Virtuelle Instrumente Schnellere Messungen mit LabVIEW NXG

Redakteur: Franz Graser

Mit LabVIEW NXG 1.0 stellt National Instruments eine neue Generation seiner Engineering-und Systemdesignsoftware vor. Rahman Jamal, Global Technology & Marketing Director bei NI, erläutert im Interview die zentralen Punkte.

Firmen zum Thema

Zurück zu den Wurzeln: LabVIEW NXG zielt auf vereinfachte und optimierte Arbeitsabläufe – auch bei komplexen Mess- und Engineering-Aufgaben.
Zurück zu den Wurzeln: LabVIEW NXG zielt auf vereinfachte und optimierte Arbeitsabläufe – auch bei komplexen Mess- und Engineering-Aufgaben.
(Bild: National Instruments)

Herr Jamal, welches Ziel verfolgt National Instruments mit LabVIEW NXG?

Mit LabVIEW NXG führt NI das fort, was es mit LabVIEW vor 30 Jahren begonnen hat: Ingenieuren einen besseren Zugang zum Programmieren zu verschaffen. Bei LabVIEW NXG 1.0 handelt es sich um die erste Version der nächsten Generation unserer Engineering-Systemdesignsoftware LabVIEW.

Durch einen innovativen Ansatz für die Messautomatisierung schafft es den Brückenschlag zwischen konfigurationsbasierter Software und Programmiersprachen, so dass der Domänenexperte sich auf das Wesentliche seiner Arbeit konzentrieren kann – nämlich die Probleme und nicht die Auseinandersetzung mit den Tools.

LabVIEW NXG 1.0 wurde speziell auf die Bedürfnisse von Ingenieuren und Wissenschaftler zugeschnitten, die Benchtop-Messungen durchführen müssen. Diese Art Messung ist weit verbreitet und in vielen unterschiedlichen Branchen zu finden, wie etwa bei der Benchtop-Validierung und -Verifizierung, dem Testen von Haushaltsgeräten, in der medizinischen Forschung sowie der Produktforschung und -entwicklung.

Version 1.0 der neuen Generation von LabVIEW wurde speziell für unsere „Datenerfassungs-“ und „Messgerätesteuerungskunden“ konzipiert und unterstützt Benchtop-Geräte ebenso wie einen großen Teil der NI-Datenerfassungshardware wie etwa CompactDAQ (USB, Ethernet, WiFi) oder andere USB-basierte Datenerfassungsprodukte unter Windows sowie PCI-/PCIe- und PXI-/PXIe-Karten und -Module zur Datenerfassung.

Von welchen Ideen ließ sich NI bei der Entwicklung von LabVIEW NXG leiten?

Um es auf den Punkt zu bringen: Schnellere Messungen. Sofortige Erkenntnisse. Programmierung optional.

Wenn ich das jetzt ausschmücken darf: Mit LabVIEW NXG gelangen die Anwender durch sofortige Hardwareerkennung, integrierte Datenanalyse und interaktive Datensichtung schneller zu Erkenntnissen. Und das, obwohl die Programmierung hierbei optional ist.

Bei Bedarf kann der Anwender allerdings auch auf grafisches Programmieren übergehen und seine Automatisierungsaufgaben individuell an seine speziellen Anforderungen anpassen. Hier einige Funktionen im Überblick:

- Die Entwicklungssoftware LabVIEW NXG reduziert die Zeit bis zur Inbetriebnahme von Datenerfassungs- und Benchtop-Messgeräten dank intuitiver Entwicklungsabläufe zur Erfassung und Visualisierung von Datensätzen. Daneben steht Anwendern für die individuelle Anpassung ihrer Prüf- und Messsysteme auch der klassische Programmieransatz zur Verfügung.

- In Kombination mit der integrierten Benutzeroberflächenerstellung für technische Anwendungen mittels Drag-and-drop und inhärenten Datenanalysen ist LabVIEW NXG das ideale Werkzeug, um aus gesammelten Daten aussagekräftige Resultate zu gewinnen.

