ESE Kongress 2016 Deutschlands größter Kongress für Embedded Software Engineering

Autor / Redakteur: Sebastian Gerstl/Franz Graser / Franz Graser

Mit 99 Vorträgen, 15 Kompaktseminaren aus Industrie, Forschung und Lehre sowie mehr als 50 Ausstellern bietet der ESE Kongress eine ideale Plattform, um sich zu informieren, zu diskutieren und zu netzwerken.

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Ethik und Technik: Dr. Elke Luise Barnstedt, Vizepräsidentin für Personal und Recht des KIT und vormals Direktorin beim Bundesverfassungsgericht, spricht vor vollem Haus über das Spannungsfeld von Forschung und Verantwortung.
Ethik und Technik: Dr. Elke Luise Barnstedt, Vizepräsidentin für Personal und Recht des KIT und vormals Direktorin beim Bundesverfassungsgericht, spricht vor vollem Haus über das Spannungsfeld von Forschung und Verantwortung.
(Bild: Elisabeth Wiesner)

Jahr für Jahr lockt der ESE Kongress immer mehr Aussteller und Teilnehmer nach Sindelfingen, um dort zum Jahresausklang die wichtigsten Trends und Themen der Embedded-Branche zu verfolgen. Allein im vergangenen Jahr waren es über 1.100 Besucher und Referenten aus allen Bereichen der Embedded-Industrie und der zugehörigen Community.

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Auch in diesem Jahr gibt es mehr als genügend Gründe, diese im deutschsprachigen Raum einzigartige Veranstaltung zu besuchen, denn der Embedded Software Engineering Kongress ist die einzige deutschsprachige Veranstaltung, die sich ausschließlich und tiefgehend den vielfältigen Themen und Herausforderungen bei der Entwicklung von Geräte- und Systemsoftware für Industrieanwendungen, Kfz-Elektronik, Telekom sowie Consumer- und Medizintechnik und vielen weiteren Anwendungsfeldern widmet.

In den insgesamt 99 Fachvorträgen vermitteln internationale Experten aus Industrie, Forschung und Lehre aktuelle Erkenntnisse, Prinzipien, Methoden und Tools der modernen Softwaretechnik sowie aktuelle Trends in der Embedded-Softwareentwicklung.

Industrie 4.0 und Internet der Dinge im Fokus

Heuer liegt ein besonderer Fokus auf zwei Schwerpunktthemen: auf Industrie 4.0 und dem Internet of Things. So legt beispielsweise Daniel Stock vom Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) mit LRAMI 4.0 & IIRA - Unterschiede und Gemeinsamkeiten“ zwei Architekturansätze für das industrielle Internet näher dar. Im englischsprachigen Vortrag „Advanced Security in Embedded Applications“ erläutert Giancarlo Parodi von Renesas Electronics Europe, wie sich fortschrittliche Sicherheitsmechanismen in IoT-Anwendungen implementieren lassen.

Auch Embedded-Anforderungen für die Automotive-Branche werden wie bereits 2014 und 2015 auch heuer wieder in Ihrer eigenen Schwerpunktreihe genauer beleuchtet. Hinzu kommen Vortragsreihen zu Dauerbrennerthemen wie Implementierung, Modellierung, Architektur, Multicore-Systemen und viele weitere.

Die 15 Kompaktseminare, die am Montag (28.11.) und Freitag (2.12.) auf dem Programm stehen, geben den Teilnehmern Gelegenheit, wichtige Kernbereiche rund um Embedded Software näher kennenzulernen oder zu vertiefen. Einer der Höhepunkte am Montag, dem 28. November, ist das Seminar „Die Fundamente des Software Engineering“ von Prof. Dr. Jochen Ludewig. Der emeritierte Hochschullehrer, der den Teilnehmern des Kongresses bereits gut bekannt ist, spricht mit seinem Seminar die Manager von Embedded-Softwareprojekten an. Die ganztägige Veranstaltung soll den Teilnehmern Anstöße dafür liefern, ihr Wissen über Software und ihre Entstehung zu überdenken und neu zu reflektieren.

Den Alumni des Kongresses ebenfalls bestens bekannt ist der Dozent, Berater und Coach Karl Nieratschker. Er befasst sich seinem Seminar mit der Programmiersprache C++ und ihrer Eignung für Embedded-Systeme. Die Teilnehmer sollen hier mit den objektorientierten Ansätzen in C++ vertraut gemacht werden und erfahren, inwieweit sich die Sprache für ihre Projekte eignet.

Parallel dazu informiert Rechtsanwalt Dr. Till Jaeger über lizenzrechtliche Pflichten bei Open-Source-Software in Embedded-Projekten. Mit dem Echtzeit-Linux-Kernel befasst sich der Dozent Andreas Klinger. Im Fokus des Seminars von Clemens Passeck stehen Reviews, Analysemethoden und Tests für sicherheitsrelevante Software.

