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Softwareentwicklung Freie und offene Software ist auch im Automotive-Bereich auf dem Vormarsch

Redakteur: Franz Graser

Knapp 60 Prozent der Betriebe der europäischen Automobilindustrie setzen freie und offene Software für ihre Software- und Systementwicklung ein. Das zeigt eine Studie von BearingPoint in Zusammenarbeit mit der Universität Erlangen-Nürnberg und Black Duck Software.

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Kosteneinsparungen und die Konzentration von Ressourcen sind die wichtigsten Gründe für den Einsatz von freier und offener Software im Automobilbereich.
Kosteneinsparungen und die Konzentration von Ressourcen sind die wichtigsten Gründe für den Einsatz von freier und offener Software im Automobilbereich.
( BearingPoint, Black Duck Software)

Für die Studie wurden 25 Unternehmen befragt, die etwa 50 Prozent des Gesamtumsatzes der europäischen Automobilindustrie repräsentieren. 59 Prozent dieser Unternehmen setzen bereits freie und quelloffene Software (FOSS) in Projekten ein, 35 Prozent der Betriebe befinden sich derzeit in der Evaluierungsphase für freie oder quelloffene Software.

Lediglich 15 Prozent sagen dagegen, dass sie keine FOSS-Programme verwenden. Die genannten 15 Prozent können jedoch auch nicht mit letzter Sicherheit ausschließen, dass sich in ihrer Codebasis nicht doch irgendwo freie Softwarekomponenten befinden, da sie keine Codescanner einsetzen, mit denen sich FOSS-Bestandteile eindeutig identifizieren lassen.

Obwohl schon eine große Zahl an Unternehmen im Automobilbereich FOSS verwendet, beteiligt sich nur eine Minderheit, nämlich 21 Prozent, an der Entwicklung freier Softwareprojekte. Noch weniger, nämlich neun Prozent, gaben an, selbst eines oder mehrere freie Softwareprojekte gestartet zu haben.

Erhoffte Kosteneinsparungen sind ein wichtiger Grund für die Benutzung freier und offener Software; 55 Prozent Unternehmen, die FOSS einsetzen, nannten dieses Motiv. Noch wichtiger ist aber die Möglichkeit, die Ressourcen des Betriebs besser fokussieren zu können, wie 60 Prozent der Betriebe angaben. Die betreffenden Unternehmen verwenden die freien Softwarekomponenten für Standard- oder Commodity-Aufgaben. Die eigenen Entwicklerressourcen werden dagegen dafür benutzt, Lösungen zu programmieren, die einen echten Wettbewerbsvorteil versprechen.

Ein weiterer wichtiger Grund für den FOSS-Einsatz, den immerhin 45 Prozent der Betriebe nannten, ist es, eine zu große Abhängigkeit von proprietärer oder Closed-Source-Software zu vermeiden.

Zwar leistet nur eine Minderheit der befragten Unternehmen selbst Beiträge zu FOSS-Projekten. 57 Prozent der Betriebe, die sich an solchen Projekten beteiligen, tun dies, um einen Standard zu schaffen, der eventuell später zu niedrigeren Kosten für alle Beteiligten führt. Ein Beispiel für ein solches Projekt ist die GENIVI-Allianz, die sich zum Ziel gesetzt hat, eine offene Softwareplattform für In-Vehicle-Infotainment zu kreieren.

Die wenigen Unternehmen, die ein freies Softwareprojekt gestartet oder sich an die Spitze eines solchen Projekts gestellt haben, tun dies vor allem aus Kostengründen oder um das Projekt in die aus ihrer Sicht richtige Richtung zu treiben.

Die befragten Betriebe haben darüber hinaus ihren Softwareentwicklungsprozess bereits in einem hohen Maße formalisiert: 88 Prozent verfügen über eine Richtlinie oder einen dokumentierten Prozess zur Softwareentwickllung, immerhin 71 Prozent verwenden eine solche Richtlinie oder einen Prozess für das Anforderungsmanagement.

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