- LabVIEW NXG beinhaltet integrierte Lernhilfen für Anwender unterschiedlichsten Kenntnisstands, so dass diese sich schnell die Themen aneignen können, die sie benötigen, um ihr Projekt umzusetzen. Falls erforderlich, können sie im Anschluss dazu übergehen, ihr Mess- und Prüfsystem mit einer nativen auf ihre Anforderungen maßgeschneiderten Entwicklungsumgebung benutzerspezifisch anzupassen, wobei sich dieselbe Hardware und dieselben Analysekonfigurationen nutzen lassen.

Konzipiert für vereinfachte und optimierte Arbeitsabläufe

Wichtige Kriterien bei der Konzeption und Entwicklung von LabVIEW NXG waren wohl die Usability und die Einsteigerfreundlichkeit. An welchen Punkten wurde das besonders augenfällig umgesetzt?

Wie erwähnt, ist LabVIEW NXG die Fortsetzung der LabVIEW seit jeher inhärenten Idee, die Programmierung dem Ingenieur zugänglicher zu machen, indem die Arbeitsweise seiner Denkweise und seinen Vorlieben angepasst wird. Denn mit LabVIEW konnten Messsysteme quasi ohne Programmierung automatisiert werden.

Wir haben uns lange Zeit eher darauf konzentriert, LabVIEW mit zusätzlichen Funktionen und Möglichkeiten auszustatten, und weniger auf das ursprüngliche Ziel, Anwendern eine möglichst schnelle und effiziente Automatisierung ihrer Messaufgaben zu ermöglichen.

Mit LabVIEW NXG nehmen wir uns jetzt genau dieser Aufgabe an, indem wir die Software von Grund auf für vereinfachte und optimierte Arbeitsabläufe konzipiert haben. Gängige Anwendungen können dabei mit einem einfachen, konfigurationsbasierten Ansatz realisiert werden, während für komplexere Anforderungen die vollständigen, offenen grafischen Programmierfunktionen von LabVIEW, in Form von G-Code, zur Verfügung stehen.

Nun gibt es innovative programmierfreie Arbeitsabläufe, die für deutliche Produktivitätssteigerungen bei der Erfassung und iterativen Analyse von Messdaten am Prüfplatz sorgen.

Dieses Konzept an sich ist natürlich nicht neu. Der Clou jedoch ist, dass der nötige Programmcode im Hintergrund erstellt wird, so dass Arbeitsabläufe Automatisierungsaufgaben vereinfachen. Die Code-Module werden automatisch erstellt, während der Anwender den interaktiven Arbeitsablauf durchgeht.

So gestaltet sich der Übergang von einmaligen Erkenntnissen zu wiederholbaren und automatisierten Messungen sehr einfach – eine äußerst wichtige Funktion, wie ich finde. Auch lassen sich beispielsweise Codeabschnitte per Drag-and-drop einfügen, die 50 Zeilen textbasierten Codes entsprechen.

Diese und weitere Funktionen ermöglichen es Anwendern, sich voll und ganz auf die Umsetzung ihrer Ideen und Innovationen zu konzentrieren, anstatt auf die Implementierung der nötigen Funktionalität.

Enthält LabVIEW NXG bereits den kompletten Funktionsumfang der herkömmlichen Version?

Nein. Momentan existieren zwei neue LabVIEW-Versionen parallel nebeneinander: LabVIEW NXG und LabVIEW 2017. LabVIEW 2017 ist die Weiterentwicklung der bereits bekannten „klassischen“ Version, wohingegen LabVIEW NXG komplett neu aufgesetzt wurde und zuerst nur auf die oben genannte Anwendergruppe zugeschnitten wurde. Die beiden Versionen werden nach und nach ineinander integriert.

Wie wird denn nun das Nebeneinander zwischen dem konventionellen LabVIEW und NXG funktionieren? Wie lange will und kann NI denn die beiden Versionsstränge pflegen?

Das kommt ganz auf unsere Kunden an. Die beiden Pakete werden so lange noch nebeneinander existieren, wie es erforderlich ist, damit unsere Kunden ihre Projekte erfolgreich umsetzen können. Unsere Kunden sollen ihren Bedürfnissen entsprechend entscheiden können, wann sie auf das neue Konzept umsteigen, abhängig von ihren Projektlaufzeiten, Infrastruktur-Updates und den sich verändernden Bedürfnissen des Systems.

