Gastkommentar Open Source – muss man wissen, was das ist?

Autor / Redakteur: Dr. Carsten Emde, OSADL / Martina Hafner

Open Source ist zunächst einmal ein bestimmter Typ einer Software-Lizenz. Open Source hat aber auch zu einer Revolution des Software-Engineerings geführt und Software-Projekte mit bisher nicht bekannter Qualität hervorgebracht.

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Dr. Carsten Emde, Geschäftsführer, Open Source Automation Development Lab (OSADL): „Von Open Source lernen heißt siegen lernen!“
Dr. Carsten Emde, Geschäftsführer, Open Source Automation Development Lab (OSADL): „Von Open Source lernen heißt siegen lernen!“
(Foto: OSADL)

Open Source bezeichnet die Art einer Software-Lizenz. Sind bestimmte Bedingungen erfüllt, wie zum Beispiel die Gewährung der uneingeschränkten Rechte, die Software zu verwenden, zu analysieren, zu verändern, veränderte oder unveränderte Versionen der Software weiterzugeben, dann handelt es sich um Open Source-Software.

Neben den genannten willkommenen Rechten enthalten aber praktisch alle derartigen Lizenzen bestimmte Pflichten, die bei Weitergabe der Software beachtet werden müssen. Diese Pflichten sind in den Lizenzbedingungen geregelt und unterliegen dem Urheberrecht. Infolgedessen kann der Rechteinhaber bei Nichteinhaltung der Pflichten entgangene Lizenzkosten geltend machen und sogar die zukünftige Verbreitung der Software untersagen.

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Wer also in einem Unternehmen für den Vertrieb von Software zuständig ist, sollte wissen, was Open Source ist, und regelmäßig prüfen, ob in den Produkten des Unternehmens Open Source-Software verwendet und diese ordnungsgemäß lizenziert wird. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um ein reines Software-Produkt handelt oder um ein Gerät, das Software enthält, wie beispielsweise ein Embedded-System. Gegebenenfalls muss Rechtsberatung eingeholt werden; außerdem kann man einer Nutzerorganisation beitreten, die ihren Mitgliedern entsprechende Unterstützung durch einen Rechtsanwalt anbietet.

Eines der am meisten verbreiteten Open Source-Projekte ist der Linuxkernel. Unternehmen, die auf Linux basierende Geräte ohne Beachtung der Lizenzpflichten vertreiben, gehen ein möglicherweise erhebliches Risiko ein. Dabei ist die Einhaltung der Lizenzpflichten in der Regel nicht besonders kompliziert – warum also ein Risiko eingehen, für das es eigentlich keine Rechtfertigung gibt?

Der Vollständigkeit halber sei auch hier noch einmal erwähnt, dass die Verwendung des Linuxkernels natürlich keinerlei Auswirkung auf die Wahl der Lizenz der Anwender-Applikation hat. Diese kann genau wie bei proprietären Betriebssystemen nach den Bedürfnissen des jeweiligen Produkts frei gewählt werden.

Open Source ist aber mehr als nur eine Lizenz

Open Source ist nur zunächst ein bestimmter Typ einer Software-Lizenz. Darüber hinaus hat die Art und Weise, wie Open Source-Software weitergegeben werden kann, zu einer völlig neuartigen Art der verteilten Software-Entwicklung geführt. Da der Quellcode nicht mehr im Unternehmen unter Verschluss gehalten werden muss, können sich alle Parteien, die an einer bestimmten Software interessiert sind, zu einer weltweiten Community zusammenschließen.

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Die Kommunikation findet dabei über E-Mail in Foren statt, und die Bearbeitung der Software erfolgt durch Bereitstellung sogenannter Patches. Dies sind strukturierte Anweisungen, welche Zeilen in welchem Quellcode hinzugefügt, verändert bzw. entfernt werden sollen. Die Verwaltung der Patche und deren fallweise Integration in Software-Releases erfolgt über das Internet mit neuartigen Versionsverwaltungssystemen, die speziell für diese verteilte Entwicklung geschrieben wurden.

Communities können mehrere tausend Teilnehmer haben und bestehen nicht nur aus Software-Entwicklern, sondern auch aus Testern und Anwendern. In der Regel sind die Software-Entwickler bei Unternehmen angestellt, die sich für das jeweilige Projekt entschieden haben und durch die Freistellung von Mitarbeitern sicherstellen wollen, dass die Software aktuelle und zukünftige Anforderungen des Unternehmens erfüllt.

Das Open Source-Prinzip hat die Welt verändert

Das auf dem Viel-Augen-Prinzip beruhende Verfahren von verteilter Entwicklung hat zu einer Revolution des Software-Engineerings geführt und Software-Projekte mit bisher nicht bekannter Qualität hervorgebracht. Will man daran teilhaben, muss bei der Entscheidungsfindung für ein neues Software-Projekt zunächst gefragt werden, ob differenzierendes, d.h. für die Alleinstellung des Produkts wichtiges Know-how, enthalten ist.

Ist dies nicht der Fall, sollte man versuchen, eine geeignete Open Source-Software zu finden oder, wenn nicht verfügbar, ein solches Projekt gründen. Anderenfalls muss der Personenkreis der Mitarbeiter kontrolliert werden – aber auch bei einer solchen lokalen Projektgruppe sollte unbedingt das verteilte Verfahren der Open Source-Entwicklung eingesetzt und die Verwaltung mit den für die Open Source-Community entwickelten Tools erfolgen.

Ja, man muss wissen, was Open Source ist; denn von Open Source lernen heißt siegen lernen!

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