Freie Zugänglichkeit von Entwicklungen Open-Source-Gedanken von der Software auf Hardware übertragen

Von Dorothee Quitter

An der TU Berlin wird im Projekt „OPENNEXT“ erforscht, wie der Open-Source-Ansatz in der Produktentwicklung von Hardware etabliert werden kann. Das bisherige Prinzip geschlossener Innovationsumgebungen soll so durch öffentliche Zugänglichkeit, Weiterentwicklung und -verbreitung sowie Reparierbarkeit von Produkten ersetzt werden.

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Ein Lastenfahrrad-Hersteller kam im Zuge des Projekts auf eine neue Produktidee: ein multifunktionales Lastenrad, bei dem verschiedene Aufbauten verschiedene Funktionen ermöglichen. Es kann z.B. zu einer mobilen Küche umgebaut werden.
Ein Lastenfahrrad-Hersteller kam im Zuge des Projekts auf eine neue Produktidee: ein multifunktionales Lastenrad, bei dem verschiedene Aufbauten verschiedene Funktionen ermöglichen. Es kann z.B. zu einer mobilen Küche umgebaut werden.
(Bild: TU Berlin/ Opennext)

Der Open-Source-Software-Gedanke ist die freie Zugänglichkeit von Software. Sie soll von Dritten genutzt, verändert und weiterentwickelt werden können. Zunehmend findet dieser Ansatz auch in der Hardware-Entwicklung Anhänger. Jedoch lässt sich der Open-Source-Ansatz aus dem Software-Bereich nicht ohne Weiteres in die Hardware-Welt übertragen. Denn außer dem Hinterlegen eines Codes auf einer offenen Plattform werden hier auch Produktionsorte, Werkzeuge und Materialien gebraucht.

Diese Unterschiede zwischen Open-Source-Software und Open-Source-Hardware waren die Initialzündung für das im EU-Rahmenprogramm Horizon 2020 geförderte Projekt „OPENNEXT“, das am Fachgebiet Qualitätswissenschaft der TU Berlin koordiniert wird. Opennext ist ein Konsortium von 19 europäischen Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft, von gemeinnützigen Organisationen, Plattformbetreibern und offenen Werkstätten, den Makerspaces.

Innovationen verbreiten und Fehlentwicklungen vermeiden

Nach Angaben der TU Berlin soll in dem Projekt erforscht werden, wie der Open-Source-Ansatz in der Produktentwicklung von Hardware etabliert werden kann. Ziel sei es, in beispielhaft ausgesuchten Branchen wie der Möbelherstellung, der umweltfreundlichen Mobilität und der Konsumgüterelektronik neue Wege der Produktentwicklung zwischen KMUs und Start-ups auf der einen Seite und der Makerspace-Community und den Kunden auf der anderen Seite zu ermöglichen und alle miteinander zu vernetzen. Das alte Prinzip geschlossener Innovationsumgebungen soll hinter sich gelassen und ersetzt werden durch öffentliche Zugänglichkeit, Weiterentwicklung und -verbreitung von Herstellungsprozessen sowie Reparierbarkeit von Produkten. Damit verbunden ist ein ganz wesentlicher Grundgedanke von Open Source: Innovationen sollen mit dem Verschwinden eines Unternehmens nicht mehr verlorengehen. Aber auch teure Fehlentwicklungen können so vermieden werden.

Open Source konstruiertes multifunktionales Lastenrad

In der ersten Projektphase ging es laut Koordinator darum, mit sechs europaweit ausgewählten mittelständischen Firmen und Start-ups, die bereits Erfahrungen mit Open Source hatten, zu untersuchen, wie Open Source in diesen Unternehmen verstetigt werden kann und zu analysieren, welche Infrastruktur dafür notwendig ist. So wurde beispielsweise ein dänisches Start-up, das Büromöbel herstellt, dabei unterstützt, von der bisherigen On-Demand-Produktion zu einem Produktdesign und einer Produktentwicklung zu gehen, bei der der Kunde von Beginn an eingebunden ist.

Ein Lastenfahrrad wird zu einem DJ-Bike umgebaut. Die Konstruktionspläne dafür sind in Open Source auf verschiedenen digitalen Plattformen zugänglich.
Ein Lastenfahrrad wird zu einem DJ-Bike umgebaut. Die Konstruktionspläne dafür sind in Open Source auf verschiedenen digitalen Plattformen zugänglich.
(Bild: TU Berlin/ Opennext)

Ein weiterer Projektkandidat war ein Hamburger Lastenrad-Hersteller. Er wurde mit Open-Source-Akteuren wie Studierenden und einem Makerspace in der Nachbarschaft zusammengeführt. Diese Kontaktknüpfung mündete eine neue Produktidee: ein multifunktionales Lastenrad, bei dem verschiedene Aufbauten verschiedene Funktionen ermöglichen. Mal ist es ein Food Bike, mal ein Medical Bike, eine mobile offene Werkstatt oder ein DJ-Bike, heißt es. Diese funktionalen Module werden Open Source konstruiert und können je nach Bedürfnissen für andere Funktionen abgewandelt, umgebaut, weiterentwickelt werden.

Wie die TU München mitteilt, war ein wichtiges Ergebnis der ersten Projektphase hinsichtlich der notwendigen Infrastruktur, dass neben digitalen Maschinen für Prototyping und Kollaborationssoftwaretools auch gemeinsame Begegnungsorte für den kreativen Austausch und Workshops zur Verfügung stehen müssen.

Reifegradmodell evaluiert Austauschfähigkeit

In der zweiten Phase geht es nun darum, zusammen mit zwölf KMUs anhand einer konkreten Produktidee Konzepte zu erarbeiten, mit denen Open Source in ihren Unternehmen etabliert werden kann. Die TU München wird dabei die Unternehmen mit Hilfe eines Reifegradmodells bewerten. Das Modell erlaubt es, die Fähigkeiten der Unternehmen hinsichtlich ihrer Community-Zusammenarbeit im Zuge der Entwicklung von Open-Source-Hardware zu evaluieren und strategische Maßnahmen abzuleiten, heißt es.

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