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Automotive Agile Software-Entwicklung ist reif für die Serie

Redakteur: Peter Koller

Trotz vieler Vorbehalte sind auch in der Automotive-Entwicklung agile Methoden auf dem Vormarsch, ergab eine Umfrage des Kornwestheimer Prozessspezialisten Kugler Maag Cie: „Agile in Automotive. State of Practice 2014“

Die Ergebnisse der Umfrage wurden auch in einem Poster visualisiert.
Die Ergebnisse der Umfrage wurden auch in einem Poster visualisiert.
( Kugler Maag)

„Automotive ist anders, agile Methoden funktionieren hier nicht. Die Branchenstandards lassen das leider nicht zu.“ Mit dieser Behauptung wurde die Diskussion über agile Entwicklungsmethoden in der Fahrzeugbranche lange Zeit im Keim erstickt. Einige Pioniere haben sich jedoch nicht beirren lassen. Sie probieren einfach aus, welche agilen Methoden sich im automobilen Arbeitsalltag bewähren und ob Anpassungen erforderlich sind. Obwohl die meisten der befragten Unternehmen noch mit der Pilotierungs- und Roll-out-Phase beschäftigt sind, verfügen sie über durchschnittlich 44 Monate Erfahrung mit agilen Methoden (Stand April 2014).

Ergänzendes zum Thema
Teilnehmer gesucht: Wie sieht die Automobilentwicklung 2030 aus?

In einer Online-Befragung ermittelt der Prozessspezialist Kugler Maag Cie gerade, wie die Engineering-Organisation der Zukunft im Automotive-Bereich aussehen wird. Dafür werden noch Teilnehmer aus dem Sektor gesucht. Sie können sich hier an der Umfrage beteiligen. Die Veröffentlichung der Branchenstudie erfolgt im Frühjahr 2015.

Agilität wird in erster Linie eingesetzt, um Elektroniksysteme schneller serienreif zu bringen. So werden agile Methoden in der Serienentwicklung (89%) doppelt so oft angewendet wie in der Forschung oder in der Vorserie (44 resp. 11%). Dies gaben die Teilnehmer der Branchenumfrage zu Protokoll, darunter Entwicklungsleiter (41%), Projektleiter (32%) und Qualitätsbeauftragte (27%). Die Teilnehmer stammten aus Deutschland und den USA und verantworteten dort verteilte Entwicklungs- und Forschungsprojekte mit weiteren Teams in Osteuropa und Südostasien.

Softwareentwicklung bleibt die Domäne agiler Methoden in der Automobilindustrie –über alle Steuergerätetypen hinweg: Sicherheitsrelevante Systeme wie Bremsen oder Fahrerassistenzsysteme werden ebenso inkrementell entwickelt wie Antriebsstränge oder Infotainment-Anwendungen.

Unter agilen Methoden verstehen die Pioniere in der Fahrzeugbranche in erster Linie das Projektmanagement-Framework Scrum sowie Kanban zur Prozesssteuerung. Feature Driven Development und XP kommen ebenfalls zum Einsatz. Bei den agilen Praktiken überwiegen Daily Stand-ups (83%), Retrospektiven und Continuous Integration (72%). Auf Pair Programming hingegen setzt nur jeder fünfte Entscheider, beispielsweise bei Teams in Südostasien, um bei hoher Fluktuation das Know-how zu halten.

Nichts von der Stange

Die Praktiker in der Fahrzeugentwicklung überlegen gründlich, wie sie agile Methoden für ihre Bedürfnisse anpassen müssen. Am Beispiel von Scrum wird das individuelle Tailoring deutlich: Während fast alle Anwender Daily Stand-ups veranstalten, nutzt nicht einmal jedes zweite Unternehmen User Stories – hier wurde wohl noch kein Weg gefunden, umfangreiche Anforderungen durch den Hersteller in plastische User Stories zu übertragen.

Aus Teilnehmersicht steht und fällt die Implementierung agiler Konzepte mit der Unterstützung durch das Management. Ziel und Knackpunkt zugleich ist die Kommunikation im Unternehmen und mit dem Auftraggeber sowie die Freiheit, neue Wege und Vorgehensweisen auszuprobieren. Über höhere Produktivität und Teamzufriedenheit hinaus werden die agilen Pioniere auch durch die bessere Sichtbarkeit im eigenen Unternehmen belohnt: Die kurzen Entwicklungszyklen mit anschließenden Retrospektiven machen den Beitrag der agilen Teams zum Unternehmenserfolg transparent.

Die Studie „Agile in Automotive. State of Practice 2014“ wurde von Kugler Maag Cie unter einer Creative Commons Licence 4.0 veröffentlicht: Hier die vollständigen Ergebnisse der Befragung.

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