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Bayern will Videoüberwachung ausbauen und testet neue Gesichtserkennungssoftware

| Autor / Redakteur: basierend auf Material von dpa und Sueddeutsche.de / Sebastian Gerstl

Bestimmte Merkmale im Gesicht verändern sich nie. Darauf stützen sich die Algorithmen, die die Gesichteserkennungssoftware des LKA Bayern bei der Identifizierung von Straftätern unterstützen soll. Eine Software, die bei der Auswertung von Video- und anderen Bilddaten hilft, würde laut Kriminaldirektor Bernhard Egger vom LKA Bayerm bald ebenso essentiell wie Fingerabdrücke oder DNA-Tests.
Bestimmte Merkmale im Gesicht verändern sich nie. Darauf stützen sich die Algorithmen, die die Gesichteserkennungssoftware des LKA Bayern bei der Identifizierung von Straftätern unterstützen soll. Eine Software, die bei der Auswertung von Video- und anderen Bilddaten hilft, würde laut Kriminaldirektor Bernhard Egger vom LKA Bayerm bald ebenso essentiell wie Fingerabdrücke oder DNA-Tests. (Bild: LKA Bayern)

Das Landeskriminalamt Bayern testet eine neue Software für biometrische Gesichtserkennung, um Tatverdächtige schneller ermitteln zu können. Das Innenministerium möchte zudem die Videoüberwachung ausbauen, um den Fortschritt zu unterstützen, von Seiten von Datenschützern hagelt es Kritik.

Das bayerische Innenministerium will durch die automatische Gesichtserkennung und den Ausbau von Videoüberwachung künftig mehr Tatverdächtige ermitteln. "Derzeit arbeiten wir daran, Bild- und Videodaten nach Tatverdächtigen automatisiert auszuwerten", sagte Landesinnenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitag in München. Momentan werde dafür eine Software getestet. Zudem stehe man in Kontakt mit Forschungseinrichtungen, Sicherheitsunternehmen sowie nationalen und internationalen Polizeibehörden.

Die Videoüberwachung soll unter anderem im Personennahverkehr und an öffentlich zugänglichen Gebäuden wie Einkaufszentren und Konzerthallen ausgebaut werden. Mehr Aufnahmen solle es aber nur dort geben, wo sie für mehr Sicherheit der Bürger erforderlich seien, sagte Herrmann.

Datenschützer kritisierten die Pläne. "Bei einer Videoüberwachung öffentlicher Plätze holt sich der Computer Daten von allen Personen, die sich im überwachten Raum aufhalten" sagte der Landesbeauftragte für den Datenschutz, Thomas Petri. "Das birgt erhebliche Risiken, dass auch unschuldige Personen ins Visier des Computers geraten."

„Menschen verhalten sich anders, wenn sie sich beobachtet fühlen“, warnte Kerstin Demuth vom Verein Digitalcourage. „Wenn Videoüberwachung mit Gesichtserkennung uns bald auf Schritt und Tritt verfolgt, verlieren wir einen erheblichen Teil unserer Freiheit - für nichts.“ Der Datenbankabgleich berge zudem ein bedrohliches Missbrauchspotenzial durch Staaten und Kriminelle.

Herrmann beschrieb die Pläne als unbedenklich. Denn innerhalb einer vorgeschriebenen Frist von zwei bis drei Wochen würden die Aufnahmen wieder gelöscht. Die Wahrscheinlichkeit, dass Straftäter gefilmt werden, steige hingegen.

Nicht nur Überwachungskameras liefern der Polizei Bildmaterial. Die Ermittler bekommen auch immer mehr Handy-Aufnahmen von Zeugen zugeschickt, wie der leitende Kriminaldirektor vom Landeskriminalamt, Bernhard Egger, erklärte. Auch diese Daten werden teilweise per biometrischer Gesichtserkennung ausgewertet.

Gesichtserkennung ebenso wichtig wie Fingerabdruck und DNA-Spuren?

Die Zahl der Ermittlungserfolge ist in den vergangenen Jahren nach Angaben des Innenministeriums kontinuierlich gestiegen: 2010 waren es noch zegn Tatverdächtige, 2016 schon 82. Allein in den ersten zehn Monaten des Jahres 2017 konnten nun schon 83 Täter durch das Gesichtserkennungssystem in Bayern ermittelt werden, gibt das LKA an.

Die Delikte identifizierter Tatverdächtiger reichten "quer durchs Strafgesetzbuch", sagte Egger gegenüber der Süddeutschen Zeitung: Einbruchsdiebstahl, Kapitaldelikte, darunter eine Vergewaltigung, sowie vier Fälle im Zusammenhang mit Terrorismusbekämpfung. Typische Fälle seien Körperverletzungen im öffentlichen Raum, in Ansbach hätten Aufnahmen den Täter ermittelt, die ein Discobetreiber auf dem Parkplatz machte. Genannt wurde auch das Portal, auf dem Zeugen des Amoklaufs am Münchner Olympia-Einkaufszentrum Videos hochladen konnten.

"Gesichter sind zu bedeutenden digitalen Spuren geworden", sagt der Kriminaler. Und der Abgleich mit Datenbanken sei eine "schonendere Maßnahme" als die Öffentlichkeitsfahndung nach Leuten, deren Schuld ja nicht bewiesen sei. Gesichtserkennung, so Egger, könne neben der Identifizierung durch Fingerabdrücke und DNA zur "dritten Säule des Erkennungsdienstes werden".

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