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Application Lifecycle Management

PTC: „Wir müssen ganz tief in das Thema Software eintauchen“

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Gratis-Einstiegslösungen greifen oft zu kurz

Wie sprechen Sie Unternehmen an, die darüber nachdenken, eine ALM-Lösung einzusetzen? Es gibt ja Anbieter, die hier auf kostenlose Einstiegslösungen setzen.

Unser Fokus liegt auf Herstellern von Produkten. Dort beobachten wir eine regelrechte Explosion, was die Zahl der Softwareingenieure betrifft. Manche unserer Kunden beschäftigen bereits über 10.000 Softwareingenieure, bei anderen sind es nur hundert, aber auch dort ist die Zahl stark im Wachsen begriffen.

Viele dieser Leute haben durchaus schon kostenlose oder sehr preiswerte ALM-Einstiegslösungen ausprobiert. Aber ihre Anforderungen und Ansprüche liegen auf einer wesentlich höheren Ebene. Ihre Probleme kreisen darum, ob ein Produkt marktreif ist oder um das Änderungsmanagement bei Hard- und Software. Sie wollen die Prozessqualität messen, zum Beispiel nach Automotive SPICE oder CMMI oder welchen Prozessstandard sie dafür verwenden. Sie wollen einen solchen Prozess über ein weltweit verteiltes Engineering-Team ausbreiten.

Das sind Probleme und Anforderungen, für die wir glauben, einzigartig positioniert zu sein, um den Kunden helfen zu können. Ja, es gibt Open Source, es gibt sehr preiswerte ALM-Lösungen, aber sie helfen nicht unbedingt, wenn es um so komplexe Anstrengungen geht. Sie sind für kleinere Arbeitsgruppen sicher gut geeignet, aber wenn man ingenieurgemäße Stringenz und einen Engineering-Prozess über ein verteiltes Software-Team ausbreitet, dann helfen solche isolierten Lösungen nicht. Um integrierte Produkte voranzutreiben, muss man zum Beispiel sehr eng mit den Hardware-Leuten zusammenarbeiten. Deshalb glauben wir, dass unternehmensweite Ansätze der richtigere Weg sind.

In manchen mittelständischen Unternehmen wird Embedded-Software immer noch ad hoc entwickelt, weil die Teams keine Zeit haben, einen Prozess auszuprobieren.

Wir haben eine Initiative namens Global Software Development. Die Idee dahinter ist, dass wir diese Prozesse mitliefern. Oft bedeutet Softwareentwicklung ja – egal, ob man einen Wasserfall-Prozess oder eine Variante einer agilen Methode verwendet –, dass eine ganze Menge von Konfigurationsarbeit notwendig ist, um zum richtigen Prozess zu kommen. Wir wollen, dass unsere Kunden sicher sein können, dass sie eine Lösung einsetzen, die zu ihren Prozessen passt – selbst wenn es Ad-Hoc-Prozesse sind.

Selbst für ein kleines Entwicklerteam ist es wesentlich, dass sie ein einheitliches Repository für alle Artefakte der Entwicklungsarbeit haben. Aber auch wenn es ein kleines Team ist: irgendwann kommt der Punkt, an dem die Kunden sich Gedanken darüber machen, wie sie Software entwickeln. Wenn sie sich im Automobilumfeld bewegen, kann es sogar sein, dass sie sich einem Audit unterziehen müssen. Wenn es Qualitätsprobleme gibt, dann müssen sie sich um diese Fragen kümmern.

Das soll jetzt nicht heißen, dass unsere ALM-Lösung die absolut richtige Lösung für jede Firma ist, die Software programmiert. Wir denken aber: Wenn Software in einem Engineering- oder Fertigungsunternehmen eingesetzt wird, dann wird der Prozess zu einem integralen Teil des Engineering-Umfelds. Diesen Prozess zu erleichtern, wird dann entscheidend.

Viele Hersteller verfolgen unterschiedliche Ansätze, wenn es um ALM geht. Manche kommen von der Seite der Entwickler-Tools, andere mehr von der Datenbankseite. Welche Philosophie verfolgen Sie?

Unsere Philosophie ist sehr stark davon geprägt, den Lebenszyklus zu unterstützen. Wir stellen sicher, die Prozesslandschaft und die Aufgaben im Entwicklungsprozess abzudecken sowie das Konfigurationsmanagement aller Produke, die dabei entstehen.

Uns ging es dagegen nie um die einzelnen Entwicklungswerkzeuge wie etwa die statische Codeanalyse oder die Codegenerierung oder die Automatisierung der Testwerkzeuge. Es gibt eine ganze Reihe von Applikationen für spezifische Aufgaben, die im ALM-Umfeld existieren. Aus unserer Erfahrung wollen die Kunden ausschließlich die besten dieser Applikationen einsetzen. Und da es ja gewaltige Unterschiede geben kann – zum Beispiel welche Programmiersprache man verwendet, welchen Prozess man nutzt oder für welches Echtzeitbetriebssystem man entwickelt – ist es unausweichlich, dass man in den verschiedenen Bereichen jeweils das beste verfügbare Werkzeug nutzt.

Unsere Strategie lautet daher: Wir wollen, dass das Management der Prozesse, der Aufgaben und der entstandenen Produkte über die jeweiligen Tool-Grenzen hinweg funktioniert. Wenn ich zum Beispiel vier verschiedene Modellierungswerkzeuge nutze, kann ich die Traceability-Funktion über alle Werkzeuge hinweg einsetzen. Das ist für uns der Kern von ALM: Das Management all dieser Elemente, das eine Kontinuität und stetige Verbesserung hinsichtlich der Qualität und der Einhaltung von Prozessstandards ermöglicht und sichert.

Was ist für Ihr Unternehmen wichtiger – das CAD/PLM-Geschäft oder die Software/ALM-Seite?

Wir haben fünf Geschäftsfelder, auf denen ein ähnlich starker Fokus liegt. ALM ist eines davon, neben PLM, SCM (Supply Chain Management), SLM (Service Lifecycle Management) und MCAD (Mechanical CAD). Aus unserer Perspektive kommt jedem davon eine entscheidende Bedeutung zu. Historisch gesehen lag der Schwerpunkt bisher auf CAD und PLM, und das ist immer noch ein wichtiger Umsatzträger.

Aber ALM und SLM wachsen und sie wachsen stark. Wir haben MKS gekauft, damit der Bereich weiter wächst. Strategisch gibt es keinen Bereich, der wichtiger als alle anderen wäre. Uns kommt es darauf an, möglichst viele Prozesse aus dem ganzen Engineering-Bereich abzudecken.

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