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Kolumne

Illusionen und ihre Wirkung auf die Projektarbeit

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Projektmärchen werden gerne geglaubt

Erfolge werden wohl eher selten offiziell mit dem Ausdruck „Schwein gehabt“ kommentiert. Da ist es doch viel seriöser und glaubwürdiger, eine plausible Geschichte zu konstruieren, die zweifelsfrei die Genialität der Projekthelden belegt. So etwas steht dann gerne in Büchern mit Titeln wie „In 5 Schritten zum Projekterfolg“.

Im Gegensatz zu Grimms Märchen werden hier allerdings erzählerische Elemente wie Glück, Zufall, Wunder, Feen oder Zauberei vermieden. Das passt nichts in Genre und würde die tatsächlich berechtigten Zweifel am Realitätssinn der Autoren befeuern. Doch wehe, das Projekt ist gescheitert. Dann konstruieren die Schlaumeier, die angeblich schon immer skeptisch waren, eine ebenso plausible Geschichte des blanken Dilettantismus.

Aus der Perspektive des Ergebnisses lassen sich die angeblichen Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge in der Regel relativ einfach konstruieren. Nachher sind alle schlauer und am schlauesten die, die sich nicht getraut haben, das Risiko einzugehen und eine Chance zu nutzen. Die Dramatik liegt darin, dass diese Ursache-Wirkungs-Märchen geglaubt werden, weil sie plausibel und damit verständlich sind, und nicht weil sie die realen Zusammenhänge erklären. Die Komplexität der Realität überfordert in der Regel unsere Darstellungsfähigkeiten. Im Nachhinein sind wir leider doch nicht so schlau, wie wir uns fühlen.

Unsicherheit macht erst Entscheidungen notwendig

Wie gehen wir nun mit diesen Erkenntnissen um? Ich denke, die oben genannten Beispiele zeigen, dass wir nicht davon ausgehen können, dass wir Chancen, Risiken und unsere Einflussmöglichkeiten realistisch bewerten. Wir müssen aber trotz dieses Knicks in der mentalen Optik sehr oft Entscheidungen treffen, ohne die ganze objektive Wahrheit zu kennen.

Das ist ja der Witz an einer Entscheidung: Wenn die Situation eindeutig und klar wäre, gäbe es ja nichts zu entscheiden. Also kommen wir aus der Nummer mit Fehler, Irrtum und Risiko nicht raus. Wichtig ist jedoch, dass wir uns der Streiche bewusst sind, die uns unsere Psyche spielt, um ihnen etwas entgegenzuwirken.

Hier ein paar Beispiele für simple Maßnahmen: Falls es die Chance gibt, hilfreiche Zahlen, Daten und Fakten zu erheben, dann tun wir das - und zwar mit Augenmaß. Wenn es Zahlen, Daten und Fakten gibt, dann analysieren wir diese auch ernsthaft und stellen so der Intuition den Verstand zur Seite. Wir verzichten auf nachträgliche Besserwisserei und glauben keinen einfachen Ursache-Wirkungs-Märchen mehr (auch nicht den eigenen).

Wir finden stattdessen in dem vollen Bewusstsein, dass es sich lediglich um Erklärungsversuche handeln kann, heraus, was erfolgsversprechend sein könnte. Und wenn es wieder nicht klappt, denken wir uns mit dem, was wir erfahren haben, etwas Neues aus. Wenn es dann klappt, wissen wir zwar nicht, ob die Erklärung realistischer ist, aber sie scheint wenigstens zu helfen. Eine gute Mischung aus Optimismus und Bescheidenheit ist hier angesagt.

Ich freue mich über Ihre Kommentare. Falls Sie noch mehr über das Fisimatenten-Repertoire unserer Psyche wissen wollen, senden Sie mir eine E-Mail mit dem Betreff „Projekt-Optik“ anp.siwon@die-menschliche-Seite.de.

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Über den Autor

Dipl. Ing. Peter Siwon

Dipl. Ing. Peter Siwon

Trainer, Coach, Sprecher, Autor