Wir werden weiterhin in die momentan existierenden Versionen von LabVIEW investieren, um sicherzustellen, dass die Nutzer selbst die Entscheidung fällen können. Letztendlich haben wir in die neuen Funktionen von LabVIEW NXG investiert, damit sie existierende Systeme ergänzen und nicht binär ein Entweder oder ein Oder erfordern.

Mit der Zeit werden die zugrundeliegenden Konzepte ineinander verschmelzen, aber momentan heißt es „volle Kraft voraus“ für beide.

Anwender sollen selbst entscheiden, wann sie umsteigen wollen

Was raten Sie Entwicklern, die LabVIEW bereits im Einsatz haben? Sollen sie ihre Projekte möglichst schnell auf NXG migrieren oder ist es eine bessere Lösung, zuzuwarten und NXG dann für ein gänzlich neues Projekt einzusetzen?

Das hängt tatsächlich vom einzelnen Anwender ab. LabVIEW NXG 1.0 beinhaltet nur einen Teil der Funktionen und Hardwareunterstützung von LabVIEW 2017. Während LabVIEW NXG 1.0 Messungen am Prüfplatz vereinfacht, zielen die neuen Funktionen von LabVIEW 2017 auf die Entwicklung, den Einsatz und die Verwaltung großer, komplexer und verteilter Prüf- und Embedded-Anwendungen ab.

So wird u. a. eine bessere Interoperabilität mit Standard-IP und -Kommunikationsprotokollen wie IEC 61131-3, OPC UA sowie dem sicheren DDS-Nachrichtenstandard (Data Distribution Service) gewährleistet.

Es unseren Kunden zu ermöglichen, ihre Softwareanwendungen effektiv zu handhaben ist eines unsere Kernprinzipien. Bei LabVIEW NXG handelt es sich um die Zukunft von LabVIEW, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist es die einzigartige Kombination aus LabVIEW NXG und LabVIEW 2017.

LabVIEW NXG 1.0 ist nicht umfassend genug, dass unser gesamter Kundenstamm damit arbeiten könnte.

Aber das, was LabVIEW NXG kann, kann es besser als LabVIEW 2017. Doch selbst wenn es für all unsere Kunden geeignet wäre, wäre eine längere Übergangsfrist nötig, damit die Anwender ihren entwickelten Code zu einem für sie passenden Moment auf ein „neues LabVIEW“ bringen können.

Aufbauend auf mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Softwareentwicklung bildet die erste Version der nächsten Generation von LabVIEW den Auftakt für eine Reihe von Software-Releases, die die Entwicklungsfunktionen von LabVIEW vom Entwurf bis zum Testen stetig erweitern. Von einfachen Datenerfassungsaufgaben bis zu komplexen Prüfsystemen und Smart Machines ermöglicht LabVIEW eine höhere Produktivität bei der Anwendungsentwicklung und eine schnellere Markteinführung. Weitere Informationen zu LabVIEW NXG 1.0 und LabVIEW 2017 sind auf der Seite ni.com/labview zu finden.

Entstehen für bestehende Kunden denn Mehrkosten, wenn sie LabVIEW NXG evaluieren möchten?

Nein, im Gegenteil! Mit dem Kauf von LabVIEW hat jeder Kunde Zugriff auf beide Versionen – LabVIEW NXG 1.0 und LabVIEW 2017 – zum Preis von nur einer. Egal, welche Variante er nun erwirbt, ob „Base Development“, „Full Development“ oder „Professional Development“, so erhält er zusätzlich dieselbe Variante von LabVIEW NXG dazu.

Die beiden Versionen sind eine Investition von NI in eine höhere Anwenderproduktivität bei der Entwicklung von Mess-, Prüf-, Steuer- und Regelanwendungen mit schnellem Hardwarezugriff und zügigen Einblicken in erfasste Daten.

(ID:44736249)