Am Montagnachmittag befasst sich Professor Dr. Rainer Koschke von der Universität Bremen mit dem Thema der Software-Erosion und wie man sie bekämpft. Dr. Sebastian Voss von fortiss verrät zeitgleich, wie eingebettete Systeme durchgängig modelliert werden können. Holger Dengler von linutronix beschäftigt sich mit der Applikationssicherheit von Linux, und Robert Hellebrand von pure-systems geht auf das Konfigurationsmanagement variantenreicher Systeme ein.

Am letzten Konferenztag, dem 2. Dezember, finden sechs ganztägige Kompaktseminare parallel statt. Unter dem Motto „Ein Bug kommt selten allein“ führt die Dozentin Elisabeth Baur vom Beratungshaus Pilz in das Testen von Software ein. Der Softwarearchitekt und Teamleiter Rainer Grimm zeigt die Stärken von C++ in der Embedded-Programmierung auf. Thomas Batt von MicroConsult präsentiert die Applikationsentwicklung auf der Basis von Echtzeitbetriebssystemen in der Sprache C.

Sein MicroConsult-Kollege Marcus Gößler zeigt auf, wie sich die Komplexität von Multicore und die Einfachheit von Arduino kombinieren lassen. Andreas Willert von der Firma Willert Software Tools stellt die „Homogene Integration von Prozessen, Normen und Werkzeugen“ vor, und Projektmanagement-Experte Peter Siwon von MicroConsult gibt in seinem Seminar Tipps zum Aufbau von Projektteams.

Keynotes: Robocup, Kommunikation und Ethik

Zu den jährlichen Highlights des ESE-Kongresses zählen die Keynotes. Auch dieses Jahr konnten wieder drei herausragende Spezialisten für den Kongress gewonnen werden. So befasst sich der Philosophieprofessor und Staatsminister a.D. Julian Nida-Rümelin am Donnerstag, dem 1. Dezember, mit den ethischen und rechtlichen Konsequenzen des autonomen Fahrens.

Entwickler und Konstrukteure autonomer Fahrzeuge stehen bekanntlich vor einem schwierigen Problem: Was passiert, wenn ein sich selbst steuerndes Vehikel einer Gefahrenquelle ausweicht, etwa einem Kinderwagen, der in die Straße rollt, und dadurch andere Verkehrsteilnehmer gefährdet? Menschliche Autofahrer, die mit einer solchen Situation konfrontiert sind, reagieren instinktiv. Sollen aber autonome Systeme so programmiert werden, dass sie eine Abwägung vornehmen, ob etwa ein Kind oder ein älterer Verkehrsteilnehmer verletzt oder eventuell getötet werden?

Als einer der wenigen Vertreter seines Faches hat sich der Philosophieprofessor Julian Nida-Rümelin, der an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität lehrt, mit solchen Fragen beschäftigt. Aus seiner Sicht verbieten es Recht und Ethik, Menschenleben gegeneinander aufzurechnen. Der 1. Artikel des Grundgesetzes, der die Würde des Menschen in den Vordergrund stellt, untersagt die Verletzung dieser Würde auch dann, wenn dadurch andere Menschenleben gerettet werden könnten.

In einem ZDF-Interview illustrierte Nida-Rümelin dieses Dilemma an einem Beispiel: Ein schwer verletzter Motorradfahrer, der in ein Krankenhaus eingeliefert wird, könnte möglicherweise als Organspender mehreren Menschen das Leben retten. Dennoch sei es unethisch, diesen Verletzten zu Tode zu bringen. Im Gegenteil müsse man alles dafür tun, das Leben des Motorradfahrers zu erhalten.

In dem Interview gab Nida-Rümelin auch zu, dass weder die Philosophie noch die Rechtswissenschaft noch die Technik auf dieses Dilemma eine klare und schlüssige Antwort besäßen. Falls es jedoch soweit kommen sollte, dass in autonome Fahrzeuge derartige Entscheidungsmechanismen eingebaut würden, müssten diese Kriterien aber offengelegt werden. Denn Käufer oder Benutzer solcher Fahrzeuge müssten über diese Entscheidungsmechanismen informiert sein. Er forderte daher die Gesellschaft auf, sich dieser Debatte zu stellen.

Gerade in der Autostadt Sindelfingen werden die Gedanken des Philosophen sicher mit Spannung gehört, da sich die deutsche Autoindustrie das Thema des autonomen Fahrens auf die Fahnen geschrieben hat.

Am ersten Konferenztag, dem 29. November, steht das Thema „RoboCup“ im Vordergrund: Dr. Thomas Röfer vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken und RoboCup-Weltmeister, erläutert in seiner Keynote, wie man Robotern das Fußballspielen beibringt. Die Kommunikationsexpertin Dr. Sylvia Löhken referiert am 30. November über das Kontaktmanagement für intro- und extrovertierte Teammitglieder. //FG

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