern der ganze Betrieb sich daran beteiligt und allen Prozessen rund um die Software höchste Priorität einräumt.

Wie kann also eine vernetzte, kollaborative, informationsgesteuerte Softwareorganisation mit SDM geschäftlichen Mehrwert schaffen? Hier sind mehrere Möglichkeiten:

Analysefähigkeit

Anstatt nur auf gesonderte Build-Test-Deployment-Prozesse zu setzen, sollte das Unternehmen sicherstellen, dass Management, Entwickler, Marketingexperten und Ingenieure wichtige analytische Maßnahmen in ihre iterativen Prozesse einbeziehen. Diese Akteure sollten nicht nur auf Vermutungen vertrauen – sie sollten ihre Entscheidungen zumindest teilweise auf Daten stützen. Die Daten umfassen Downloads, Adoptionszahlen, Konversionen, Support-Anfragen und Rezensionen. Mit diesen Informationen bewaffnet, wird das Unternehmen die Software, die von den Kunden gewünscht wird und für die sie bereit sind zu zahlen, besser umsetzen können.

Die richtige Fragestellung

Entwickler sind ein stolzer Schlag. Sie wollen erstklassige Software entwickeln, die die Anwender gerne einsetzen. Ohne Einblick in die geschäftlichen Anforderungen und Vorlieben der Benutzer, geben sie ihr Bestes, um Features zu entwickeln und die Funktionalität zu optimieren. Dank der gemeinsamen Nutzung von Daten und Kommunikationskanälen können sie Fragen stellen wie „Wo wird diese Funktion eingesetzt?“ oder „Warum wollen die Kunden eine ganz neue Schnittstelle?“ Die Ops-Profis beschäftigen andere Fragestellungen – beispielsweise „Wer hat diese neue Version zur Serienreife gebracht und wann?“ Für die VPs ist es indessen relevant zu erfahren, ob die neueste Release-Runde für die großen Offensiven zur Markteinführung bereit sein wird. Wenn die Akteure früh genug im Entwicklungsprozess die richtigen Fragen stellen, werden sie bessere Entscheidungen treffen und ihre Geschäftsziele leichter erreichen können.

Anpassungsfähigkeit und Flexibilität

Viele Organisationen sind stolz auf ihr agiles Handlungsvermögen. Aber sind sie wirklich so beweglich? Angenommen, eine eigentlich fundierte Produktneueinführung platzt unerwartet. Vertrieb und Support erhalten Rückmeldungen, dass der europäische Anwender die Farbe und der APAC-Anwender den Navigationspfad ablehnen. Da alle Akteure aufeinander abgestimmt und einsatzbereit sind, justieren die Entwickler problemlos die Features, die Betriebsleitung passt den Release-Zeitplan an, das Management relauncht regionalen Marketingkampagnen, der Vertrieb reagiert mit gezielten Anreizen und die Entwickler achten mehr auf das Nutzer-Feedback, das in künftige Versionen einfließen soll.

Anders Wallgren
Anders Wallgren
(Bild: CloudBees)

Es liegt in der Verantwortung von Softwareanbietern, sich zu einem wahrhaft softwaregestützten Unternehmen zu entwickeln. Mithilfe der Prinzipien des Software Delivery Management kann jede Organisation die Geschäftsergebnisse vorantreiben und somit mehr Umsatz generieren. Unzufriedene Kunden werden zufriedengestellt, bereits zufriedene Kunden noch zufriedener. Die Reaktionsfähigkeit eines jeden Unternehmens kann durch alle Abteilungen und Ebenen verbessert werden. Vor allem aber kann ein Unternehmen Software einsetzen, um sein ultimatives Ziel zu erreichen: den Geschäftswert zu steigern.

* Anders Wallgren ist Vizepräsident Technologie-Strategie bei CloudBees. Er verfügt über mehr als 30 Jahre fundierte Erfahrung im Konzipieren und Entwickeln kommerzieller Software. Bevor er zu CloudBees kam, bekleidete Wallgren Führungspositionen bei Electric Cloud, Aceva, Archistra und Impresse. Als Manager bei Macromedia war er maßgeblich an Lösungen wie dem Director und verschiedenen Shockwave-Produkten beteiligt.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Partnerportal Dev-Insider.de.

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