Digitale Souveränität in Europa Projektstart für das europäische KI-Sprachmodell Open GPT-X

Von Sebastian Gerstl

Zehn deutsche Organisationen aus Wirtschaft, Wissenschaft und der Medienbranche entwickeln die europäische Antwort auf GPT-3: Unter der Leitung der Fraunhofer-Institute für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) und für Integrierte Schaltungen (IIS) startet jetzt das Projekt OpenGPT-X mit dem Ziel, ein großes KI-Sprachmodell für Europa zu entwickeln.

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Unter der Leitung der Fraunhofer-Institute für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS und für Integrierte Schaltungen IIS entwickelt ein Konsortium aus zehn Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Medienbranche eine neue Sprach-KI, um in Europa entwickelte Anwendungen aus Abhängigkeiten von amerikanischen oder asiatischen Modellen wie GPT-3 oder OpenAI zu lösen.
Unter der Leitung der Fraunhofer-Institute für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS und für Integrierte Schaltungen IIS entwickelt ein Konsortium aus zehn Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Medienbranche eine neue Sprach-KI, um in Europa entwickelte Anwendungen aus Abhängigkeiten von amerikanischen oder asiatischen Modellen wie GPT-3 oder OpenAI zu lösen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Eine Vielfalt an Sprachen, hohe ethische Werte und strikte Regularien z. B. beim Datenschutz – Angebote aus Amerika und Asien werden den Anforderungen des europäischen Marktes häufig nicht gerecht. Dennoch dominieren sie vor allem den digitalen Markt – das gilt auch für Sprachtechnologien basierend auf Künstlicher Intelligenz (KI). Damit europäische Firmen das Innovationspotenzial nutzen und gleichzeitig digital unabhängig bleiben können, entsteht jetzt mit OpenGPT-X ein großes KI-Sprachmodell für Europa.

Unter der Leitung der Fraunhofer-Institute für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS und für Integrierte Schaltungen IIS entwickelt ein Konsortium aus zehn Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Medienbranche die neue Sprach-KI. Mit OpenGPT-X entstehen intelligente Sprachanwendungen, die Unternehmen europaweit über die dezentrale Cloudlösung GAIA-X zur Verfügung stehen.

Europäische Wirtschaft unabhängig von auswärtigen Lösungen machen

Mit der neuen Sprach-KI für GAIA-X sollen durch Anwendungspartner intelligente Sprachanwendungen entstehen, sogenannte Sprachapplikations-Services, die bestehende Lösungen deutlich verbessern können und Unternehmen auch Raum für neue Produkte und Geschäftsmodelle bieten. So können z. B. Dialogsysteme um die Auswertung von Meinungen und Stimmungen erweitert oder auch Dokumente mit Fachvokabular effizient ausgewertet oder auch automatisiert erstellt werden. „Mit OpenGPT-X schaffen wir die nächste, noch leistungsfähigere Generation von KI-Sprachmodellen – schnell und günstig anpassbar an besondere Bedürfnisse durch die Integration von Spezialvokabularen oder weiteren Informationsquellen im Unternehmen. Dies ermöglicht hochwertige und wirtschaftliche individuelle Lösungen, auch für kleinere Unternehmen“, sagt Prof. Dr. Stefan Wrobel, Institutsleiter des Fraunhofer IAIS.

Neben der Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit soll OpenGPT-X als EU-Projekt auch die Datensouveränität hiesiger Unternehmen und den Datenschutz ihrer Kunden wahren. Eine Herausforderung, denn wie alle KI-Anwendungen basieren Sprachmodelle auf der Verarbeitung großer Datenmengen, die je nach Kontext auch Unternehmens- und Kundendaten enthalten können. Damit derlei sensible Daten nicht außerhalb von Europa verarbeitet werden, werden die OpenGPT-X-Sprachanwendungen über die dezentrale Cloudlösung GAIA-X zur Verfügung gestellt, die derzeit nach europäischen Werten und Sicherheitsstandards entsteht. Die neue Sprach-KI soll künftig in drei GAIA-X-Domänen bereitgestellt werden, in Mobilität, Finanzwirtschaft und Medien.

„Für Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft ist das disruptive Potenzial von KI-Sprachtechnologien enorm, das hat die internationale Konkurrenz bereits erkannt. Ein europäisches KI-Sprachmodell wie OpenGPT-X ist daher zwingend notwendig, um die digitale Souveränität und marktwirtschaftliche Unabhängigkeit Europas zu gewährleisten“, sagt Dr. Nicolas Flores-Herr, Leiter des Projekts am Fraunhofer IAIS.

Branchenübergreifende Entwicklung

Aufgrund der hohen technischen Anforderungen, wie z. B. der Rechenleistung, lassen sich derart leistungsstarke Sprachmodelle bisher nur von Großunternehmen oder Konsortien umsetzen. Dafür konnte das Projekt vielfältige namhafte Partner gewinnen.

So stellen das ZIH der TU Dresden und das Forschungszentrum Jülich ihre Hochleistungsrechenkapazitäten zur Verfügung und arbeiten an Leistungsverbesserungen von Modellen und Hardwarenutzung, während Fraunhofer IAIS gemeinsam mit dem DFKI sowie den Unternehmen Aleph Alpha und Alexander Thamm GmbH die KI-Modelle entwickeln werden. Die 1&1 IONOS SE wird die Integration in die Gaia-X Struktur betreuen. Domänenspezifische Daten für die Entwicklung der Modelle erhält das Projekt u.a. von ControlExpert und dem WDR. Beide Partner entwickeln im Projekt einen Anwendungsfall. Die Kommunikation des Projektes liegt beim KI-Bundesverband. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) fördert das Projekt mit rund 15 Mio. Euro.

Sogenannte große KI-Sprachmodelle, wie GPT-3 des amerikanischen Unternehmens OpenAI, das vor ca. 2 Jahren den Markt revolutionierte, seinen seinen Nutzenden jedoch keinen freien Zugang, sondern lediglich eine Schnittstelle als Zugriff bietet, oder wie das chinesische Modell Wu Dao 2.0, nutzen gewaltige Datenmengen, um vielfältige KI-Modelle zu erstellen. Diese Modelle schreiben z.B. journalistische Texte, unterstützen in der Kundenbetreuung oder helfen komplexe Texte zu verstehen. Das Problem: Datenschutz und eine Einbindung europäischer Sprachen sind dabei nicht gewährleistet.

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