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Angemerkt Ist Java nur noch kalter Kaffee? Das liegt in der Hand von Oracle.

| Redakteur: Franz Graser

Noch vor wenigen Jahren wurde Java als Allheilmittel für alle Softwaresorgen angepriesen. Vom gewaltigen Business-System bis zur Embedded-Anwendung schien die Devise zu gelten: Write once, run anywhere.

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Franz Graser, Redakteur: „Oracle muss offener auf die Entwickler-Community zugehen und mehr Transparenz wagen“
Franz Graser, Redakteur: „Oracle muss offener auf die Entwickler-Community zugehen und mehr Transparenz wagen“
(Bild: ELEKTRONIKPRAXIS)

Und die Plattform hatte ja Einiges zu bieten – Objektorientierung, Garbage Collection, Unterstützung für Multithreading, keine fehlerträchtigen Pointer und, wie man damals dachte, ein überzeugendes Sicherheitskonzept. Außerdem entstanden Java-Implementationen für alle möglichen Anwendungen: Auf IT-Messen schwärmte man zum Beispiel von Java-fähigen Kühlschränken, die es bald geben würde.

Aber damals schien noch die Sun-Sonne über Java. Inzwischen ist Oracle für die Plattform verantwortlich, und was der Ellison-Konzern mit Java plant, scheint so undurchsichtig zu sein wie die Dämpfe, die in Delphi aus einer Erdspalte stiegen und die Pythia zu ihren Orakelsprüchen anregten. Inzwischen warnen Security-Experten vor der aktuellen Java-Version, weil die sogenannte Sandbox, in der die Programmlogik abläuft, eben doch nicht so undurchdringlich ist, wie man gemeinhin glaubte. Java im Web-Browser zu betreiben, gilt nunmehr als Risiko.

Ist Oracle an all dem schuld? Das wäre zu kurz gegriffen. Schließlich ist es auch Sun nie gelungen, ein tragfähiges Geschäftsmodell um Java zu entwickeln. Außerdem verkämpfte sich Sun in juristischen und PR-Kreuzzügen gegen den Erzfeind Microsoft.

Wahr ist aber auch, dass viele Entwickler von Anfang an mit Oracle fremdelten, als die Ellison-Company Sun übernahm. Denn bei Oracle regiert das Big Business, während Sun stärker Engineering-getrieben war.

Dieser Kulturbruch ist ein Grund dafür, warum sich manche Entwickler unverstanden fühlen. Wenn Oracle will, dass Java langfristig relevant bleibt, dann muss die Company offener auf die Community zugehen und mehr Transparenz wagen. Sonst verfestigt sich der Eindruck, dass Oracle kein großes Interesse mehr daran hat, die Java-Plattform konsequent weiterzuentwickeln.

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