Suchen

NIWeek 2017 LabVIEW NXG will mit einfacherer Bedienung zurück zu den Wurzeln

| Redakteur: Franz Graser

National Instruments führt auf der Anwenderkonferenz NIWeek in Austin/Texas eine neue Generation der grafischen Entwicklungsplattform LabVIEW ein. Der Fokus von LabVIEW NXG liegt auf einer einfacheren Benutzung und schnelleren Ergebnissen. NI betont, dass dies nicht zu einer Verflachung des Tools führen wird.

Firmen zum Thema

Jeff Kodosky: Der NI-Mitbegründer und Vater von LabView stellt die jüngste Version der weit verbreiteten grafischen Entwicklungsumgebung vor.
Jeff Kodosky: Der NI-Mitbegründer und Vater von LabView stellt die jüngste Version der weit verbreiteten grafischen Entwicklungsumgebung vor.
(Bild: National Instruments)

Mit einem improvisierten Stepptanz demonstrierte Jeff Phillips, Section Manager für den Bereich Software Platform Marketing bei National Instruments, den Ansatz, den die texanische Technologieschmiede bei der neuen Generation der grafischen Programmierumgebung LabVIEW verfolgt. LabVIEW NXG – das Kürzel steht für „Next Generation“ – zielt insbesondere darauf ab, den Ingenieuren und Wissenschaftlern den Einstieg in die Plattform zu erleichtern.

Bildergalerie

Zu diesem Zweck verband Phillips ein Datenerfassungssystem des Typs CompactDAQ mit einem Beschleunigungsmesser und einem Laptop, auf dem LabVIEW NXG installiert war. Ohne Mühe ist es jetzt möglich, den CompactDAQ sowie den daran angeschlossenen Sensor in der Software zu lokalisieren und ein Fenster aufzuziehen, das die gewonnenen Daten anzeigt. Hierfür vollführte Phillips den eingangs erwähnten kurzen Stepptanz, der sich auf dem Display entsprechend niederschlug.

Damit nähert sich LabVIEW der ursprünglichen Vision wieder an, der NI-Mitbegründer Jeff Kodosky gefolgt war, als er vor mehr als dreißig Jahren mit der Entwicklung der Softwareplattform begonnen hatte: „Was tun wir, wenn wir über ein neues System nachdenken? Wir nehmen uns eine Tafel und werfen Rechtecke und Pfeile darauf. Nichts kann grafische Darstellungen schlagen, wenn es darum geht, Strukturen, Beziehungen und das Verhalten von Hard- und Software zu skizzieren. Das ist auch nicht überraschend – wir sind visuell orientierte Lebewesen. Wir nehmen grafische Informationen rasch auf und wir können Gedanken viel schneller kommunizieren, indem wir Grafiken benutzen.“

Dieser Grundgedanke wohnt der Plattform seit dem allerersten Tag inne, sagte Kodosky bei der Pressekonferenz zu Beginn der NIWeek. „Über die Jahre haben wir uns darauf fokussiert, schwierige Dinge möglich zu machen – wie etwa Echtzeit- oder FPGA-Programmierung. Dabei haben wir es aber etwas aus den Augen verloren, gewöhnliche Aufgaben einfach zu gestalten“, äußerte Kodosky durchaus selbstkritisch: „Die letzte konzentrierte Bemühung im Hinblick auf die Einfachheit der Benutzung war LabVIEW 7 Express – im Jahr 2003.“

„Programming Optional“ – das ist der Claim, der die neue LabVIEW-Generation begleitet. Ingenieure, Wissenschaftler, Mediziner sollen sich auf ihre vordringliche Aufgabe konzentrieren können, ohne gleich tief in die Interna der Tool-Umgebung einsteigen zu müssen. Wurde das Tool dafür aber über Gebühr verflacht? Jeff Phillips, Marketingfachmann bei NI, sieht das nicht so: „Wir wollen, dass Domänenexperten, die zum Beispiel alles über die Erforschung von Augenkrebs oder über das Design einer Komponente wissen, sich darauf konzentrieren können – ohne dass sie in den Details verloren gehen, etwa ob die Hardware richtig konfiguriert ist und die Parameter korrekt gesetzt sind. Sie müssen kein Softwarearchitekt sein, um LabVIEW NXG benutzen zu können.“

Um dies zu erreichen, können Anwender auf vorgefertigte Komponenten zurückgreifen und anhand von integrierten Tutorials in die Bedienung der Tool-Umgebung einsteigen. Lorenz Casper, Regional Product Engineer bei NI, spricht hier von der sogenannten „Gamification“ – beim Design des Systems hatten sich die Entwickler von modernen Computerspielen inspirieren lassen, die den User auch Mit Hilfe solcher Tutorials an die Hand nehmen.

Allerdings bleibt nicht aus, dass man ein Grundverständnis von Softwarearchitektur benötigt, wenn man mit dem neuen LabVIEW komplexe Systeme entwickeln möchte. „Die Lernkurve, wie man die grafische Programmiersprache benutzt, ist immer noch vorhanden. Allerdings ist sie nicht mehr so steil wie bisher und sie trifft den Anwender auch nicht gleich beim ersten Systemstart, sondern erst wenn man schon ein Stück Weg zurückgelegt hat“, erläutert NI-Marketier Phillips.

Neben der neuen Generation läuft die Entwicklung des traditionellen LabVIEW-Versionsstranges ungehindert weiter. Das liegt einerseits daran, dass NXG zumindest in der ersten Version noch nicht das komplette Produktportfolio von NI unterstützt, und zum anderen will National Instruments seine Kunden nicht zum Wechsel zwingen – ein Wesenszug, der sich wohltuend von manchen anderen Softwarehäusern unterscheidet, die ihre Anwender nach einem Plattformwechsel mit Nachdruck auf die neue Technologieplattform bewegen wollten.

„Wir erwarten, dass unsere Kunden beide Lösungen benutzen und mit beiden entwickeln“, sagt Jeff Phillips. „Ja, es wird irgendwann einen Punkt geben, an dem LabVIEW NXG zur einzigen Version von LabVIEW werden wird. Aber das wird in den kommenden drei bis fünf Jahren noch nicht der Fall sein. Und wir werden LabVIEW noch darüber hinaus unterstützen, weil wir wissen, wie viele unsere Kunden damit ihre Tests automatisiert haben. Wir werden ihnen nicht den Boden unter den Füßen wegziehen.“

(ID:44712337)